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Umgang mit Hausaufgaben – Eltern in der Verantwortung?

Hausaufgaben: Fester Bestandteil unserer Schulkultur mit großem Einfluss auf die Lebensqualität etlicher Familien. Täglich bemühen sich pflichtbewusste Eltern auf Kosten von Geduld, Zeit, Beziehungsqualität und / oder Gesundheit um vollständige und „richtige“ Hausaufgaben. Schließlich wollen sie das „Beste“ für ihr Kind. Und das heißt für nicht wenige Eltern eben auch, den Part des Ersatz-Lehrers zu übernehmen und das Konzept „Schule“ zu Hause fortzuführen. „Gerne“ auch zu Zeiten, da man vielleicht mal ausspannen und nichts tun könnte.

Unterschiedliche Eltern – unterschiedliche Sichtweisen

„Was bilden die sich eigentlich ein?“, beschwerte sich unlängst eine Mutter bei mir. „Nach einem 12-Stunden-Tag soll ich noch dafür sorgen, dass mein Kind die Hausaufgaben nicht nur erledigt, sondern auch noch korrekt abliefert? Nein, da mache ich nicht mit! Das ist nicht mein Job. Sollen die doch denken, was sie wollen!“

Andere (und aus meiner Sicht erstaunlich viele) Eltern äußern sich hingegen in der Weise, dass sie überhaupt kein Hausaufgaben-Problem sehen. Im Gegenteil. Sie seien sogar froh, dass Hausaufgaben erteilt würden, da man als Eltern mit Hilfe von Hausaufgaben einen Einblick davon bekommen könne, wo ihre Kinder „in den Fächern stehen“. Schließlich erzählten die Kinder ja nie etwas aus der Schule und geschadet hätten Hausaufgaben „uns ja auch nicht“.

Hausaufgaben werden also unter anderem deswegen erteilt, weil Eltern auf den neuesten Stand gebracht werden möchten / sollen und weil Hausaufgaben – zumindest im Weltbild der „Das-hat-uns-doch-auch-nicht-geschadet-Vertreter“ kein Unheil anrichten? (Literaturtipp: Sind Hausaufgaben Hausfriedensbruch?)

Umgang mit Hausaufgaben

Es soll Kinder geben, die gerne Hausaufgaben machen und kaum Unterstützung brauchen. Okay! Auch will ich anerkennen, dass es Eltern gibt, die es tatsächlich genießen, sich abends um 19.45 Uhr noch mit dem Kind vor ein Mathebuch zu setzen. Dann soll es so sein. Es ist nicht mein Anliegen, Menschen Probleme anzudichten.

Was aber ist mit denen, die angesichts des Themas „Hausaufgaben“ leiden? Was ist mit all den jungen Menschen, die einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in der Hausaufgaben-Planwirtschaft verbringen und auf Dauer verzweifeln? Was ist mit all den Eltern, die sich mit dem Lehreraushilfsjob überfordert fühlen und den nächsten Eintrag ins Mutti-Heft fürchten („Ich muss Sie leider darauf aufmerksam machen, dass Jakob wiederholt die Hausaufgaben nicht dabei hatte. Bitte klären Sie das!“)?

Und was ist mit all den Lehrern, die an ihren Schulen entgegen ihrer Werte und Überzeugungen Hausaufgaben erteilen müssen?

Wollen wir all diesen Menschen sagen, dass das Leben nun mal kein Ponyhof ist und der Ernst des Lebens wichtiger ist als das Leben selbst?

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Hausaufgaben – Eine Leidensgeschichte

Nach meiner Einschätzung ist die Geschichte der Hausaufgaben eine einzige Leidensgeschichte. Zu viel Müssen. Zu viel Gehorsam. Zu viel Schule.

Und: Zu wenig Lernen. Der (fachliche) Lerneffekt von Hausaufgaben ist verschwindend gering. Insbesondere dann, wenn Hausaufgaben in Verbindung mit Druck, Angst und Stress aufgetragen werden. Da wird dann eher Druck, Angst und Stress gelernt als Photosynthese.

Nach meiner Ansicht steckt deutlich mehr hinter den klassischen Hausaufgaben als das, wofür sie offiziell ausgegeben werden. Klassische Hausaufgaben führen allen Beteiligten jeden Tag vor Augen, wer das Sagen hat. Sie verpflichten Eltern zur inoffiziellen Unterrichtsassistenz und dienen dem „Lehrer der alten Garde“ als zentrales Instrument zur Disziplinierung und zur täglichen Unterrichtsvorbereitung. Fielen Hausaufgaben weg, müssten sehr viele Lehrer ihre Unterrichts-, Leistungs- und Autoritätskonzepte komplett überdenken.

Gleichzeitig – und das will ich immer wieder bedenken – würde ein Großteil der Lehrerschaft eben auch erleichtert aufatmen, so der Druck der Hausaufgaben endlich wegfiele.

Echt jetzt? Ja, echt jetzt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und aus unzählige Gesprächen mit Lehrerkollegen. Die Quintessenz:

Was man als Lehrer im Unterricht nicht alles machen könnte, wenn man nicht jeden Tag 15 Minuten lang „die Hausaufgaben kontrollieren“ und 10 Minuten neue Hausaufgaben erklären und mitgeben müsste…

Die Verantwortung der Eltern

Was können Eltern tun oder unterlassen, damit es angesichts des Dauerbrenners „Hausaufgaben“ nicht zum Familien-Flächenbrand kommt? Zunächst einmal können sie nach innen gehen und sich den eigenen Druck anschauen, der, wenn er zu groß wird, wie eine Art Brandbeschleuniger wirken kann. Außerdem halte ich es für wichtig, dass Eltern darüber nachdenken, wofür sie ihrer Meinung nach Verantwortung tragen und wofür nicht.

Ich meine, dass Eltern in erster Linie verantwortlich sind für sich und den eigenen „Tanzbereich“. Damit meine ich: Sie sind verantwortlich für die eigenen Grenzen und Bedürfnisse, das familiäre Stimmungsbild, die Qualität der familiären Beziehungen und die konkreten Alltagsanliegen. Wenn also Eltern zu der Auffassung gelangen, dass Hausaufgaben eine schulische Angelegenheit sind, dann können sie sich mutig bekennen und den Lehrern Entsprechendes mitteilen:

„Wir haben als Familie festgestellt, dass das Thema Hausaufgaben einen großen Einfluss auf unser familiäres Miteinander nimmt. Und das wollen wir nicht. Die Verantwortung für die Hausaufgaben tragen Sie. Die Hausaufgaben liegen ab sofort nicht mehr in unserem Verantwortungsbereich. Wir unterstützen unser Kind gerne und wir sind im Gespräch. Jedoch sind wir nicht verantwortlich.“

Gegenwind

Besonders herausfordernd kann es für Eltern in dem Moment werden, in dem sie merken, dass ihr Kind unter den Lasten der Hausaufgaben zu zerbrechen droht. Dann müssen sie eine Entscheidung treffen, die zum Beispiel mit folgender Frage eingeleitet werden kann:

„Wer oder was ist für uns wichtiger? Die Schule oder unser Kind?“

„Ungehorsame“ Eltern dürfen sich auf Gegenwind einstellen. Noch immer gibt es an unseren Schulen Lehrer, die starke Eltern hassen.

Dazu möchte ich zwei Gedanken bemühen:

  1. „Seit ich den Suchens müde ward, erlernte ich das Finden. Seit mir ein Wind hielt Widerpart, segl` ich mit allen Winden.“ (Friedrich Nietzsche)
  2. Verantwortlich für das Familienleben und für das Wohlergehen der Familienmitglieder sind die Eltern. Verantwortlich für das, was in der Schule passiert und aufgetragen wird, sind die Lehrer.

Du erlebst immer wieder schwierige Lehrer-Eltern-Gespräche?

Demnächst steht ein Gespräch in der Schule an und du weißt nicht, wie du zu deinen Überzeugungen stehen kannst?

Du weißt nicht, wie du mit dem Thema „Hausaufgaben“ umgehen kannst?

Ich biete dir an, im Rahmen der Familienakademie Klarheit über deine Unsicherheiten und Anliegen zu bekommen. Zum Beispiel indem du dich mit mir und den Mitgliedern zum Live-Elternabend triffst.

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Eltern als Ersatzlehrer?

Corona und Schule – Müssen Eltern Ersatzlehrer spielen?

Eltern als Ersatzlehrer?

Fotocredit: Dmitri Ma/Shutterstock

Bis auf Weiteres fällt Schule aus. Bis auf Weiteres? Was heißt das? Möglicherweise geht es nach den Osterferien weiter. Möglicherweise nicht. Darüber entscheidet kein Terminkalender. Darüber entscheidet Corona…

Freude über Schulschließungen

Ja, es mag Schüler (und Eltern) geben, die sich angesichts der notwendigen Schulschließungen zunächst einmal gefreut haben. Und daran ist nichts zu kritisieren.

Erinnerst du dich nicht an längst vergangene Tage, als in Hofpausen das Gerücht kursierte, dass es heute „ganz bestimmt“ Hitzefrei geben würde? Und dann dieses Glücksgefühl, als kurz vor der Mittagspause die frohe Kunde mit Hilfe „modernster Spitzentechnologie“ verkündet wurde…

Der Schullautsprecher „springt“ an. Ein Rascheln. Ein Räuspern. Viel Bässe, kaum Höhen. Und plötzlich: ER spricht! Der Mann, der morgens um 8 Uhr noch daherkam wie ein Alien, erzielt nun die Wirkung eines Propheten. ER verkündet die heiligen Worte:

„Liebe Schüler, eine Mitteilung des Schulleiters. Ich muss euch leider mitteilen, dass…“

Leider?

Nix leider! Eher „Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein…“ Oder wen oder was auch immer. Auf alle Fälle machten sich eine Menge Subjekte und Akkusativobjekte auf den Weg in Richtung Wannsee, Freibad oder Bolzplatz. Es war herrlich. Es war schulfrei durch Hitzefrei.

Schulfrei durch Corona

Und jetzt? Jetzt ist schulfrei durch Corona (aka „COVID-19“) . Das aktuelle „Schulfrei“ fühlt sich komplett anders an als damals, als wir wussten, dass die Temperaturen weder fallen werden und der alte Trott weitergeht. Das aktuelle „Schulfrei“ hält sich weder an Temperaturen noch an Zeitschienen. Und frei ist es schon mal gar nicht. Was auch daran liegt, dass unsere Schulen mit normopathischen Mitteln versuchen, auf ein „späteres Leben“ vorzubereiten, von dem niemand weiß, wie es aussehen wird.

Das „spätere Leben“: Unbekannt. Verstörend. Beängstigend.

Wir alle erleben eine Zeit, die für alle Menschen „irgendwie anders“ ist. Unbekannt. Verstörend. Beängstigend. Nicht, dass wir jemals DIE KONTROLLE über irgendetwas gehabt hätten. Aber mal ehrlich: Es kam uns so vor und nun blicken wir in eine Zukunft, die komplett unklar ist.

In Zeiten, da der Mensch meint, alles im Griff haben zu müssen – vom Google-Kalender bis hin zum Schüler – ist die Aussicht auf Unklarheit nicht besonders ermutigend. Wie gehen wir im Kontext Schule mit der gegenwärtigen und durchaus beängstigenden Situation um? Was macht eine Institution, die angetreten ist, um auf DAS „spätere Leben“ vorzubereiten?

Schule und Corona

Niemand – auch wir Lehrer nicht – war auf diese Situation vorbereitet. Innerhalb sehr, sehr kurzer Zeit mussten sich Lehrer darauf einstellen, dass Schüler über einen ungewissen Zeitraum zu Hause bleiben würden. Stellen wir uns das Krisenmanagement vor Ort vor:

Eilige Gespräche im Lehrerzimmer. Ansprachen durch Schulleiter. Erlasse durch Behörden. Entscheidungen werden getroffen, Briefe bzw. Emails geschrieben. Und schon sind Schulbücher im Kopierer, Dateien in E-Mail-Postfächern. Schnell, schnell, schnell! Man will sich ja nichts vorwerfen lassen.

 

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Lehrer auf der Suche nach Lösungen

Ich bin reflektiert genug, um zu wissen, dass die Bilder, die ich im Kopf habe, nicht unbedingt „der“ Wahrheit entsprechen müssen. Was ich indessen mit Sicherheit sagen kann, ist dass jeder Lehrer in den letzten Tagen versucht hat, seine Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu finden. Und dafür möchte ich mich bedanken. Als Vater. Als Kollege. Und auch als Leiter der Familienakademie, der jeden Tag mit dem Spannungsfeld „Schule“ zu tun hat.

Eltern als „Ersatz-Lehrer“

In den letzten Tagen erhielt ich zahlreiche Nachrichten von Eltern, die davon berichteten, dass ihre Kinder bzw. sie als Eltern seitens der Schule beauftragt wurden, Aufgaben von zu Hause aus zu erledigen. Mir geht es wahrlich nicht darum, diesen Punkt grundsätzlich in Frage zu stellen. Gleichzeitig möchte ich nachfragen, ob es angesichts einer auch für viele Familien bedrohlichen Krise wirklich notwendig und sinnvoll ist, Eltern zu „Ersatz-Lehrern“ zu machen und junge Menschen mit LKW-Ladungen an Aufgaben zu belasten.

Eltern sind Eltern!

Mir wurden Arbeitspläne zugespielt, die aussahen wie kopierte Lehrpläne. Mir erzählten Eltern, dass sie ihre Kinder in neue Themengebiete einführen sollen und dass das (neu) zu Erlernende prüfungsrelevant sei. Ich las davon, dass Grundschüler laut Lehrer jeden Tag vier Stunden arbeiten und Eltern dies einfordern und kontrollieren müssen. Und bitte: Die Abiturprüfungen werden wie gewohnt abgenommen. Und das alles in einer Zeit, die geprägt ist von Ängsten, Einschränkungen, Unklarheiten.

Liebe Kollegen, liebe Schulleiter, liebe Politiker: Nein, so geht das nicht.

Eltern sind Eltern und keine Ersatz-Lehrer. Auch und gerade während der Corona-Krise.

Unterricht von zu Hause aus?

Die Aufgabe von Eltern besteht speziell jetzt darin, der eigenen Familie und damit den eigenen Kindern Stabilität zu geben. Indem Eltern – von Existenzängsten geplagt – beauftragt werden, Kinder von zu Hause aus zu unterrichten, wird ein Druck erzeugt, der einfach nur komplett überflüssig und kontraproduktiv ist. So viele Eltern sind gerade unter anderem damit beschäftigt, Haushalts- und Zahlungspläne zu organisieren. Und dann sollen sie für uns Lehrer die Lehrpläne umsetzen? Hä? Und DAS muss uns bitte klar sein: Das, was in der „schulfreien“ Zeit in Hausarbeit erledigt werden soll, dient NICHT den jungen Menschen. Hier geht es lediglich darum, dass das System Schule gestützt wird.

Lebensferne Aufgaben

Es verstört mich (und wahrscheinlich nicht nur mich), dass Myriaden an Schülern „irgendwelche“ Aufgaben erledigen müssen, während ihre real existierende Lebenswelt in keinem Schulbuch der Welt abgebildet wird. Die konstruierte Lebenswirklichkeit, die in Schulbüchern oft eingeleitet wird mit Sätzen wie zum Beispiel „Du gehst mit deinen zwei Freunden ins Kino. Ihr habt 20 € dabei…“ holt junge Menschen ungefähr so wenig ab, wie mich der Satz „Bald findet die Fußball-Europameisterschaft ab und du und deine Freunde…“. Kino und EM fallen aus. Aber nicht wegen Hitzefrei. Wegen Corona.

Online-Thementag am 22.03.2020

Du bist Mutter / Vater und willst wissen, wie…

  • du am besten damit umgehst, wenn dir für die „schulfreie“ Zeit aufgetragen wurde, zu Hause Lehrer zu „spielen“?
  • du dich Lehrern mitteilst, wenn du nicht bereit dazu bist, die Rolle des Ersatz-Lehrers 1:1 zu übernehmen?
  • du dein Kind während der Corona-Krise (auch schulisch) unterstützen kannst?

Am Sonntag, den 22.03. veranstalte ich einen kostenlosen (jedoch Mehrwert bringenden) Online-Thementag zum Thema „Corona und Schule – Müssen Eltern Ersatzlehrer spielen?“

Auf dich warten:

  • Live-Interviews mit einer Mutter, einer Lehrerin, einer (ehemaligen) Schulleiterin, einer Expertin
  • Texte / Veröffentlichungen zum Thema
  • Austausch auf facebook mit mir und anderen Eltern
  • UND: Gelingens-Geschichten! Denn auch DAS ist mir wichtig. Sehr viele Kollegen nehmen ihre Verantwortung überaus empathisch, kreativ und beziehungsorientiert wahr.

Melde dich hier an

Liebe Grüße,

Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN