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Schule macht krank

Schule – Wenn Schüler und Lehrer im Überlebensmodus stecken

Wir könnten im Umfeld „Schule“ sehr viel Energie sparen beziehungsweise sinnvoller nutzen, wenn wir endlich damit aufhörten, Schüler in karge Klassenräume zu stecken, um sie unter Zuhilfenahme von Achtsamkeitsräubern wie zum Beispiel „Noten“ oder „Smileys“ zu „motivieren“.

Eines der größten Probleme, die wir heute an unseren Schulen haben, besteht meiner Ansicht nach darin, dass wir die Ursachen für die sogenannten Disziplin-, Lern, und Konzentrationsprobleme allein bei den Schülern und deren Eltern suchen. Täglich geben uns unzählige Schüler Rückmeldungen darüber, wie es ihnen geht. Zum Beispiel dadurch, dass sie aggressiv werden, sich zurücknehmen, desinteressiert wirken, nicht mehr „richtig“ mitmachen, mobben usw.

Überlebensstrategien

Und was machen viele (nicht alle, nicht alle, nicht alle) Lehrer und Schulleiter? Im übertragenen Sinne fahren sie in die Auto-Werkstatt, um die aufleuchtende Öl-Lampe des Autos entfernen zu lassen, anstatt den Öl-Stand und damit eine mögliche Ursache zu überprüfen. Wenn wir den Öl-Stand unseres Autos ignorieren oder fehlinterpretieren, bleibt es irgendwann stehen.

Was passiert nun, wenn wir die Rückmeldungen unserer Schüler ignorieren oder fehlinterpretieren? Möglicherweise bleiben auch sie stehen (freeze). Vielleicht bedienen sie sich aber auch derjenigen Überlebensstrategien, auf die Menschen im Gegensatz zu Autos in bedrohlichen Situationen zurückgreifen können: Sie greifen an (fight) beziehungsweise flüchten (flight).

Unsere Schulen sind durchsetzt von symptomschaffenden Praktiken, Glaubenssätzen und Strukturen.

Schüler motivieren

Wir setzen Schüler an „ihren Platz“, um sie dort abzuholen, wo sie stehen. Das ist bei genauerer Betrachtung ziemlich irre. Insbesondere dann, wenn wir gleichzeitig das Ziel ausrufen, Schüler zu motivieren.

Wir können Menschen genauso wenig motivieren, wie wir sie hungrig MACHEN können. Sicher: Wenn mir jemand eine wohlriechende Pizza vor die Nase hält, läuft mir ganz gewiss das Wasser im Munde zusammen. Jedoch können Pizza und Pizzabäcker den Hunger in mir nicht MACHEN.

Durchaus könnte man im Umkehrschluss nun meinen, als Lehrer dann halt jeden Tag in die Klassen gehen zu können / zu müssen, um – im Sinne eines motivierenden, appetitanregenden, auf die verschiedenen Geschmäcker ausgerichteten Unterrichts – Wackelpudding, Spaghetti Bolognese oder Bratkartoffeln zu verabreichen. Aber abgesehen davon, dass Menschen „autopoietische“ Systeme sind, d.h. Systeme, die sich permanent selbst erzeugen, ist es weder im klassischen Frontalunterricht noch im angeleiteten Projektunterricht möglich, immerzu Begeisterungsstürme und Motivationsschübe (bzw. Hungerattacken) auszulösen. Viele unserer Schüler werden nicht satt, obwohl sie ständig gestopft werden.

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Schule macht auch Lehrer krank

Ich behaupte, dass derzeit zigtausende Lehrer den Irrsinn des Schulsystems „bedienen“, indem sie gleichzeitig motivieren, bewerten, individualisieren, unterrichten, sanktionieren, „inkludieren“. Sie versuchen in gewisser Weise, Unmögliches möglich zu machen. Das wiederum führt u.a. dazu, dass sie krank werden, kränken oder den Lehrerberuf an den Nagel hängen.

Martin Mourier schreibt in seinem phantastischen Buch „Neue Führungskompetenz“: „Es kann ein gutes Zeichen sein, wenn die Leute krank werden, falls die Alternative wäre, sich selbst zu zwingen, etwas auszuhalten, was schlecht für einen ist.“

„Ab in den Trainigsraum…!“

Ich selbst weiß sehr genau, wie unfassbar anstrengend es als Lehrer ist, 26 Fünftklässler bei der Stange zu halten, die eben nicht „von der Stange“ sind, um nach 45 (oder 90) Minuten 28 Siebtklässler zu motivieren, welche den Kinderschuhen längst entwachsen sind und sich nicht über „Leckerlies“ oder Drohungen „motivieren“ lassen.

„Ab in den Trainingsraum“, schallt es im Jahre 2020 durch diverse Einrichtungen, „und dann denkst du über dein Verhalten nach!“ Mag ja sein, dass dann manche Schüler tatsächlich nachdenken. Ob ihr Nachdenken jedoch konstruktiv ist und im Sinne der Befehlshaber, bleibt abzuwarten.

Wir müssen uns bewusst machen, dass in den pädagogisch wertvollen Trainingsräumen bisweilen junge Leute sitzen, die einzig  darüber nachdenken, wie sie sich rächen können.

Energieraubenden Glaubenssätze und Strukturen

Meine Tochter (14) fragte mich vor einiger Zeit, ob Lehrer tatsächlich davon ausgingen, dass Schüler mehr Respekt hätten oder mehr motiviert seien, wenn Lehrer Verhaltenspunkte gäben. Ich fragte sie nach ihrer Meinung. Sie antwortete: „Ich habe Angst davor, dass ich bestraft werde, aber mehr Respekt vor den Lehrern habe ich dadurch nicht.“

Wir – und ich meine damit in erster Linie Lehrer, Schulleiter und Eltern – müssen uns auseinandersetzen mit energieraubenden Glaubenssätzen und beziehungsverhindernden Strukturen! Die „Eckpfeiler“ unseres Schulsystems lauten: Gehorsam, Misstrauen, ein insgesamt defizitorientiertes Menschenbild, Sanktionen, Gleichschritt, übergriffige Bewertungssysteme und die Überzeugung, dass Qualität von Qual kommt.

Unsere Schüler brauchen keine Noten. Wir, die Erwachsenen „brauchen“ Noten.

Ist das wahr?

Nein, selbstverständlich nicht. Wir GLAUBEN, Noten zu brauchen. Sogar unsere Schüler GLAUBEN eines Tages, Noten zu brauchen. Was für eine Not manche Glaubenssätze doch verursachen. Und sie schaffen Missverständnisse: „Meine Schüler WOLLEN, dass ich sie benote.“ Ja, klar.

Schüler brauchen Vertrauen

Ich wünsche mir „Vertrauensschulen“. Orte, an denen Kinder und Jugendliche darauf vertrauen dürfen, dass die Erwachsenen vertrauen. WIR dürfen darauf vertrauen, dass junge Menschen aus sich selbst heraus und mit Unterstützung von gleichwürdigen Lernbegleitern „in den Fluss“ kommen. Wir müssen nicht ständig Flüsse begradigen und uns darüber wundern, wenn plötzlich Wasser über künstlich errichtete Böschungen tritt beziehungsweise Deiche brechen.

Lerndialog zwischen Schülern und Lehrern

Wir können mit jungen Menschen in einen vertrauensvollen „Lerndialog“ gehen, indem wir uns für sie und ihre Belange interessieren. Wir können ihnen Angebote unterbreiten. Wir können Rückmeldungen geben. Wir können den achtjährigen Stefan fragen, warum es ihm so schwerfällt, sich mit Zahlen oder Buchstaben auseinanderzusetzen.

Nach meiner Erfahrung können nahezu alle achtjährigen Stefans oder elfjährigen Stefanies darüber Auskunft geben, wie es ihnen geht und warum sie sich vielleicht gerade nicht einlassen können. Solange wir jedoch voll sind mit Defizitgedanken, Bildern, Projektskizzen, Maßnahmenkatalogen oder auch unbehandelten Kleinheitsgefühlen können wir nicht wirklich zuhören.

 

Wir alle brauche Menschen, die uns zuhören. Auch wir Eltern. Die Familien-Community ist ein Ort, an dem Menschen einander zuhören. Du bist herzlich eingeladen, in unsere Gemeinschaft zu kommen, um mit mir und anderen Eltern zu wachsen. 

Du hast kein Risiko. 60 Tage kostenloses Rückgaberecht!

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Schule und Überanpassung – Wenn Lehrer am längeren Hebel sitzen

Mehr denn je müssen Schüler heute „richtig“ sein, um als Individuen wahrgenommen zu werden. Die unterschwellige und zutiefst widersprüchliche Botschaft etlicher Lehrer lautet: „Wenn du dich an meine Erwartungen anpasst, darfst du du selbst sein.“ Überanpassung ist für viele Schüler die einzige Möglichkeit, einen letzten Rest ihrer persönlichen Integrität zu wahren.

Existentielle Nöte

Wer auf der existentiellen Ebene nicht gesehen wird, gerät auf Dauer in existentielle Nöte und entwickelt Symptome. Auffällig gewordene Schüler sagen über ihr Verhalten: „Wir haben sehr lange mitgemacht und nun ist Schluss!“ Sie kooperieren nicht zu wenig, sie haben viel zu lange und viel zu intensiv kooperiert.

Manche Lehrer sagen: „Ja, aber an unseren Schülern wird doch ohnehin schon so viel gefördert. Was sollen wir denn sonst noch alles machen?“

Schüler zu fördern, zu belehren und zu definieren, ist nicht gleichbedeutend mit „Ich sehe dich…“.

Und auch modern anmutende und schön funkelnde pädagogische Methoden sind so weit weg von der Idee der Gleichwürdigkeit wie ich von einem möglichen Wimbledon-Sieg…

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Lob, Stempel, Gewitterwolkenstempel

Leuchtende Kinderaugen erhellten den Klassenraum, als der kleine Tom – seit wenigen Wochen in der zweiten Klasse – den heiß ersehnten Stempel im Mitteilungsheft erspähte. Frau Halle hatte ihn nach einigen Vorfällen in Aussicht gestellt: „Wenn du dich an die Regeln hältst und ich dich nicht ständig ermahnen und vor die Tür setzen muss, sollst du eine Belohnung erhalten. Schau! Das ist der Sonnenstempel, den letzte Woche auch schon Anja, Bernd und Jan für gutes Benehmen bekommen haben.“ Und nun war es soweit. Tom würde nach Hause rennen, seiner Mutter das Heft überreichen und endlich würde seine Mutter etwas Erfreuliches über ihren Sohn erfahren.

Über ihn, der ihr, seitdem er in der Schule war, nur Scherereien bereitet hatte. Damit war jetzt Schluss. Nun wusste er, wie es geht. Seine Mutter müsste sich keine Sorgen mehr machen. Die Zeit der Gewitterwolkenstempel gehörte der Vergangenheit an. Er würde dafür sorgen, dass seine Mutter und Frau Halle zufrieden mit ihm sein würden. So schwer war das ja auch überhaupt nicht.

Er müsste im Unterricht nur ruhig sitzen, ordentlich mitmachen und niemanden stören. Er würde keine „Auszeit“ mehr brauchen…

Entzückt von der eigenen Güte und Professionalität stieg Frau Halle am Ende des Tages in ihr Auto. „Das mit den Stempeln funktioniert“, dachte sie. Tom würde doch noch lernen, was sie von ihm erwartet.

Mitarbeiter der Woche – Versager der Woche

Unlängst erzählte mir die Mutter eines achtjährigen Jungen, dass die Lehrerin ihres Sohnes jede Woche folgende Marschroute ausgibt: „Wer bis zum Freitag acht Arbeitsbögen gelöst hat, darf einen Stern auf das Klassenplakat kleben. Alle die, die das schaffen, bekommen am Freitag vor der Klasse Applaus.“

In dieser Klasse wurden jede Woche die „Mitarbeiter der Woche“ gekürt und damit insgeheim auch „die Versager der Woche“. Besagter Junge strengte sich anfangs sehr an, um zu den Auserwählten zu gehören. Er scheiterte und stellte seine Bemühungen nach einiger Zeit komplett ein. Der Junge, der sich noch vor wenigen Monaten auf „seine“ Schule gefreut hatte, fing an, Schule, Lehrer und Mitschüler zu hassen. Die Pädagogen des Hauses vertraten die Meinung, dass mit dem Schüler irgendetwas nicht stimmen könne. Sie schlugen eine besondere Förderung vor.

Der Gedanke, dass das Verhalten des Schülers in Beziehung zu dem stehen könnte, was sich im Klassenraum zutrug, wurde gegenüber der Mutter offensichtlich nicht geäußert. Den kritischen Anmerkungen der Mutter begegneten die Pädagogen mit „Professionalität“.

Kinder und Jugendliche kooperieren immer

Unsere geläufige Schulpädagogik ist zumindest unterschwellig von der Idee durchsetzt, Kinder und Jugendliche kooperativ beziehungsweise sozial kompetent machen zu müssen, da sie sich sonst zu egozentrischen und gefährlichen Ich-Imperien entwickeln könnten. Das halte ich allein deswegen für einen Trugschluss, weil Kinder und Jugendliche von Geburt an kooperieren. Sie kooperieren immer.

Zur Gefahr für sich selbst und andere können junge Menschen dann werden, wenn sie destruktive Muster kopieren, zu lange überkooperieren und das Eigene unterdrücken müssen, um in den Augen derer „richtig“ zu sein, die aus Angst vor Unruhen grenzverletzende Grenzen setzen. Das durch Unterdrückung erlittene Leid vieler Schüler zeigt sich sehr oft in „Stellvertreter-Konflikten“ inner- und außerhalb unserer Schulen. Sich direkt mit integritätsverletzenden Machthabern zu duellieren, würde möglicherweise bedeuten, den letzten Rest an persönlicher Integrität zu riskieren.

Lehrer sitzen am längeren Hebel

Lehrer, die ihre Macht offen oder verdeckt missbrauchen, sitzen zunächst einmal am längeren Hebel. Die Wut unterdrückter junger Menschen entlädt sich zumeist entweder im Außen – und zwar in Kontexten, in denen Macht scheinbar zurückerobert werden kann (als Stichpunkte seien hier genannt: Mobbing, „Ballerspiele“, Pausenhof, Auseinandersetzung mit „zu weichen“ Lehrern, mit jüngeren Geschwistern, mit harmoniesüchtigen Eltern) – oder aber im Innen, was nicht weniger destruktiv ist, jedoch gewisse „Vorteile“ birgt:

Leise und unauffällige Symptomträger werden weitestgehend in Ruhe gelassen, denn leise und unauffällige Schüler passen wunderbar in das Konzept Schule.

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Erziehung – Was ist das eigentlich?

„Fang` mal an, dein Kind richtig zu erziehen!“ Ein Satz, der gegenwärtig wie ein Fallbeil durch etliche Räume und Köpfe schwirrt. Täglich werden Eltern konfrontiert mit „gut gemeinten“ Erziehungsmethoden und Horrorszenarien. Zu Erziehungsberatern schwingen sich auf wahlweise Großeltern, Freunde, Nachbarn, Ex-Partner, Experten, Pädagogen oder ein Herr Langer, der in dem Film „Elternschule“ mit promoviertem Grinsen Kinder zum Erstarren und Funktionieren bringt.

„Okay, wenn es anders nicht geht!“, resümieren nicht wenige verzweifelte Eltern heute, um dann – vollgepumpt mit Erziehungs-Adrenalin und Erziehungsideen – auf Kosten von Bauchgefühlen, Selbstwert, Beziehungsqualität, Vertrauen und Energie durch die Gegend zu erziehen.

Der Preis des Ungehorsams

Gerade jene Eltern jedoch, die Unsicherheit in Mut umwandeln können und nicht blindlings in das Erziehungs-Horn blasen, fragen nach, begehren auf, suchen nach Alternativen. Ihnen müsste man Preise für Zivilcourage verleihen. In einer Welt jedoch, die noch immer durchdrungen ist von der Idee des Gehorsams, bekommen Eltern, die eigene Wege beschreiten und Kinder als gleichwürdige Wesen sehen, nicht etwa Preise verliehen. Nein, ähnlich wie auch ihre Kinder zahlen sie für ihren Ungehorsam einen hohen Preis. Sie werden – zum Beispiel seitens der Schule – an den Pranger gestellt und unter Androhung von Konsequenzen zum Therapeutenbesuch verpflichtet.

Was mich wirklich wundert, ist, dass selten der Frage nachgegangen wird, was Erziehung eigentlich ist?

Die klassische Erziehung

Für die meisten Menschen bedeutet Erziehung, dass die Erwachsenen Ansagen machen (müssen) und Kinder / Jugendliche zu folgen haben. Wenn nicht, dann…! Der Ablaufplan folgt einem gleichbleibenden Prinzip: Eltern stellen klare Regeln und Grenzen auf, befestigen unterschriebene Vereinbarungen an Kühlschranktüren und drohen mit Konsequenzen für ungebührliches Verhalten. Und ganz wichtig (man stammt ja nicht aus der Steinzeit): Eltern sollten viel loben und belohnen. Schließlich müssen die Kleinen unbedingt darin bestärkt werden, sich „richtig“ zu verhalten.

Die Suche nach dem heiligen Erziehungs-Gral hat (mal wieder) Hochkonjunktur. In etlichen Veröffentlichungen, Elternabenden und (informellen) Beratungsgesprächen wird appelliert an die Umsetzung des uns allen bekannten „Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzips“. Kindern, die auf Nasen herumtanzen, die Weltherrschaft an sich reißen, tyrannisieren, herumtrotzen, „Nein!“ sagen, laut sind, zu Wutausbrüchen neigen, sich zurückziehen, in der Schule auffällig werden, über Stunden vor dem Rechner sitzen, nicht mehr mitmachen, sich nichts sagen lassen, herumzappeln, Zähne vernachlässigen oder dem Lehrer die kalte Schulter zeigen, muss unbedingt Einhalt geboten werden.

Und wie? Ganz klar: Durch Erziehung!

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Wenn junge Menschen zu Problemen gemacht werden…

Ja, und? Wo liegt das Problem? Das Problem ist, dass Kinder / Jugendliche gerade dadurch Probleme bekommen, dass sie ständig zu Problemen und Erziehungs-Objekten gemacht werden. Wer heute jung ist, mag vielleicht eine PS4 in seinem Zimmer stehen haben. Jedoch wachsen unzählige junge Menschen heute auf mit der Erfahrung, dass sie falsch, unzureichend und eine Belastung sind. Permanent bekommen sie zu hören, dass sie anders sein sollten. DAS erzieht! Mit der Rute werden sie (eher) nicht mehr verdroschen, dafür aber mit Worten, Liebesentzug, Gewissensbissen, modern anmutenden Erziehungsmethoden. Jeden Tag treffen sie auf Erwachsene, die mindestens insgeheim denken: „Wir wünschen uns andere Kinder und Jugendliche.“

Unsere Grundhaltung gegenüber jungen Menschen hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich weiterentwickelt:

„Wir entscheiden, wie ihr zu sein habt und wenn ihr nicht unseren Bildern entsprecht, müssen wir eure Grenzen verletzen. Insbesondere dann, wenn ihr unsere Grenzen verletzt.“

Das „Prinzip Konsequenzen“

Die klassische Erziehung mag vielleicht kurzfristig einen Effekt und Auswirkungen auf das Verhalten junger Menschen haben. Wenn man allerdings schon das „Prinzip Konsequenzen“ predigt, sollte man bitte auch konsequent genug sein, um die möglichen Konsequenzen einer auf Entwürdigung basierenden Erziehungsidee aufzuzeigen.

Erziehung (im traditionellen Sinne) schwächt das Selbstwertgefühl, die Beziehungen, das Potential zur persönlichen und sozialen Verantwortungsübernahme, die Fähigkeit zur (Selbst-) Empathie, das Ur-Vertrauen, den gesamten Energiehaushalt.

Erziehung ist das, was vorgelebt wird…

Erziehung ist weniger das, was Erwachsene sagen und einfordern. Erziehung ist das, was sie wie vorleben. Kinder und Jugendliche verhalten sich immer zu dem, was ihnen von den Erwachsenen gewollt und ungewollt vorgelebt und mitgeteilt wird. Sowohl in der Familie als auch in der Schule verhalten sich junge Menschen nicht „nur“ zum gesprochenen Wort. Sie verhalten sich stets zu Stimmungen, zu Mustern, zu Blicken, zum Unausgesprochenem, zu Handlungswerten. Eine Schule kann noch so oft die Schauwerte „Vertrauen und Verantwortung“ im Konzept stehen haben. Wenn Misstrauen und Verantwortungslosigkeit den Alltag ausmachen, kooperieren Schüler mit Misstrauen und Verantwortungslosigkeit.

Sollen Lehrer erziehen?

Die Frage, ob Lehrer erziehen sollen oder nicht, ist komplett irreführend und Ausdruck einer schultypischen Verantwortungslosigkeit. Lehrer können nicht nicht erziehen. Kinder / Schüler kooperieren immer. Sie kooperieren nicht nach dem Prinzip einer Computertastatur (ich drücke willentlich den Buchstaben A und auf dem Bildschirm erscheint der Buchstabe A…) Sie kooperieren auf eine sehr individuelle Weise mit dem, was bei ihnen wie ankommt. Unabhängig davon, ob die Erwachsenen entschieden haben, ob genau DAS bei ihnen ankommt.

Eltern und Lehrer müssen sich heute fragen, was Kinder bzw. Schüler mit auf ihren Weg bekommen, wenn diese ständig beschuldigt, beschämt, ab- und bewertet, ausgeschlossen, angetrieben, verletzt, gelobt, kategorisiert, missachtet, verängstigt, bedroht, erzogen werden.

Unfassbar viele Kinder und Jugendliche entwickeln heute Symptome, weil sie einer integritätsverletzenden Erziehung durch Eltern und Pädagogen ausgesetzt sind. Über Symptome (unwillkürliche Lösungsversuche) kommunizieren junge Menschen, dass sie etwas anderes brauchen als das Bisherige. Sie brauchen keine (klassische) Erziehung. Sie brauchen gleichwürdige Beziehungen.

Umgang mit Symptomen

Wenn jedoch Erwachsene meinen, die Symptome junger Menschen über (noch mehr) Regeln, Grenzen und Konsequenzen eliminieren zu können, werden sie – wenn auch ungewollt – die existentiellen Probleme derer verstärken, die sich über Symptome mitzuteilen versuchen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob Regeln neuerdings Rituale heißen, Grenzen mit einer Schleife versehen werden oder Strafen in Konsequenzen umgetauft werden.

Wer als Erwachsener der Meinung ist, man könne, dürfe und müsse die Integrität von Kindern verletzen, um sie ruhig- bzw. wieder richtig einzustellen, hat offensichtlich vergessen (oder nie erfahren), dass auch junge Menschen Grenzen, Bedürfnisse und Gefühle haben. Dass manche Eltern (und Lehrer) dazu neigen, Kinder über Regeln und Grenzen zu entwürdigen, ist schlimm genug. Wenn gleichwohl „Experten“ zu verunsicherten und ermüdeten Eltern sagen, dass es wichtig sei, über Kinder zu herrschen, wird es Zeit, den Mund aufzumachen bzw. das Gespräch abzubrechen.

Gleichwürdigkeit ist nicht Unterwürfigkeit…

Die Integrität junger Menschen zu respektieren, heißt im Übrigen nicht, sich zum Spielball von Kindern oder Jugendlichen zu machen. Gleichwürdigkeit ist nicht Unterwürfigkeit.

Gleichwürdigkeit ist eine Liebeserklärung an unser aller Individualität. Viele Menschen fragen, wie denn das „mit der Gleichwürdigkeit“ in der Beziehung zu Kindern und Jugendlichen aussehen kann. Diese Frage ist nicht nur okay. Diese Frage ist absolut sinnvoll und folgerichtig. Schließlich haben die wenigsten Erwachsenen in der eigenen Kindheit und Jugend gleichwürdige Beziehungen mit Erwachsenen erlebt.


In meiner Familienakademie arbeite ich mit Eltern zusammen, die sich dazu entschieden haben, sich aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sie mit ihren Kindern in einen gleichwürdigen Kontakt kommen können. Dieser Prozess erfordert das Wagnis, sich mit sich selbst näher bekannt zu machen.

Bis zum Jahresende kannst du Mitglied werden für 19.90 € im Monat. Im Preis enthalten sind Elternabende, Impuls-Videos, Austausch in geschlossener Gruppe, Expertengespräche.

In 2020 wird es außerdem geben einen Online-Kongress und einen siebenwöchigen Kurs.

Ab dem 01.01.2020 werde ich die Beiträge für NEUE (!) Mitglieder in meiner Familienakdemie deutlich erhöhen…

Meine Empfehlung: Jetzt anmelden für den (noch) sehr geringen Startpreis! 60 Tage Rückgabe-Garantie… 

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Aggressionen bei KIndern - Wenn Lebensenergie unterbunden wird

Aggressionen bei Kindern – Wenn Lebensenergie unterbunden wird…

Unsere Aggressionen versetzen uns in die Lage, uns zu bewegen: Auf das zu, was wir brauchen. Weg von dem, was schadet. Gegen das, was Integrität bedroht.

Wir alle brauchen unsere Aggressionen, um zu lernen, um uns zu wehren, um uns durchzusetzen, um uns weiterzuentwickeln, um „Nein“ zu sagen, um destruktive Beziehungen zu beenden, um zu kündigen, um uns zu bewerben, um eine Ausbildung anzugehen, um „Willst du mich heiraten?“ zu sagen, um Widerspruch einzulegen, um unseren inneren Schweinehund zu besiegen, um ein Buch zu schreiben, um Geschäfte abzuwickeln, um Herausforderungen anzugehen, um zu gewinnen, um sich zu konfrontieren, um seine Bedürfnisse zu stillen.

Kurz: Wir brauchen unsere Aggressionen zum Leben. (Siehe u.a. Veröffentlichungen von Wolf Büntig)

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Aggressionen = Feindseligkeit?

Geschockt? Ich könnte es verstehen, weil viele von uns folgenden Zusammenhang gelernt haben: Aggressionen = Feindseligkeit. Der Umkehrschluss: Wir wollen keine Gewalt und deswegen wollen wir keine Aggressionen. Mit dieser anti-aggressiven Haltung unterbinden wir Lebensenergie. Sowohl unsere als auch die unserer Kinder beziehungsweise unserer Schüler

Ich denke, wir müssen uns sehr kritisch mit der Frage auseinandersetzen, was wir jungen Menschen wie vorleben und warum. Gerade in Bezug auf das Thema „Aggressionen“. Meine Überzeugung ist, dass allein deswegen so viele Kinder und Jugendliche zur externalisierten oder internalisierten Gewalt neigen, WEIL sie in Familien oder / und pädagogischen Einrichtungen aufwachsen, in denen sie stillgelegt werden. Übrigens nicht selten unter Zuhilfenahme zutiefst aggressiver Regeln, Grenzen und Konsequenzen.

Wer in jungen Jahren seiner Aggression beraubt wird, ist zur Passivität und Depression verdammt.

Lebensenergie „Aggression“

Während meiner Zeit als Student lebte ich mit Menschen zusammen, denen es unmöglich schien, „einfache“ Tätigkeiten auszuüben, wie zum Beispiel zum Einkaufen zu gehen, den Müll zu entsorgen, einen Brief zum Postamt zu bringen. „Das kann doch nicht so schwer sein“, dachte ich. Heute denke ich:

Für manche Menschen ist es aufgrund übernommener Kindergelübde und eingefleischter Überlebensstrategien geradezu unmöglich, sich aufzuraffen und Pläne umzusetzen. Ich glaube nicht, dass Menschen „einfach so“ faul sind. Ich denke eher, dass viele Menschen in ihrer Kindheit und Jugend gelernt haben, ihre Lebensenergie „Aggression“ auf den Standstreifen des Lebens abzustellen. Ihnen wurde die Fähigkeit des normalen, unauffälligen Nicht- beziehungsweise Liebseins antrainiert: „Du gehst in dein Zimmer und kommst erst raus, wenn du wieder brav bist!“

Und seitdem sitzen deprimierte Menschen antriebslos in Zimmern, vegetieren vor sich hin und machen sich dafür fertig, dass sie nicht die sind, die sie sein sollten. Wer von sich selbst entfremdet wurde, um den Bildern anderer zu entsprechen, verliert den Kontakt zu sich selbst.

Folgen einer anti-aggressiven Haltung

Manche ziehen sich zurück. Andere ziehen in den Krieg. Sie kämpfen an gegen Menschen, die sie an die eigene unterdrückte Lebendigkeit und an das eigene Opfersein erinnern.

Manchmal frage ich Eltern und Lehrer am Anfang einer Veranstaltung, was Kinder / Schüler in fünf, acht oder fünfzehn Jahren brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Niemand sagt: „Binomische Formeln“ oder „Rechtschreibstrategien“. All das, was geäußert wird, bezieht sich im weitesten Sinne auf die Fähigkeit, persönliche und soziale Verantwortung zu übernehmen.
Sind Binomische Formeln und Rechtschreibstrategien deswegen unwichtig? Nicht zwangsläufig, nur beziehen sich Fachkompetenzen auf eine komplett andere Ebene.

Die Übernahme persönlicher und sozialer Verantwortung ist mit einer „anti-aggressiven“ Grundhaltung nicht möglich. Wenn uns die psychosoziale Gesundheit unserer Kinder / Schüler am Herzen liegt, müssen wir ihnen zugestehen, sich mit ihren Aggressionen bekannt zu machen.

Und das fängt meiner Ansicht nach an der Stelle an, an der wir jungen Menschen zugestehen, wütend, traurig, unzufrieden oder ängstlich zu sein. Sie brauchen von uns die Einladung, etwas anderes zu wollen als wir. Die Chance, sich an uns zu reiben. Viele Möglichkeiten, sich zu bewegen, sich auszuprobieren, „Nein“ sagen zu üben.

Aggressionsprobleme

Und ich möchte gerne betonen, dass der Umstand, dass sich Kinder im Sandkasten eben auch mal mit der Schaufel auf den Kopf hauen, nicht gleichbedeutend ist mit: „Der 3.Weltkrieg naht“.

Ich sage nicht, dass wir uns als Eltern oder Pädagogen dem Willen unserer Kinder / Schüler unterwerfen sollen und alles durchwinken müssen! Bloß nicht. Mir ist wichtig, dass WIR UNSERE Haltung zum Thema „Aggressionen“ überprüfen, anstatt auffällig gewordene Kinder / Jugendliche an den Pranger zu stellen oder in „Anti-Aggressions-Projekte“ zu stecken.

Ja, viele Kinder und Jugendliche haben heute Aggressionsprobleme. Jedoch nicht unbedingt in dem Sinne, wie Aggressionsprobleme heute oft definiert werden. Unzählige Kinder und Jugendliche (und Erwachsene) legen allein deswegen ein aggressives Verhalten an den Tag, weil ihre Aggressionen mit Hilfe aggressiver Regeln, Konsequenzen, Strafandrohungen und Gewissensbisse unterdrückt werden bzw. wurden.

Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme, fehlende Motivation

Das Potential, sich für etwas zu motivieren, etwas „in Angriff zu nehmen“, ist jedem Menschen eingegeben und wird am Vorbild entdeckt. Wenn dieses Potential im Bildungs- und Erziehungs-Ödland verkümmert, weil Regeln, Grenzen, Konsequenzen, Erziehungskonzepte und Lehrpläne Individualität und Lebendigkeit unterdrücken, sind Symptome wie zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme oder fehlende Motivation die Folge.

Wenn sich ein Kind (scheinbar) nicht motivieren kann, permanent stört oder Fluchttendenzen entwickelt, müssen wir davon ausgehen, dass der Zugang zum Eigenen und zu den natürlichen Aggressionen durch äußere Einflussnahme gestört ist. Der Versuch, junge Menschen von außen zu motivieren und in ihrem Sosein zu unterbinden, ist ein zutiefst aggressiver Akt und zwingt die Unterdrückten geradezu, ihre Restenergie darauf zu verwenden, sich zu verteidigen.

Und wer sich verteidigen muss, kann sich schon mal gar nicht auf irgendeinen Zahlenraum einlassen…


Nutze deine Aggressionen und werde Mitglied in der Familienakademie 🙂 Ich begleite Eltern, die neben vielen anderen Anliegen, ein Interesse haben, sich mit ihren Aggressionen auszusöhnen. Auch gehen wir der Frage nach, was wir tun können, wenn mit uns oder unsere Kindern mal wieder der Gaul durchgeht…

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Liebe Grüße, Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN