Eltern als Vorbilder – Umgang mit Krisen5 Minuten Lesezeit

Ein Gedankenexperiment: Ich sitze am Abend vor dem Fernseher und will nur noch meine Ruhe haben. Der Tag war mies. Im Moment sind alle Tage mies. Der Chef behandelt mich wie den letzten Dreck, die Kollegen schauen mich an wie einen Aussätzigen und mein Leistungsvermögen war auch schon mal ausgeprägter.

Kurzum: Ich stecke in einer Krise. Meine Partnerin kommt mit angsterfülltem Gesicht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher aus und sagt:

“Du musst mir helfen. Mir geht es ganz dreckig damit, dass es dir schlecht geht und du so oft vor dem Fernseher sitzt. Ich will, dass du wieder glücklich bist, damit ich wieder ruhig schlafen kann. Was MACHE ich nur mit dir?“

Krisenklau

Was für eine Doppelbelastung! Jetzt muss ich auch noch meine Partnerin “retten”. Ich könnte ja wirklich Unterstützung gebrauchen. Meine Partnerin könnte sich zum Beispiel an meine Seite setzen und mir zuhören. Aber nein! Sie bekommt `ne Krise, weil es in meinem Leben kriselt. Ich hasse Krisenklau.

Wenn es Menschen schlecht geht, weil es mir schlecht geht, habe ich den Eindruck, dass ICH mich um SIE kümmern muss.

Warum sollte es Kindern und Jugendlichen anders ergehen?

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„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

Eine typische Eltern-Frage, die auch mir immer wieder gestellt wird. Eine Frage, die, weil sie so normal ist, kaum hinterfragt wird. Eine Frage, die sowohl den Fragenden als auch den Gefragten darauf fokussiert, das Machbare zu erkunden.

Mein erster Gedanke zu der Frage der Machbarkeit lautet: Mit Kindern sollten Eltern überhaupt nichts MACHEN. Mit ihnen wird ohnehin schon viel zu viel gemacht. Sie werden erzogen, bearbeitet, genormt. Nicht nur, aber insbesondere in den pädagogischen Einrichtungen.

Fragen über Fragen

“Und wenn sie stundenlang Computer spielen, unglücklich wirken, nicht mehr zur Schule gehen wollen?”

Meine Empfehlung an Eltern: Bevor ihr reflexartig über das vermeintlich Machbare nachdenkt und Ausschau haltet nach effektiven Tipps, Tricks und Rezepten, haltet inne, um ehrlich zu prüfen, um wen oder was es euch gerade geht.

Versucht ihr, euren Eltern-Ideal-Bildern zu entsprechen? Dann macht euch klar, dass euer Kind nicht dafür zuständig ist, dass ihr euch für gute Eltern haltet. Eure Idealbilder sind eure Idealbilder!

Wollt ihr gegenüber Freunden, Verwandten oder Pädagogen in irgendeiner Form wirken? Dann macht euch klar, dass euer Drang zur Imagepflege zu 100 Prozent eure Angelegenheit ist.

Geht es euch tatsächlich um euer Kind oder darum, dass IHR darunter leidet, wenn euer Kind unglücklich wirkt und Krisen erlebt? Macht euch klar, dass eure Gefühle zu euch gehören und unbedingt von euch verantwortet werden müssen.

Klarheit schaffen

Ja, es kann für uns Eltern emotional herausfordernd sein, wenn unser Kind – zum Beispiel vor dem Hintergrund schulischer Erlebnisse – den Rückzug antritt und sich Dingen widmet, die nach Erwachsenen-Maßstäben belanglos oder geradezu schädigend sind. Und natürlich denken wir als verantwortungsvolle und empathische Eltern darüber nach, wie wir unserem Kind in schwierigen Phasen zur Seite stehen können. Im Übrigen ist es doch nachvollziehbar, wenn wir nicht gerade jauchzen vor Freude, wenn unser Kind in Schwierigkeiten steckt oder / und zu Verhaltensweisen neigt, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Der Impuls, in Krisenzeiten ins MACHEN zu kommen, ist nur zu verständlich. Gleichwohl tun wir als Eltern gut daran, regelmäßig nach innen zu gehen, um uns und unsere inneren Antreiber immer besser kennenzulernen.

Wichtige Fragen könne sein: Was ist unser Motiv? Was gehört zu uns und was gehört zu unserem Kind?

Der Druck des Kindes, glücklich sein zu müssen

Für Kinder ist es auf Dauer überaus belastend, ständig ein glückliches, zufriedenes, ausgeglichenes Leben führen zu müssen. Sehr viele Kinder kooperieren mit den Erwartungen und Sorgen der Eltern, indem sie sich aufschwingen, die Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Eltern zu übernehmen.

Wenn Kinder spüren, dass die eigenen Eltern unter den Krisen und Gefühlen der Kinder leiden, fangen die Kinder irgendwann an, schlechtes Gewissen zu entwickeln und Theater zu spielen. Krisen, Tränen oder Rückzugstendenzen dürfen dann nicht mehr zugelassen und gezeigt werden, weil die Eltern starke und glückliche Kinder „brauchen“. In der Folge „bröckelt“ das Selbstwertgefühl der Kinder, weil sie die Lebenserfahrung machen, nicht die sein zu dürfen, die sie sind.

Persönliche Verantwortung

Eltern können sich nicht entscheiden, ob sie JETZT oder SPÄTER Vorbilder sind. Immer sind sie Vorbilder. Sie leben nicht nur vor, wie man eine Gabel hält. Sie leben auch vor, wie man mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen umgeht. Über ihr Verhalten (und nicht über erzieherische Instruktionen) zeigen sie ihren Kindern, entweder persönliche Verantwortung zu übernehmen – das heißt die Verantwortung für sich selbst – oder eben die persönliche Verantwortung abzugeben. Indem Eltern die Verantwortung für sich und das innere Gleichgewicht auf die eigenen Kinder übertragen, vermitteln sie Schuldgefühle und das Erleben von Ohnmacht.

Und so frage ich dich: Was willst du deinem Kind vorleben?


Du willst deinem Kind Verantwortungsübernahme vorleben?

Du willst mehr über dich und deine inneren Antreiber und Motive herausfinden?

Du willst dich mit anderen Eltern darüber austauschen, wie du mit deinen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen verantwortlich umgehen kannst?

Mach meine Familienakademie zu deiner Familienakademie. Werde Mitglied und nutze die Möglichkeit, mit mir und mit anderen Eltern in den gleichwürdigen Dialog zu kommen.

Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

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