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Wie Eltern das Selbstwertgefühl ihrer Kinder stärken können

Das Selbstwertgefühl unserer Kinder stärken – Erziehung überwinden

Kinder nehmen ihren Körper am Anfang ihres Lebens sehr genau wahr. Sie sind kompetent darin, zu empfinden, zu fühlen, Bedürfnisse wahrzunehmen und ins Außen zu kommunizieren. In den ersten ein bis zwei Jahren schauen und spüren die meisten Eltern noch sehr genau hin, um die Botschaften ihrer Kinder bedürfnisorientiert zu deuten. Und wenn ihr Kind im Alter von vielleicht sechs Monaten den Kopf vom Löffel abwendet, gehen sie nicht aus von einem zu behebenden Verhaltensproblem. Nein, sie sehen ihr Kind an und stellen fest: „Anscheinend bist du satt.“ Ein Hauptgewinn, denn solche Sätze stärken das Selbstwertgefühl des Kindes.

Wenn Eltern anfangen zu erziehen…

Nach zwei, drei Jahren allerdings verlassen viele Eltern den Pfad der empathischen Begleitung, um einen Weg einzuschlagen, der geprägt ist von Idealbildern, Erwartungshaltungen, Moralvorstellungen, Normen und Erziehungskonzepten. Eine Eltern-Ansprache macht sich breit, die aufgrund ihres normalen Anstriches zwar unauffällig daherkommt, allerdings wirkt wie ein schleichendes Gift. Ein Gift, das tief eindringt in die Würde der (kleinen) Menschen und damit ihr Selbstwertgefühl schwächt.

Klassische Erziehungssätze

Aus dem Giftschrank der klassischen Erziehung stammen zum Beispiel folgende Sätze:

“Du musst doch jetzt keine Angst haben!”

“Reiß dich am Riemen!”

“Raus! Du darfst erst wieder zu uns kommen, wenn du lieb bist.”

“Das ist doch kein Grund, um traurig zu sein.”

“Selbst schuld!”

„Fräulein!!!“

„Nun hab` dich nicht so!“

Nun möchte man nachfragen, was daran so schlimm ist…

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Paula kommt nach Hause

Nach einem anstrengenden Tag kommt Paula nach Hause. Zum Abendessen erzählt sie:

„Das war heute ein richtig mieser Tag. Ich habe so eine Angst vor dem morgigen Tag. Was ist, wenn ich die Aufgaben wieder nicht schaffe?“

Lange muss Paula nicht auf die Antwort warten:

„Du Paula, mir fällt schon seit einiger Zeit auf, dass es dir an der richtigen Einstellung fehlt. Du musst dich einfach mal besser konzentrieren. Und hör bitte endlich auf, ständig dieses Theater zu spielen. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Man kann sich seine Angst auch einbilden.“

Müssen wir, um der Frage nachzugehen, wie es Paula mit dieser Antwort geht, im Detail wissen, wer Paula ist und wer die Antwort gegeben hat?

Vielleicht ist Paula eine Drittklässlerin, die sich am Ende eines Tages ihrer Mutter anvertraut. Denkbar wäre allerdings auch, dass Paula bereits in den Vierzigern ist und ihrem Ehemann von der Arbeit berichtet.

“Du spielst doch nur Theater!”

Kommentare wie zum Beispiel „Du spielst doch nur Theater!“ oder „Man kann sich seine Angst auch einbilden!“ können sowohl einem Erwachsenen als auch einem Kind richtig weh tun. Während eine Frau nun allerdings durchaus der Frage nachgehen kann, ob sie auch zukünftig mit einem Menschen zusammen sein will, der ihre Gefühle ignoriert und abwertet, muss sich ein Kind irgendwie mit den wichtigen Menschen in seiner Umgebung arrangieren.

Kinder sagen nicht: „Mama und Papa, ich muss euch etwas Wichtiges mitteilen. Wenn ihr meine persönliche Integrität auch weiterhin verletzt, muss ich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich nicht doch besser meine Sachen packe und gehe.“

Kinder, die nicht mehr “richtig mitmachen”

Kinder teilen sich und ihren inneren Schmerz mit, indem sie zum Beispiel im Alltag nicht mehr „richtig mitmachen“. Auch deswegen lade ich Eltern immer wieder dazu ein, das Thema „Zähneputzen“ nicht als reines „Zahnputz-Thema“ zu betrachten, das man mit Strenge, ruhiger Musik oder wohlschmeckender Zahnpasta klären könnte.

Sehr viele Kinder entwickeln angesichts vieler, kleiner Nadelstiche die Überlebensstrategie, die eigenen Gefühle zu unterdrücken und schließlich abzuspalten. Sie verinnerlichen die Überzeugung, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Das wiederum bedeutet unweigerlich, dass ihr Selbstwertgefühl Schaden nimmt beziehungsweise bereits Schaden genommen hat.

“Mit mir stimmt was nicht!”

Wie viele von uns wachen morgens mit dem Gedanken auf „Mit mir stimmt was nicht!“?

Wer in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der Überleben nur möglich war unter der Voraussetzung der Selbstverleugnung und Selbstabwertung, wird die Überlebensstrategien „Selbstverleugnung“ und „Selbstabwertung“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in sein Erwachsenenleben mitnehmen. Hinzu kommt, dass die Gefahr besteht, sich als Erwachsener immer wieder auf Menschen einzulassen, die eine erstaunliche Ähnlichkeit mit denjenigen Menschen aufweisen, die einst das Selbstwertgefühl schwächten.

Wendepunkte

Sehr viele erwachsenen Menschen geraten erst über schwerwiegende Symptome und existentielle Krisen an Wendepunkte.

Meinen wir wirklich, dass heute deswegen so viele erwachsene Menschen zur Therapie rennen, weil sie in ihrer Kindheit und Jugend zu wenig erzogen wurden?

Nach meiner Überzeugung leiden die meisten therapiebedürftigen Erwachsene unter ein durch Erziehung geschwächtes Selbstwertgefühl. Sie können sich nicht annehmen, sind getrieben von der Angst, nicht zu stimmen und drohen, von unerledigten, biographischen Angelegenheiten erledigt zu werden.

Das Gefühl, gefühlt zu werden

Wenn junge Menschen über ihr Verhalten stören, weisen sie darauf hin, dass sie in ihrem Selbstsein gestört werden bzw. wurden. Was brauchen Kinder und Jugendliche, damit sie ein starkes Selbstgefühl entwickeln können? Sie brauchen (wie alle Menschen) das Gefühl, gefühlt und gesehen zu werden, ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen.

Wer im Zusammenleben mit strafenden, verurteilenden und begrenzenden Autoritäten von seinen Gefühlen getrennt wurde, droht im Laufe der Zeit von seinen Gefühlen in Beschlag genommen zu werden. Wir besitzen nicht mehr unsere Gefühle. Sie besitzen uns. Und immer dann, wenn wir auf Menschen treffen, die uns auf dem unteren Pfad an unsere unterdrückten Gefühle erinnern, werden wir erinnert, ohne dass wir uns explizit erinnern.

Sich mit seinen Gefühlen aussöhnen

Ich glaube, dass wir sowohl als Eltern gut daran tun, empathisch und anerkennend nach innen zu gehen, um uns mit denjenigen Gefühlen auszusöhnen, die in unserer Kindheit möglicherweise abgewertet, belächelt, verdrängt wurden.

Solange wir uns nicht erlauben, das zu fühlen, was gefühlt werden will, werden uns traurige, ängstliche oder wütende Kinder an den eigenen unterdrückten Schmerz erinnern. Das wiederum kann dazu führen, dass wir unsere Kinder mit genau den Sätzen belasten, die UNS einst belasteten und auch heute noch wirken Blei.


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Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Aggressionen bei KIndern - Wenn Lebensenergie unterbunden wird

Aggressionen bei Kindern – Wenn Lebensenergie unterbunden wird…

Unsere Aggressionen versetzen uns in die Lage, uns zu bewegen: Auf das zu, was wir brauchen. Weg von dem, was schadet. Gegen das, was Integrität bedroht.

Wir alle brauchen unsere Aggressionen, um zu lernen, um uns zu wehren, um uns durchzusetzen, um uns weiterzuentwickeln, um „Nein“ zu sagen, um destruktive Beziehungen zu beenden, um zu kündigen, um uns zu bewerben, um eine Ausbildung anzugehen, um „Willst du mich heiraten?“ zu sagen, um Widerspruch einzulegen, um unseren inneren Schweinehund zu besiegen, um ein Buch zu schreiben, um Geschäfte abzuwickeln, um Herausforderungen anzugehen, um zu gewinnen, um sich zu konfrontieren, um seine Bedürfnisse zu stillen.

Kurz: Wir brauchen unsere Aggressionen zum Leben. (Siehe u.a. Veröffentlichungen von Wolf Büntig)

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Aggressionen = Feindseligkeit?

Geschockt? Ich könnte es verstehen, weil viele von uns folgenden Zusammenhang gelernt haben: Aggressionen = Feindseligkeit. Der Umkehrschluss: Wir wollen keine Gewalt und deswegen wollen wir keine Aggressionen. Mit dieser anti-aggressiven Haltung unterbinden wir Lebensenergie. Sowohl unsere als auch die unserer Kinder beziehungsweise unserer Schüler

Ich denke, wir müssen uns sehr kritisch mit der Frage auseinandersetzen, was wir jungen Menschen wie vorleben und warum. Gerade in Bezug auf das Thema „Aggressionen“. Meine Überzeugung ist, dass allein deswegen so viele Kinder und Jugendliche zur externalisierten oder internalisierten Gewalt neigen, WEIL sie in Familien oder / und pädagogischen Einrichtungen aufwachsen, in denen sie stillgelegt werden. Übrigens nicht selten unter Zuhilfenahme zutiefst aggressiver Regeln, Grenzen und Konsequenzen.

Wer in jungen Jahren seiner Aggression beraubt wird, ist zur Passivität und Depression verdammt.

Lebensenergie “Aggression”

Während meiner Zeit als Student lebte ich mit Menschen zusammen, denen es unmöglich schien, “einfache” Tätigkeiten auszuüben, wie zum Beispiel zum Einkaufen zu gehen, den Müll zu entsorgen, einen Brief zum Postamt zu bringen. “Das kann doch nicht so schwer sein”, dachte ich. Heute denke ich:

Für manche Menschen ist es aufgrund übernommener Kindergelübde und eingefleischter Überlebensstrategien geradezu unmöglich, sich aufzuraffen und Pläne umzusetzen. Ich glaube nicht, dass Menschen “einfach so” faul sind. Ich denke eher, dass viele Menschen in ihrer Kindheit und Jugend gelernt haben, ihre Lebensenergie „Aggression“ auf den Standstreifen des Lebens abzustellen. Ihnen wurde die Fähigkeit des normalen, unauffälligen Nicht- beziehungsweise Liebseins antrainiert: „Du gehst in dein Zimmer und kommst erst raus, wenn du wieder brav bist!“

Und seitdem sitzen deprimierte Menschen antriebslos in Zimmern, vegetieren vor sich hin und machen sich dafür fertig, dass sie nicht die sind, die sie sein sollten. Wer von sich selbst entfremdet wurde, um den Bildern anderer zu entsprechen, verliert den Kontakt zu sich selbst.

Folgen einer anti-aggressiven Haltung

Manche ziehen sich zurück. Andere ziehen in den Krieg. Sie kämpfen an gegen Menschen, die sie an die eigene unterdrückte Lebendigkeit und an das eigene Opfersein erinnern.

Manchmal frage ich Eltern und Lehrer am Anfang einer Veranstaltung, was Kinder / Schüler in fünf, acht oder fünfzehn Jahren brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Niemand sagt: “Binomische Formeln” oder “Rechtschreibstrategien”. All das, was geäußert wird, bezieht sich im weitesten Sinne auf die Fähigkeit, persönliche und soziale Verantwortung zu übernehmen.
Sind Binomische Formeln und Rechtschreibstrategien deswegen unwichtig? Nicht zwangsläufig, nur beziehen sich Fachkompetenzen auf eine komplett andere Ebene.

Die Übernahme persönlicher und sozialer Verantwortung ist mit einer “anti-aggressiven” Grundhaltung nicht möglich. Wenn uns die psychosoziale Gesundheit unserer Kinder / Schüler am Herzen liegt, müssen wir ihnen zugestehen, sich mit ihren Aggressionen bekannt zu machen.

Und das fängt meiner Ansicht nach an der Stelle an, an der wir jungen Menschen zugestehen, wütend, traurig, unzufrieden oder ängstlich zu sein. Sie brauchen von uns die Einladung, etwas anderes zu wollen als wir. Die Chance, sich an uns zu reiben. Viele Möglichkeiten, sich zu bewegen, sich auszuprobieren, “Nein” sagen zu üben.

Aggressionsprobleme

Und ich möchte gerne betonen, dass der Umstand, dass sich Kinder im Sandkasten eben auch mal mit der Schaufel auf den Kopf hauen, nicht gleichbedeutend ist mit: “Der 3.Weltkrieg naht”.

Ich sage nicht, dass wir uns als Eltern oder Pädagogen dem Willen unserer Kinder / Schüler unterwerfen sollen und alles durchwinken müssen! Bloß nicht. Mir ist wichtig, dass WIR UNSERE Haltung zum Thema “Aggressionen” überprüfen, anstatt auffällig gewordene Kinder / Jugendliche an den Pranger zu stellen oder in „Anti-Aggressions-Projekte“ zu stecken.

Ja, viele Kinder und Jugendliche haben heute Aggressionsprobleme. Jedoch nicht unbedingt in dem Sinne, wie Aggressionsprobleme heute oft definiert werden. Unzählige Kinder und Jugendliche (und Erwachsene) legen allein deswegen ein aggressives Verhalten an den Tag, weil ihre Aggressionen mit Hilfe aggressiver Regeln, Konsequenzen, Strafandrohungen und Gewissensbisse unterdrückt werden bzw. wurden.

Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme, fehlende Motivation

Das Potential, sich für etwas zu motivieren, etwas „in Angriff zu nehmen“, ist jedem Menschen eingegeben und wird am Vorbild entdeckt. Wenn dieses Potential im Bildungs- und Erziehungs-Ödland verkümmert, weil Regeln, Grenzen, Konsequenzen, Erziehungskonzepte und Lehrpläne Individualität und Lebendigkeit unterdrücken, sind Symptome wie zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme oder fehlende Motivation die Folge.

Wenn sich ein Kind (scheinbar) nicht motivieren kann, permanent stört oder Fluchttendenzen entwickelt, müssen wir davon ausgehen, dass der Zugang zum Eigenen und zu den natürlichen Aggressionen durch äußere Einflussnahme gestört ist. Der Versuch, junge Menschen von außen zu motivieren und in ihrem Sosein zu unterbinden, ist ein zutiefst aggressiver Akt und zwingt die Unterdrückten geradezu, ihre Restenergie darauf zu verwenden, sich zu verteidigen.

Und wer sich verteidigen muss, kann sich schon mal gar nicht auf irgendeinen Zahlenraum einlassen…


Nutze deine Aggressionen und werde Mitglied in der Familienakademie 🙂 Ich begleite Eltern, die neben vielen anderen Anliegen, ein Interesse haben, sich mit ihren Aggressionen auszusöhnen. Auch gehen wir der Frage nach, was wir tun können, wenn mit uns oder unsere Kindern mal wieder der Gaul durchgeht…

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Liebe Grüße, Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN