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Schule macht krank

Schule – Wenn Schüler und Lehrer im Überlebensmodus stecken

Wir könnten im Umfeld „Schule“ sehr viel Energie sparen beziehungsweise sinnvoller nutzen, wenn wir endlich damit aufhörten, Schüler in karge Klassenräume zu stecken, um sie unter Zuhilfenahme von Achtsamkeitsräubern wie zum Beispiel „Noten“ oder „Smileys“ zu „motivieren“.

Eines der größten Probleme, die wir heute an unseren Schulen haben, besteht meiner Ansicht nach darin, dass wir die Ursachen für die sogenannten Disziplin-, Lern, und Konzentrationsprobleme allein bei den Schülern und deren Eltern suchen. Täglich geben uns unzählige Schüler Rückmeldungen darüber, wie es ihnen geht. Zum Beispiel dadurch, dass sie aggressiv werden, sich zurücknehmen, desinteressiert wirken, nicht mehr „richtig“ mitmachen, mobben usw.

Überlebensstrategien

Und was machen viele (nicht alle, nicht alle, nicht alle) Lehrer und Schulleiter? Im übertragenen Sinne fahren sie in die Auto-Werkstatt, um die aufleuchtende Öl-Lampe des Autos entfernen zu lassen, anstatt den Öl-Stand und damit eine mögliche Ursache zu überprüfen. Wenn wir den Öl-Stand unseres Autos ignorieren oder fehlinterpretieren, bleibt es irgendwann stehen.

Was passiert nun, wenn wir die Rückmeldungen unserer Schüler ignorieren oder fehlinterpretieren? Möglicherweise bleiben auch sie stehen (freeze). Vielleicht bedienen sie sich aber auch derjenigen Überlebensstrategien, auf die Menschen im Gegensatz zu Autos in bedrohlichen Situationen zurückgreifen können: Sie greifen an (fight) beziehungsweise flüchten (flight).

Unsere Schulen sind durchsetzt von symptomschaffenden Praktiken, Glaubenssätzen und Strukturen.

Schüler motivieren

Wir setzen Schüler an „ihren Platz“, um sie dort abzuholen, wo sie stehen. Das ist bei genauerer Betrachtung ziemlich irre. Insbesondere dann, wenn wir gleichzeitig das Ziel ausrufen, Schüler zu motivieren.

Wir können Menschen genauso wenig motivieren, wie wir sie hungrig MACHEN können. Sicher: Wenn mir jemand eine wohlriechende Pizza vor die Nase hält, läuft mir ganz gewiss das Wasser im Munde zusammen. Jedoch können Pizza und Pizzabäcker den Hunger in mir nicht MACHEN.

Durchaus könnte man im Umkehrschluss nun meinen, als Lehrer dann halt jeden Tag in die Klassen gehen zu können / zu müssen, um – im Sinne eines motivierenden, appetitanregenden, auf die verschiedenen Geschmäcker ausgerichteten Unterrichts – Wackelpudding, Spaghetti Bolognese oder Bratkartoffeln zu verabreichen. Aber abgesehen davon, dass Menschen „autopoietische“ Systeme sind, d.h. Systeme, die sich permanent selbst erzeugen, ist es weder im klassischen Frontalunterricht noch im angeleiteten Projektunterricht möglich, immerzu Begeisterungsstürme und Motivationsschübe (bzw. Hungerattacken) auszulösen. Viele unserer Schüler werden nicht satt, obwohl sie ständig gestopft werden.

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Schule macht auch Lehrer krank

Ich behaupte, dass derzeit zigtausende Lehrer den Irrsinn des Schulsystems „bedienen“, indem sie gleichzeitig motivieren, bewerten, individualisieren, unterrichten, sanktionieren, “inkludieren”. Sie versuchen in gewisser Weise, Unmögliches möglich zu machen. Das wiederum führt u.a. dazu, dass sie krank werden, kränken oder den Lehrerberuf an den Nagel hängen.

Martin Mourier schreibt in seinem phantastischen Buch „Neue Führungskompetenz“: „Es kann ein gutes Zeichen sein, wenn die Leute krank werden, falls die Alternative wäre, sich selbst zu zwingen, etwas auszuhalten, was schlecht für einen ist.“

“Ab in den Trainigsraum…!”

Ich selbst weiß sehr genau, wie unfassbar anstrengend es als Lehrer ist, 26 Fünftklässler bei der Stange zu halten, die eben nicht “von der Stange” sind, um nach 45 (oder 90) Minuten 28 Siebtklässler zu motivieren, welche den Kinderschuhen längst entwachsen sind und sich nicht über „Leckerlies“ oder Drohungen „motivieren“ lassen.

„Ab in den Trainingsraum“, schallt es im Jahre 2020 durch diverse Einrichtungen, „und dann denkst du über dein Verhalten nach!“ Mag ja sein, dass dann manche Schüler tatsächlich nachdenken. Ob ihr Nachdenken jedoch konstruktiv ist und im Sinne der Befehlshaber, bleibt abzuwarten.

Wir müssen uns bewusst machen, dass in den pädagogisch wertvollen Trainingsräumen bisweilen junge Leute sitzen, die einzig  darüber nachdenken, wie sie sich rächen können.

Energieraubenden Glaubenssätze und Strukturen

Meine Tochter (14) fragte mich vor einiger Zeit, ob Lehrer tatsächlich davon ausgingen, dass Schüler mehr Respekt hätten oder mehr motiviert seien, wenn Lehrer Verhaltenspunkte gäben. Ich fragte sie nach ihrer Meinung. Sie antwortete: „Ich habe Angst davor, dass ich bestraft werde, aber mehr Respekt vor den Lehrern habe ich dadurch nicht.“

Wir – und ich meine damit in erster Linie Lehrer, Schulleiter und Eltern – müssen uns auseinandersetzen mit energieraubenden Glaubenssätzen und beziehungsverhindernden Strukturen! Die „Eckpfeiler“ unseres Schulsystems lauten: Gehorsam, Misstrauen, ein insgesamt defizitorientiertes Menschenbild, Sanktionen, Gleichschritt, übergriffige Bewertungssysteme und die Überzeugung, dass Qualität von Qual kommt.

Unsere Schüler brauchen keine Noten. Wir, die Erwachsenen „brauchen“ Noten.

Ist das wahr?

Nein, selbstverständlich nicht. Wir GLAUBEN, Noten zu brauchen. Sogar unsere Schüler GLAUBEN eines Tages, Noten zu brauchen. Was für eine Not manche Glaubenssätze doch verursachen. Und sie schaffen Missverständnisse: „Meine Schüler WOLLEN, dass ich sie benote.“ Ja, klar.

Schüler brauchen Vertrauen

Ich wünsche mir „Vertrauensschulen“. Orte, an denen Kinder und Jugendliche darauf vertrauen dürfen, dass die Erwachsenen vertrauen. WIR dürfen darauf vertrauen, dass junge Menschen aus sich selbst heraus und mit Unterstützung von gleichwürdigen Lernbegleitern „in den Fluss“ kommen. Wir müssen nicht ständig Flüsse begradigen und uns darüber wundern, wenn plötzlich Wasser über künstlich errichtete Böschungen tritt beziehungsweise Deiche brechen.

Lerndialog zwischen Schülern und Lehrern

Wir können mit jungen Menschen in einen vertrauensvollen „Lerndialog“ gehen, indem wir uns für sie und ihre Belange interessieren. Wir können ihnen Angebote unterbreiten. Wir können Rückmeldungen geben. Wir können den achtjährigen Stefan fragen, warum es ihm so schwerfällt, sich mit Zahlen oder Buchstaben auseinanderzusetzen.

Nach meiner Erfahrung können nahezu alle achtjährigen Stefans oder elfjährigen Stefanies darüber Auskunft geben, wie es ihnen geht und warum sie sich vielleicht gerade nicht einlassen können. Solange wir jedoch voll sind mit Defizitgedanken, Bildern, Projektskizzen, Maßnahmenkatalogen oder auch unbehandelten Kleinheitsgefühlen können wir nicht wirklich zuhören.

 

Wir alle brauche Menschen, die uns zuhören. Auch wir Eltern. Die Familien-Community ist ein Ort, an dem Menschen einander zuhören. Du bist herzlich eingeladen, in unsere Gemeinschaft zu kommen, um mit mir und anderen Eltern zu wachsen. 

Du hast kein Risiko. 60 Tage kostenloses Rückgaberecht!

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Persönliche Verantwortung – Wenn Kinder “Ja” zu sich selbst sagen dürfen

Wir fördern die persönliche und soziale Verantwortung junger Menschen kaum, indem wir mit Hilfe von Strafen oder Belohnungen Gehorsam einfordern und Referate über ein späteres Leben halten.

Kinder und Jugendliche, die in beängstigenden Familien und Schulen lernen, den Kopf einzuziehen und sich unterzuordnen, sind zumeist auch als Erwachsene überaus kompetent darin, folgsam und „richtig“ zu sein. Sie wissen, was zu tun ist, um fremden Erwartungen zu entsprechen, Strafen zu entgehen und andere Menschen zufriedenzustellen.

“Ja” zu sich selbst sagen

Das Eigene zu verantworten, ist entfremdeten Menschen indessen fremd, da sie nicht gelernt haben, “Ja” zu sich selbst zu sagen. Sie haben gelernt, “Jawoll!” zu sagen.

Fremdbestimmte Menschen sind Fremde im eigenen Leben. Ihnen fehlt der Kontakt zu den wesensgemäßen Bedürfnissen, Grenzen, Interessen und Gefühlen, da sie sich selbst aufgeben mussten, um dazuzugehören.

“Und was heißt das?”, höre ich immer wieder empörte Erwachsene sagen, “Sollen Eltern und Pädagogen jetzt etwa alles abnicken, was Kinder wollen und tun?”

Nein!

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Das Bedürfnis nach Integrität

Das Bedürfnis, nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit ist in uns Menschen genauso angelegt wie das Bedürfnis nach Integrität und Autonomie. Und es völlig in Ordnung, wenn Kinder an der Seite von Eltern und Pädagogen die Erfahrung machen, dass sie nicht immer alles bekommen oder tun können, was ihnen in den Sinn kommt. Kinder müssen durchaus lernen, sich anzupassen.

Wenn jedoch junge Menschen die eigene Integrität aufgeben müssen, um von den wichtigen Erwachsenen angenommen zu werden, zahlen sie auf Dauer einen hohen Preis.

Das Eigene verantworten

Wer nicht ermutigt wurde, nach innen zu gehen, um sich mit sich selbst bekannt zu machen und das Eigene zu verantworten, leidet für gewöhnlich unter einem schwachen Selbstwertgefühl. Überangepasste Menschen bekommen oftmals dann ein gravierendes, existentielles Problem, wenn gewohnte Rahmenbedingungen und Regeln wegfallen oder in ihrer Wahrnehmung in Frage gestellt werden. Für normalisierte Menschen sind Normenabweichungen (und Menschen, die von gewohnten Normen abweichen) eine Bedrohung. Schließlich ist nicht ihr Selbstwertgefühl das Gerüst, das alles zusammenhält, sondern das Normale. Sie wohnen im Gewohnten.

Umweltbedingungen

Wir alle – und ich meine hier in erster Linie Lehrer und Eltern – müssen uns ernsthaft fragen, ob unsere Schulen (im Durchschnitt) Orte sind, an denen junge Menschen das Eigene entdecken und entfalten dürfen. Die Rückmeldungen, die wir heute von etlichen Schülern in Form von Verhaltensauffälligkeiten, Grenzüberschreitungen, Körpersymptomen oder auch Fehltagen bekommen, sprechen aus meiner Sicht Bände.

Geht eine Pflanze ein, wissen wir, dass es eher an den Umweltbedingungen liegt als an der Pflanze. Entwickelt ein junger Mensch Symptome, versuchen wir das Problem über den Symptomträger zu lösen. Das ist nicht gerade schlau.

Freiräume

Ich denke, wir sollten uns an unseren Schulen sehr klar dazu bekennen, dass unser zentrales Anliegen nicht darin bestehen darf, irgendein starres Wissen zu vermitteln und Menschen zu normalisieren. Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, junge Menschen stärkend, vertrauend, empathisch UND klar zu begleiten.

Nicht wenige Erwachsene haben regelrecht Angst davor, jungen Menschen Freiräume zu geben, da sie glauben, auf diese Weise die Büchse der Pandora zu öffnen. Der Punkt ist: Wer bereits als Kind gelernt hat, an der Seite von verantwortungsvollen Erwachsenen persönliche Verantwortung zu übernehmen, lebt eben NICHT ausschließlich lustbetont.

Verantwortungsübernahme

Verantwortungsübernahme kann – bezogen auf den Schulkontext – zum Beispiel bedeuten: „So eine Scheiße. Auf Satzglieder habe ich ja nun überhaupt keinen Bock. Aber okay, ist halt dran und das gehe ich jetzt an.“ Wenn Schüler im Schulalltag genügend Luft zum Atmen bekommen, halten sie es für gewöhnlich sehr gut aus, auch mal das zu tun, worauf sie keine Lust haben. Junge (und alte) Menschen brauchen die Erfahrung, als die gesehen zu werden, die sie sind. Dann können sie auch mal zurückstecken und Pflichten erfüllen.

In der Schulpraxis

Was heißt das in der Schulpraxis? Zum Beispiel kann ich als Lehrer zu meinen Schülern sagen, welche Freiräume sie haben und welche Themen sie bis zum nächsten Sommer bearbeitet haben sollen:

„Hört mal, ihr könnt auch in diesem Jahr an euren Themen arbeiten und ich bin gespannt darauf zu sehen, was euch interessiert und wie ihr eure Ziele angeht. Ihr müsst aber auch wissen, dass es einige Themen gibt, die ich euch vorgebe. Ihr findet diese auf der Lernlandkarte. Wann, wie und mit wem ihr diese Themen bearbeitet, überlasse ich euch. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr gerne zu mir kommen. Und wenn ich merke, dass ihr euch verzettelt, komme ich auf euch zu.“

Verantwortung übernehmen

Eigenverantwortung lernen junge Menschen nicht durch das starre Befolgen von Regeln oder das stringente Abarbeiten von Jahresplänen, sondern durch die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Und wenn es den Schülern schwerfällt, eigenverantwortlich zu handeln? Dann brauchen sie Lehrer, die in Beziehung gehen. Erwachsene, die unterstützen. Personen, die Respekt und Verantwortung vorleben, anstatt einen Mangel an Respekt und Verantwortung zu beklagen.

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Schule und Überanpassung – Wenn Lehrer am längeren Hebel sitzen

Mehr denn je müssen Schüler heute „richtig“ sein, um als Individuen wahrgenommen zu werden. Die unterschwellige und zutiefst widersprüchliche Botschaft etlicher Lehrer lautet: “Wenn du dich an meine Erwartungen anpasst, darfst du du selbst sein.” Überanpassung ist für viele Schüler die einzige Möglichkeit, einen letzten Rest ihrer persönlichen Integrität zu wahren.

Existentielle Nöte

Wer auf der existentiellen Ebene nicht gesehen wird, gerät auf Dauer in existentielle Nöte und entwickelt Symptome. Auffällig gewordene Schüler sagen über ihr Verhalten: “Wir haben sehr lange mitgemacht und nun ist Schluss!” Sie kooperieren nicht zu wenig, sie haben viel zu lange und viel zu intensiv kooperiert.

Manche Lehrer sagen: „Ja, aber an unseren Schülern wird doch ohnehin schon so viel gefördert. Was sollen wir denn sonst noch alles machen?“

Schüler zu fördern, zu belehren und zu definieren, ist nicht gleichbedeutend mit „Ich sehe dich…“.

Und auch modern anmutende und schön funkelnde pädagogische Methoden sind so weit weg von der Idee der Gleichwürdigkeit wie ich von einem möglichen Wimbledon-Sieg…

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Lob, Stempel, Gewitterwolkenstempel

Leuchtende Kinderaugen erhellten den Klassenraum, als der kleine Tom – seit wenigen Wochen in der zweiten Klasse – den heiß ersehnten Stempel im Mitteilungsheft erspähte. Frau Halle hatte ihn nach einigen Vorfällen in Aussicht gestellt: “Wenn du dich an die Regeln hältst und ich dich nicht ständig ermahnen und vor die Tür setzen muss, sollst du eine Belohnung erhalten. Schau! Das ist der Sonnenstempel, den letzte Woche auch schon Anja, Bernd und Jan für gutes Benehmen bekommen haben.” Und nun war es soweit. Tom würde nach Hause rennen, seiner Mutter das Heft überreichen und endlich würde seine Mutter etwas Erfreuliches über ihren Sohn erfahren.

Über ihn, der ihr, seitdem er in der Schule war, nur Scherereien bereitet hatte. Damit war jetzt Schluss. Nun wusste er, wie es geht. Seine Mutter müsste sich keine Sorgen mehr machen. Die Zeit der Gewitterwolkenstempel gehörte der Vergangenheit an. Er würde dafür sorgen, dass seine Mutter und Frau Halle zufrieden mit ihm sein würden. So schwer war das ja auch überhaupt nicht.

Er müsste im Unterricht nur ruhig sitzen, ordentlich mitmachen und niemanden stören. Er würde keine “Auszeit” mehr brauchen…

Entzückt von der eigenen Güte und Professionalität stieg Frau Halle am Ende des Tages in ihr Auto. “Das mit den Stempeln funktioniert”, dachte sie. Tom würde doch noch lernen, was sie von ihm erwartet.

Mitarbeiter der Woche – Versager der Woche

Unlängst erzählte mir die Mutter eines achtjährigen Jungen, dass die Lehrerin ihres Sohnes jede Woche folgende Marschroute ausgibt: “Wer bis zum Freitag acht Arbeitsbögen gelöst hat, darf einen Stern auf das Klassenplakat kleben. Alle die, die das schaffen, bekommen am Freitag vor der Klasse Applaus.”

In dieser Klasse wurden jede Woche die “Mitarbeiter der Woche” gekürt und damit insgeheim auch “die Versager der Woche”. Besagter Junge strengte sich anfangs sehr an, um zu den Auserwählten zu gehören. Er scheiterte und stellte seine Bemühungen nach einiger Zeit komplett ein. Der Junge, der sich noch vor wenigen Monaten auf “seine” Schule gefreut hatte, fing an, Schule, Lehrer und Mitschüler zu hassen. Die Pädagogen des Hauses vertraten die Meinung, dass mit dem Schüler irgendetwas nicht stimmen könne. Sie schlugen eine besondere Förderung vor.

Der Gedanke, dass das Verhalten des Schülers in Beziehung zu dem stehen könnte, was sich im Klassenraum zutrug, wurde gegenüber der Mutter offensichtlich nicht geäußert. Den kritischen Anmerkungen der Mutter begegneten die Pädagogen mit “Professionalität”.

Kinder und Jugendliche kooperieren immer

Unsere geläufige Schulpädagogik ist zumindest unterschwellig von der Idee durchsetzt, Kinder und Jugendliche kooperativ beziehungsweise sozial kompetent machen zu müssen, da sie sich sonst zu egozentrischen und gefährlichen Ich-Imperien entwickeln könnten. Das halte ich allein deswegen für einen Trugschluss, weil Kinder und Jugendliche von Geburt an kooperieren. Sie kooperieren immer.

Zur Gefahr für sich selbst und andere können junge Menschen dann werden, wenn sie destruktive Muster kopieren, zu lange überkooperieren und das Eigene unterdrücken müssen, um in den Augen derer “richtig” zu sein, die aus Angst vor Unruhen grenzverletzende Grenzen setzen. Das durch Unterdrückung erlittene Leid vieler Schüler zeigt sich sehr oft in “Stellvertreter-Konflikten” inner- und außerhalb unserer Schulen. Sich direkt mit integritätsverletzenden Machthabern zu duellieren, würde möglicherweise bedeuten, den letzten Rest an persönlicher Integrität zu riskieren.

Lehrer sitzen am längeren Hebel

Lehrer, die ihre Macht offen oder verdeckt missbrauchen, sitzen zunächst einmal am längeren Hebel. Die Wut unterdrückter junger Menschen entlädt sich zumeist entweder im Außen – und zwar in Kontexten, in denen Macht scheinbar zurückerobert werden kann (als Stichpunkte seien hier genannt: Mobbing, “Ballerspiele”, Pausenhof, Auseinandersetzung mit “zu weichen” Lehrern, mit jüngeren Geschwistern, mit harmoniesüchtigen Eltern) – oder aber im Innen, was nicht weniger destruktiv ist, jedoch gewisse “Vorteile” birgt:

Leise und unauffällige Symptomträger werden weitestgehend in Ruhe gelassen, denn leise und unauffällige Schüler passen wunderbar in das Konzept Schule.

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Regeln und Grenzen – Konsequenzen einer entwürdigenden Erziehung

Noch immer erstarre ich, wenn ich auf Eltern und Pädagogen treffe, die mit trotzigem Blick verkünden, dass Kinder ganz viele Regeln und Grenzen bräuchten. Gerade in der Trotzphase würden sie auf Nasen tanzen, so sie nicht Konsequenzen für Regelverstöße und Grenzüberschreitungen erführen. Mir wird angesichts solcher Ansprachen kalt und das gehorsame Kind in mir winselt: “Jawoll! Tut mir leid. Ich bekenne mich schuldig.”

Existentielle Konflikte

Kinder, die an der Seite von Eltern aufwachsen, die meinen, dass die Qualität des Elternseins über die Anzahl der Regeln und Grenzen zu bemessen sei, geraten auf Dauer in einen existentiellen Konflikt.

Existentielle Konflikte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Schaden anrichten auf der Ebene des Selbstwertgefühls. Die Wahrnehmung des jungen Menschen, nur unter bestimmten Bedingungen geliebt zu werden, wird zu einem das Selbstbild bestimmenden Motiv mit Langzeitwirkung. Wer erlebt hat, dass die ersten Liebesbeziehungen geprägt waren von Bedrohungen, Grenzüberschreitungen und Bedingungen, wird sehr wahrscheinlich als Erwachsener von einem Liebeskonzept durchdrungen sein, dessen Antriebselemente Angst, Schuld, schlechtes Gewissen und „Vertragsbedingungen“ lauten.

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Eltern unter Stress – Zufriedenheit durch Unzufriedenheit…

„Wie geht es dir?“, fragt eine Mutter die andere. „Muss ja“, antwortet die Gefragte gleichzeitig gestresst und einverstanden. Und während auf ihrer Stirn Sorgenfalten Platz nehmen, verkünden Mundwinkel Stolz. „Kenn ich“, entgegnet Mutter 1 mit leicht zornigem Blick, „aber zumindest hast du keinen Hund.“

Stress – Ein Qualitätsmerkmal?

Das neue Qualitätsmerkmal der Erwachsenen: Nur der, der am Ende des Tages mit hängender Zunge auf dem Sofa liegt und kurzatmig das Unerreichte beklagt, darf mit sich und der Welt im Reinen sein. Zufriedenheit durch Unzufriedenheit. Wem es noch gut geht, geht es wohl noch zu gut. Und wehe dem, der ein Kind zu Hause hat, das entspannt „in den Tag hineinlebt“. Da kann man schon mal aus der Haut fahren…

Ich denke, dass wir, die wir ständig über Stress und „tyrannische Kinder“ jammern, sehr ehrlich mit uns und unseren verinnerlichten und Selbst(ab)wert(ungs)-Konzepten umgehen müssen. Ja, wir leben heutzutage in Umgebungen und Strukturen, die nicht gerade zum federleichten (Familien-) Leben einladen. Und natürlich müssen wir nicht unbedingt „Hurra!“ rufen, wenn sich unsere Kinder verhalten wie die Maden im Speck. Vor allen Dingen dann nicht, wenn sie die Maden sind und wir der Speck.

Verantwortung statt Ohnmacht

Nur, was wollen wir machen? Wollen wir uns schon wieder beschweren? Und wenn ja, bei wem denn überhaupt? Bei unseren Kindern? Bei „denen da oben“? Beim lieben Gott? Es gibt nur eine Alternative zur Ohnmacht und diese lautet: Verantwortung.

In Bezug auf das Thema „Stress“ dürfen wir uns also fragen – und zwar wertschätzend: „Was ist unser Anteil?“

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Zunächst einmal müssen wir wissen, dass lediglich ein Zusammenwirken aus äußeren UND inneren Stressoren dazu führen kann, dass Menschen gegen die Stress-Wand fahren und schließlich im Burnout zum Erliegen kommen. Ich wiederhole. Die Arbeitskontexte sind heute für viele Menschen das, was vor Urzeiten der Säbelzahntiger war: Übermächtig, beängstigend, gefräßig. Und ich weiß aus eigener Erfahrung als Lehrer, dass es unsagbar herausfordernd sein kann, in einem Arbeitsumfeld „bei sich“ zu bleiben bzw. sich nicht verrückt machen zu lassen, das auf Selbstaufgabe setzt und Menschen zu Objekten macht.

Ich bin nicht allmächtig und ich bin nicht ohnmächtig

Dennoch oder gerade deswegen: Wir tragen die Verantwortung! Für die Art, wie wir mit den Umständen umgehen. Für das, was in uns ist. Für das, was wir unseren Kindern vorleben. Für das, was zwischen uns und unseren Kindern passiert. Und eine gesunde Verantwortungsübernahme kann nur dort gedeihen, wo klar ist: Ich bin nicht allmächtig und ich bin nicht ohnmächtig.

Viele Eltern – insbesondere Mütter – werden unwillkürlich (!) angetrieben von eingefleischten und impliziten Kindergelübden. Sie geben sich in ihrem Elternsein geradezu auf, um sich wertvoll zu fühlen. Gelernt haben sie, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Liebe – so schreiben es die inneren Antreiber vor – ist eine Form der Dienstleistung und „Ich will…“ ist im Urlaub. Und bitte: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Übersät mit Gewissensbissen dienen sie ihrem Konzept der Fleißbienchen. Genugtuung? Nein, denn: „Du hast nicht und nie genug getan!“

Den Akku aufladen

Eine verzweifelte Mutter kommt in meine Elternberatung und will wissen, was sie mit ihrem Sohn machen kann, der sehr fordernd ist und kein Gespür zu haben scheint für ihre persönlichen Grenzen. Wir reden eine Weile und nach einer Gesprächspause frage ich sie, ob sie sich auch mal Auszeiten nimmt. „Natürlich“, entgegnet sie geradezu empört. Ich möchte gerne erfahren, wie und wann sie ihren Akku wieder auflädt. Sie: „Samstags ist meine Zeit. Immer vormittags werde ich von meinem Kind in Ruhe gelassen.“ Auf die Frage, was sie denn am Samstagvormittag mache, dass sie sich eine Auszeit nehmen könne, sagt sie: „Putzen!“

Im weiteren Gesprächsverlauf stellt sich heraus, dass die Mutter nicht deswegen putzt, weil Putzen zu ihren liebsten Freizeitaktivitäten gehört. Putzen hat in dieser Familie schlicht und ergreifend eine unumstößliche Autorität. Das heißt: Putzen ist wichtig. Sehr wichtig. So richtig, richtig wichtig. Beim Putzen stört man nicht. Wenn allerdings die Mutter ein Buch lesen will, wird sie von ihrem Sohn nicht in Ruhe gelassen.

Wechselwirkungen und Stress

Wir fassen also zusammen: Das Problem ist ein „unmögliches“ Kind, das über Erziehung und Reglementierungen zum Respekt erzogen werden muss.

Nein.

Nächster Erklärungsversuch: Das Problem ist eine Mutter, die einfach ein bisschen doof ist und ganz klar in die Kategorie „Helikoptereltern“ gehört.

Nein.

Das Problem ist: Wenn Elternliebe (im Übrigen auch Nächstenliebe) verstanden wird als der Auftrag, sich selbst schlecht zu behandeln, entstehen in engen Beziehungen destruktive und stressverursachende Wechselwirkungen. Auf allen Seiten. Mama gibt sich auf, Sohnemann verhält sich wie ein Parasit UND fühlt sich verantwortlich und schlecht.

Kooperation – Vorleben ist Erziehung

Kooperation heißt, dass sich unsere Kinder zu uns verhalten. Immer. Sie verhalten sich zu der Art, wie wir leben. Sie verhalten sich dazu, wie wir essen, wie wir arbeiten, wie wir denken, fühlen, handeln. Sie verhalten sich dazu, wie wir mit uns und unseren Grenzen, Bedürfnissen und Werten umgehen. Und sie verhalten sich zu unserem Stress. Unser Vorleben ist Erziehung. Alles andere ist vielleicht nett gemeint.

Eltern, die sich vor dem Hintergrund ihrer Wertsteigerungsprogramme („Ich leiste, also bin ich…“) und Liebeskonzepte („Liebe ist eine Dienstleistung und muss man sich verdienen…“) aufgeben, sind kein Geschenk. Sie sind eine Überforderung. Für sich selbst und für ihre Kinder.

Ich kenne Eltern, die froh sind, wenn das Wochenende endlich vorüber ist. Für sie sind Wochenenden eine Qual. Sie verbringen ihre Freizeit nicht etwa damit, sich dem „köstlichen Nichts“ und dem Wohlergehen hinzugeben. Sie arbeiten. Entweder mit Putzlappen in Küchen. Oder aber an und mit ihren Kindern.

Stress entsteht…

Stress entsteht, wenn wir über lange Zeit tiefere Bedürfnisse ignorieren und nicht aus Bedürfnissen handeln. Unter Stress setzt der Körper Kortisol frei, eines der Hormone, das uns in bedrohlichen Situationen mobilisiert. Intelligentes und kreatives Problemlösen ist sehr stressanfällig. Und falls jemand der Meinung ist, ganz wichtige Sätze zu markieren oder an die Kühlschranktür zu hängen. Der folgende Schachtel-Satz ist dafür prädestiniert:

Wir haben unter Stress keinen optimalen Zugang zu unseren Kompetenzen und Werten und das ist der Grund dafür, dass wir manchmal Dinge tun, die wir doch eigentlich gar nicht tun wollten und deswegen müssen wir gut für uns und unsere Bedürfnisse sorgen und deswegen sage ich „JA“ zu mir selbst und deswegen bin ich keine schlechte Mutter und kein schlechter Vater, wenn ich mir gut tue, sondern ich bin ein wunderbares Rollenmodell in der Übernahme persönlicher Verantwortung.

Und jetzt: Durchatmen, Luft holen, Kaffee trinken…
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In meiner Familienakademie erinnern wir uns regelmäßig an unsere Vorbildfunktion als Eltern. Und das heißt nicht unbedingt, dass wir darüber beratschlagen, wie wir unseren Kindern gute Manieren beibringen. Das heißt, dass wir uns gegenseitig ermutigen, zu uns, unseren Bedürfnissen und Grenzen zu stehen. Und wer behauptet, dass das in Liebesbeziehungen immer einfach wäre, kriegt Ärger und was mit dem Putzlappen 😊.

Du bist ganz herzlich eingeladen…

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Aggressionen bei KIndern - Wenn Lebensenergie unterbunden wird

Aggressionen bei Kindern – Wenn Lebensenergie unterbunden wird…

Unsere Aggressionen versetzen uns in die Lage, uns zu bewegen: Auf das zu, was wir brauchen. Weg von dem, was schadet. Gegen das, was Integrität bedroht.

Wir alle brauchen unsere Aggressionen, um zu lernen, um uns zu wehren, um uns durchzusetzen, um uns weiterzuentwickeln, um „Nein“ zu sagen, um destruktive Beziehungen zu beenden, um zu kündigen, um uns zu bewerben, um eine Ausbildung anzugehen, um „Willst du mich heiraten?“ zu sagen, um Widerspruch einzulegen, um unseren inneren Schweinehund zu besiegen, um ein Buch zu schreiben, um Geschäfte abzuwickeln, um Herausforderungen anzugehen, um zu gewinnen, um sich zu konfrontieren, um seine Bedürfnisse zu stillen.

Kurz: Wir brauchen unsere Aggressionen zum Leben. (Siehe u.a. Veröffentlichungen von Wolf Büntig)

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Aggressionen = Feindseligkeit?

Geschockt? Ich könnte es verstehen, weil viele von uns folgenden Zusammenhang gelernt haben: Aggressionen = Feindseligkeit. Der Umkehrschluss: Wir wollen keine Gewalt und deswegen wollen wir keine Aggressionen. Mit dieser anti-aggressiven Haltung unterbinden wir Lebensenergie. Sowohl unsere als auch die unserer Kinder beziehungsweise unserer Schüler

Ich denke, wir müssen uns sehr kritisch mit der Frage auseinandersetzen, was wir jungen Menschen wie vorleben und warum. Gerade in Bezug auf das Thema „Aggressionen“. Meine Überzeugung ist, dass allein deswegen so viele Kinder und Jugendliche zur externalisierten oder internalisierten Gewalt neigen, WEIL sie in Familien oder / und pädagogischen Einrichtungen aufwachsen, in denen sie stillgelegt werden. Übrigens nicht selten unter Zuhilfenahme zutiefst aggressiver Regeln, Grenzen und Konsequenzen.

Wer in jungen Jahren seiner Aggression beraubt wird, ist zur Passivität und Depression verdammt.

Lebensenergie “Aggression”

Während meiner Zeit als Student lebte ich mit Menschen zusammen, denen es unmöglich schien, “einfache” Tätigkeiten auszuüben, wie zum Beispiel zum Einkaufen zu gehen, den Müll zu entsorgen, einen Brief zum Postamt zu bringen. “Das kann doch nicht so schwer sein”, dachte ich. Heute denke ich:

Für manche Menschen ist es aufgrund übernommener Kindergelübde und eingefleischter Überlebensstrategien geradezu unmöglich, sich aufzuraffen und Pläne umzusetzen. Ich glaube nicht, dass Menschen “einfach so” faul sind. Ich denke eher, dass viele Menschen in ihrer Kindheit und Jugend gelernt haben, ihre Lebensenergie „Aggression“ auf den Standstreifen des Lebens abzustellen. Ihnen wurde die Fähigkeit des normalen, unauffälligen Nicht- beziehungsweise Liebseins antrainiert: „Du gehst in dein Zimmer und kommst erst raus, wenn du wieder brav bist!“

Und seitdem sitzen deprimierte Menschen antriebslos in Zimmern, vegetieren vor sich hin und machen sich dafür fertig, dass sie nicht die sind, die sie sein sollten. Wer von sich selbst entfremdet wurde, um den Bildern anderer zu entsprechen, verliert den Kontakt zu sich selbst.

Folgen einer anti-aggressiven Haltung

Manche ziehen sich zurück. Andere ziehen in den Krieg. Sie kämpfen an gegen Menschen, die sie an die eigene unterdrückte Lebendigkeit und an das eigene Opfersein erinnern.

Manchmal frage ich Eltern und Lehrer am Anfang einer Veranstaltung, was Kinder / Schüler in fünf, acht oder fünfzehn Jahren brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Niemand sagt: “Binomische Formeln” oder “Rechtschreibstrategien”. All das, was geäußert wird, bezieht sich im weitesten Sinne auf die Fähigkeit, persönliche und soziale Verantwortung zu übernehmen.
Sind Binomische Formeln und Rechtschreibstrategien deswegen unwichtig? Nicht zwangsläufig, nur beziehen sich Fachkompetenzen auf eine komplett andere Ebene.

Die Übernahme persönlicher und sozialer Verantwortung ist mit einer “anti-aggressiven” Grundhaltung nicht möglich. Wenn uns die psychosoziale Gesundheit unserer Kinder / Schüler am Herzen liegt, müssen wir ihnen zugestehen, sich mit ihren Aggressionen bekannt zu machen.

Und das fängt meiner Ansicht nach an der Stelle an, an der wir jungen Menschen zugestehen, wütend, traurig, unzufrieden oder ängstlich zu sein. Sie brauchen von uns die Einladung, etwas anderes zu wollen als wir. Die Chance, sich an uns zu reiben. Viele Möglichkeiten, sich zu bewegen, sich auszuprobieren, “Nein” sagen zu üben.

Aggressionsprobleme

Und ich möchte gerne betonen, dass der Umstand, dass sich Kinder im Sandkasten eben auch mal mit der Schaufel auf den Kopf hauen, nicht gleichbedeutend ist mit: “Der 3.Weltkrieg naht”.

Ich sage nicht, dass wir uns als Eltern oder Pädagogen dem Willen unserer Kinder / Schüler unterwerfen sollen und alles durchwinken müssen! Bloß nicht. Mir ist wichtig, dass WIR UNSERE Haltung zum Thema “Aggressionen” überprüfen, anstatt auffällig gewordene Kinder / Jugendliche an den Pranger zu stellen oder in „Anti-Aggressions-Projekte“ zu stecken.

Ja, viele Kinder und Jugendliche haben heute Aggressionsprobleme. Jedoch nicht unbedingt in dem Sinne, wie Aggressionsprobleme heute oft definiert werden. Unzählige Kinder und Jugendliche (und Erwachsene) legen allein deswegen ein aggressives Verhalten an den Tag, weil ihre Aggressionen mit Hilfe aggressiver Regeln, Konsequenzen, Strafandrohungen und Gewissensbisse unterdrückt werden bzw. wurden.

Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme, fehlende Motivation

Das Potential, sich für etwas zu motivieren, etwas „in Angriff zu nehmen“, ist jedem Menschen eingegeben und wird am Vorbild entdeckt. Wenn dieses Potential im Bildungs- und Erziehungs-Ödland verkümmert, weil Regeln, Grenzen, Konsequenzen, Erziehungskonzepte und Lehrpläne Individualität und Lebendigkeit unterdrücken, sind Symptome wie zum Beispiel Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme oder fehlende Motivation die Folge.

Wenn sich ein Kind (scheinbar) nicht motivieren kann, permanent stört oder Fluchttendenzen entwickelt, müssen wir davon ausgehen, dass der Zugang zum Eigenen und zu den natürlichen Aggressionen durch äußere Einflussnahme gestört ist. Der Versuch, junge Menschen von außen zu motivieren und in ihrem Sosein zu unterbinden, ist ein zutiefst aggressiver Akt und zwingt die Unterdrückten geradezu, ihre Restenergie darauf zu verwenden, sich zu verteidigen.

Und wer sich verteidigen muss, kann sich schon mal gar nicht auf irgendeinen Zahlenraum einlassen…


Nutze deine Aggressionen und werde Mitglied in der Familienakademie 🙂 Ich begleite Eltern, die neben vielen anderen Anliegen, ein Interesse haben, sich mit ihren Aggressionen auszusöhnen. Auch gehen wir der Frage nach, was wir tun können, wenn mit uns oder unsere Kindern mal wieder der Gaul durchgeht…

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Liebe Grüße, Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

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Helikoptereltern – Wenn Eltern an den Pranger gestellt werden…

Bevor ich Vater wurde, war ich bereits seit zwei Jahren Lehrer. In dieser Zeit ging ich einer Beschäftigung nach, die für Junglehrer durchaus typisch ist: Ich übte mich darin, alles besser zu wissen, Eltern zu belächeln und sie als „Helikoptereltern“ zu betiteln. In meiner jugendlichen Arroganz dachte ich, dass es ja nun wirklich nicht so schwer sein kann, sein Kind „richtig“ zu erziehen. Hier ein paar Regeln und Grenzen, da einige Ansagen und Konsequenzen. Das Ganze garnieren mit einer guten Portion Fürsorge und dann läuft der Laden. Ich hielt mich für das Maß aller Dinge und wusste selbstverständlich sehr genau, was eine „gesunde Portion Fürsorge“ ist und ab wann Fürsorge zur Überfürsorge wird.

Überfürsorgliche Eltern

Mit Unverständnis, einigen angelesenen Argumenten und etlichen normopathischen Sprachgewohnheiten reagierte ich auf „überfürsorgliche Eltern“, deren wichtigste Aufgabe meiner Meinung nach darin bestand „einfach mal loszulassen“ und „uns Lehrern zu vertrauen“. Aus heutiger Sicht ist es mir geradezu peinlich: Vor mir saßen Erwachsene mit zum Teil deutlich mehr Lebenserfahrung und ich ärgerte mich darüber, dass Sie mir, dem allwissenden Lehrer, mit Skepsis begegneten. „Eindeutig beratungsresistente Eltern!“, resümierte ich nach so manchem Elterngespräch. Oder: „Die Eltern von Jasmin wollen DER Realität einfach nicht ins Auge schauen!“

Was bitte wusste ich nach einem Leben voller Schule bitte über eine wie auch immer geartete Realität?

Ich bediente mich scheinprofessioneller Floskeln und war voll infiziert mit dem Glaubenssatz, dass ich allein vor dem Hintergrund meiner Rolle als Lehrer immer im Recht sei. Heute weiß ich, dass eines der größten Probleme an unseren Schulen darin besteht, dass noch immer unzählige Lehrer meinen, sie müssten als sogenannte rollenbedingte Autoritäten für „Ruhe und Ordnung“ sorgen. („Du hast mir zu gehorchen, weil ich Lehrer bin!“) Dieser Führungsstil funktionierte möglicherweise vor vierzig Jahren, nicht jedoch im Jahre 2019.

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Wer sich heute als Lehrer vor Schülern oder Eltern aufbaut und meint, aus seiner Lehrerrolle heraus Eindruck machen zu können, muss entweder unfassbar viel Druck aufbauen, um für „RUUUHE!“ zu sorgen oder unter Schmerzen lernen, dass es an der Zeit ist, den Schritt von der rollenbedingten zur persönlichen Autorität zu wagen.

Ich Lehrer. Du Jane

Wenn ich an den Lehrer denke, der ich einst war, kommt in mir der Wunsch auf, mich bei alle den Eltern zu entschuldigen, denen ich mein einfältiges Lehrer-Käseglocken-Weltbild überstülpen wollte. Nur: Woher hätte ich wissen sollen, dass Beziehungskompetenz etwas Anderes ist als „Hinsetzen und zuhören! Ich Lehrer. Du Jane!“?

In unserer Ausbildung hatten wir nichts gelernt, um die Verantwortung für das eigenen Denken und für die Qualität der Beziehung zu übernehmen. Wir wurden zu Wissensvermittlern ausgebildet.

Dann, nachdem ich zwei Jahre lang von Eltern erwartet hatte, meinen Erziehungsidealen zu entsprechen, kam meine Tochter Emma zur Welt. Vom ersten Tag an hatte sie eine etwas andere Idee vom Leben auf diesem Planeten. Meine modellhaften und statischen Seifenblasen-Ideen vom einfachen Elternsein zerplatzten innerhalb von Tagen und ich fing an zu rotieren und nachzudenken.

Zum Glück hatten wir als Eltern immer ausreichend Humor, um uns selbst auf die Schippe zu nehmen. Das entspannt! Unter lautem Gelächter bezeichneten wir uns wahlweise als „Lari-Fari-Eltern“ (Die Mutter meiner Tochter war Lari und ich war Fari…) oder auch als Helikoptereltern.

Eltern im Spannungsfeld

Meine Erfahrungen als Vater haben mir geholfen, meine Einstellung gegenüber Eltern komplett zu erneuern. Ich habe den allergrößten Respekt vor all den Eltern, die den Mut haben, sich im Spannungsfeld aus elterlicher Integrität („Hier sind wir. Mit all unseren Werten, Unsicherheiten, Ängsten, Wünschen, Träumen, Grenzen, Bedürfnissen, Kindheitserfahrungen und mit all unserer Liebe“) und Kooperation im Außen (Krippe, Kindergarten, Schule, Erziehungsexperten, Lehrer, Bücher, Ratgeber, Medien, Großeltern, Freunde, WhatsApp-Gruppen…) zurechtzufinden und zu positionieren.

Ähnlich wie Kinder und Jugendliche leben Eltern heute in einer Welt, in der zumindest zwischen den Zeilen folgender Imperativ die Menschen auf Dauer verrückt macht:

„Seid so, wie ihr seid und haltet euch an die Norm!“ Das nennt man ein kognitives Dilemma.

Umgang mit Helikoptereltern

Und wie gehe ich mit den sogenannten „Helikoptereltern“ um?

Schritt 1: Ich emanzipiere mich von der Bezeichnung „Helikoptereltern“ und gehe stattdessen in den gleichwürdigen Dialog.

Mag sein, dass heute viele Eltern aus Liebe zu ihren Kindern, in dem Wunsch, gute Eltern zu sein und aus Angst vor Horrorszenarien das Rotieren beginnen. Mag sein, dass es heute vermehrt Kinder gibt, die an der Seite von Eltern aufwachsen, die in Reaktion auf die eigene Kindheit die eigenen persönlichen Grenzen aufgeben. Mag sein, dass manche Eltern nicht genau wissen, was der Unterschied ist zwischen Lust und Bedürfnis.

Aber wer bitte sind wir, dass wir als Lehrer meinen, darüber befinden zu dürfen, was „richtig“ (fürsorglich) oder „falsch“ (überfürsorglich) ist. Haben wir Kurse zu der Frage belegt, ab wann Eltern in die Kategorie „Helikoptereltern“ gehören? Sind wir aufgrund eines besonderen Fach- bzw. Geheimwissens dazu autorisiert, über Eltern zu richten beziehungsweise Eltern zu instruieren? Und mal ehrlich: Was wissen wir über Bindungsforschung, Entwicklungspsychologie, Neurobiologie?

„Also ehrlich. Ich muss doch keine besonderen Kurse besuchen oder Fachbücher lesen, um zu wissen, was richtig und falsch ist. Das SIND Helikoptereltern. Das sehe ich doch. Da reicht mir mein gesunder Menschenverstand!”

Vorsicht! Es gab Zeiten, da sich Menschen ihres gesunden Menschenverstandes bedienten und sehr schlimme Dinge taten.

Scheinprofessionelle Formulierungen

Ich selbst lehne die Bezeichnung „Helikoptereltern“ mittlerweile komplett ab. Nach meiner Erfahrung geht der Gebrauch der Formulierung „Helikoptereltern“ für gewöhnlich einher mit Besserwisserei, Respektlosigkeit und Anklage. Und ich muss es so klar sagen: Im Umfeld Schule ist es geradezu salonfähig geworden, mit scheinprofessionellen Formulierungen wie zum Beispiel „Helikoptereltern“ für „Klarheit“ zu sorgen:

„Das sind Helikoptereltern. Da kann man nichts machen.“ (Was sind „Helikoptereltern“?)
„Ihr Kind hat ein Wahrnehmungsproblem!“ (Was ist ein „Wahrnehmungsproblem“?)
„Als Schulleiter muss ich für den Schulfrieden sorgen!“ (Was ist „Schulfrieden“?)
„Jan ist ein Klassenclown.“ (Ein WAS?)
„Schüler X hat einen Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung.“ (Kann mir bitte jemand erklären, was der „Geist“ ist?)

Okay, aber was mache ich denn als Lehrer, wenn ich den Eindruck habe, dass die Eltern von Katja auf eine erdrückende Weise fürsorglich sind?

Ich löse mich von dem Gedanken, dass ich irgendeine objektive Wahrheit kenne und lade die Eltern ein zum gleichwürdigen Dialog. Und wenn es mir gelingt, einen guten Kontakt zu etablieren, werden Eltern nach meiner Erfahrung IMMER offen werden für neue Gedanken, Fragen und Hinweise. NICHT offen werden sie, wenn ich mit der Idee der „Helikoptereltern“ auf sie einrede und ich selbst nicht offen bin.

Ein Gedanke zum Abschluss:
Was ist das eigentlich für eine merkwürdige Logik, dass wir Lehrer immer dann, wenn es gut in unser Konzept passt, darauf bauen, dass Eltern durch die Gegend „helikoptern“?

Eltern sollen einerseits ihre Grundschulkinder am Eingang zur Schule abgeben (weil die ja schon groß sind) und andererseits dafür Sorge tragen, dass die Hausaufgaben vollständig und fristgerecht abgegeben werden.
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In der Familienakademie sind alle Eltern eingeladen, die viel Freude daran haben, miteinander die Helikopter-Perspektive einzunehmen, um sich und seine Familie mal „von oben“ anzuschauen 😊

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Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Mobbing

Mobbing in der Schule – Ein Führungsproblem…

Mobbing ist kein Problem, das von Kindern und Jugendlichen ausgeht. Mobbing ist in erster Linie ein von den Erwachsenen zu verantwortendes Führungsproblem. Wenn junge Menschen vorgelebt bekommen, dass es in Ordnung und zielführend ist, Macht zu missbrauchen, Integrität zu verletzen, Menschen zu entwürdigen und „Schwächere“ auszugrenzen, lernen sie Machtmissbrauch, Integritätsverletzung, Entwürdigung, Ausgrenzung. Sie lernen Mobbing.

Null-Toleranz-Haltung gegenüber Mobbing?

Das Potential zum Mobbing ist in uns genauso angelegt wie das Potential zur empathischen Mitmenschlichkeit und zum kooperativen Miteinander. Mir persönlich scheint gerade im Zusammenhang mit dem Thema „Schule“, dass der Begriff der Potentialentfaltung doch immer wieder etwas zu einseitig bzw. zu rosarot gesehen wird. Zu unseren Potentialen gehört ALLES, was in uns ist. Nicht nur das sogenannte “Gute”.

Wir müssen uns fragen, WELCHE Potentiale wir an unseren Schulen WIE wecken und entfalten wollen und WELCHE Potentiale wir an unseren Schulen WIE wecken und entfalten. Wir müssen also unterscheiden lernen zwischen dem, was wir erreichen wollen und dem, was wir tatsächlich erreichen! Auch bezogen auf das Thema „Mobbing“.

Würde man 100000 Lehrer fragen, ob sie ihren Schülern Mobbing beibringen wollen, würden 100000 Lehrer antworten: „Nein!“. Einige Lehrer würden ihr „Nein!“ sehr wahrscheinlich noch etwas ausschmücken. Zum Beispiel mit dem Satz: „Was ist denn das für eine bescheuerte Frage?“

Und dennoch geschieht es, dass gerade auch jene Lehrer, die sich mit erhobenem Zeigefinger über die unhaltbaren „Mobbing-Zustände“ an unseren Schulen empören und aus voller Überzeugung eine Null-Toleranz-Haltung kommunizieren, Mobbing praktizieren, vorleben und provozieren.

So geschehen im folgenden Beispiel:

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Und jedem Mobbing wohnt ein Anfang inne: Applaus, Applaus!

Ein Erstklässler stellt nach wenigen Wochen seine Bemühungen komplett ein. Er verhält sich auffällig, aggressiv, grenzüberschreitend. Mittlerweile neigt er dazu, die „Schwächeren“ zu drangsalieren. Lehrer und Schulleiter instruieren die Mutter, sie möge sich „bitte“ Hilfe holen, weil ihr Sohn ein bedenkenswertes und nicht zu tolerierendes Verhalten an den Tag lege. Wenn sich die Mutter nicht sofort kümmere, müssten andere Schritte in Erwägung gezogen werden…

Im Beratungsgespräch erzählte mir die völlig verzweifelte Mutter, was dem Jungen widerfahren war. Die Klassenlehrerin hatte eines Tages folgende Marschroute ausgegeben:

„Wer bis zum Ende einer Woche sechs Arbeitsbögen gelöst hat, darf vor die Klasse kommen und erhält einen großen Applaus.“

Nachdem der Junge vergeblich versucht hatte, das zu bearbeitende Pensum zu erledigen und den heiß ersehnten Applaus zu bekommen, hatte er seine Arbeit irgendwann eingestellt. Warum? Er hatte die bittere Erfahrung gemacht, dass er nicht „gut genug“ war. Ihm war sehr deutlich vor Augen geführt worden (und zwar im wahrsten Sinne des Wortes), dass er nicht zu den Auserwählten gehörte, sondern zu den Versagern.

Lernen ist “Beifang-Lernen”

An guten Tagen kann ich mich darüber amüsieren, dass viele Lehrer offensichtlich der Auffassung sind, dass Lernen eine linear-kausale, komplett planbare, fachlich zu definierende und im Grunde genommen sehr simple Angelegenheit ist. Nach dem Motto: Meine Schüler lernen das, was ich ihnen beibringen will. Ende Gelände. Wenn Schüler das zu Erlernende lernen, ist es mein Verdienst. Hingegen bin ich weder verantwortlich dafür, wenn sie etwas NICHT lernen, noch dafür, dass sie abseits des zu Erlernenden noch viele andere „Nebenprodukte“ mitlernen. Gerald Hüther spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Beifang-Lernen“. Das heißt: Menschen lernen nicht nur ein WAS (einen Inhalt); sie lernen immer auch das WIE mit, d.h. diejenigen Gefühle, Stimmungen und Kommunikationsstile, die in der Auseinandersetzung mit einem WAS den Gemütszustand desjenigen “färben”, der sich mit einem Lerninhalt auseinandersetzt.

Unerwünschte UND vorgelebte Mobbinghandlungen

Zu den typischen Mobbinghandlungen gehören: Demütigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, Zuweisung sinnloser Aufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige, unangemessene Kritik an der Arbeit.

Genau diese Mobbinghandlungen werden an unseren Schulen täglich vorgenommen und vorgelebt. Nicht zuletzt gerade von denen, die sich voller Inbrunst GEGEN Mobbing aussprechen.

Jeden Tag werden Myriaden an Schülern vor versammelter Mannschaft beschimpft, kritisiert, lächerlich gemacht, angeschrien, definiert, manipuliert, bloßgestellt, abgewertet, schuldig gesprochen, zum Abschuss freigegeben, kategorisiert, verglichen, abgestempelt, bedroht, ermahnt, bestraft, gezwungen, verängstigt, mit komplett sinnlosen Strafarbeiten zugemüllt, auf „stille Stühle“ gesetzt, in „Trainingsräume“ geschickt und mit einem Lächeln für „vogelfrei“ erklärt. Sie werden gemobbt!

„Bestünde Lehrern nur im Erklären, wäre es eine einfache Aufgabe.“, sagen Daniel Siegel und Mary Hartzell.

Bestünde die Lösung einer sich stetig ausbreitenden Mobbing-Problematik nur im Erklären (oder darin, Schüler in Anti-Mobbing-Programme zu schicken), wäre es eine einfache Aufgabe.

Mobbing ein Problem für Schüler UND für Lehrer

Schulische Mobbing-Täter und Mobbing-Opfer sind im Selbstwert ramponierte Individuen, die – je nach Persönlichkeitsstruktur und Erfahrungshintergrund – mit dem kooperieren, was ihnen in den jeweiligen Schulen / Klassen vorgelebt und angeboten wird. Ich denke, wir müssen uns im Schulkontext bewusst machen, dass der Selbstwert unzähliger Menschen existentiellen Schaden nimmt. Und mittlerweile gehören zu den „unzähligen Menschen“ vermehrt auch Lehrer selbst. Regelmäßig berichten mir Lehrer davon, dass sie in ihren Kollegien gemobbt werden…

Wer meint, dass das Problem des gegenwärtigen Lehrermangels allein über höhere Gehälter zu lösen wäre, hat nicht verstanden, dass sich immer mehr angehende und etablierte Lehrer gegen den Lehrerberuf entscheiden, weil sie spüren, dass ihnen das, was sie erwartet und das, was von ihnen verlangt wird, nicht gut tut.

SIE dürfen „Nein“ zu Schule sagen.

Schüler nicht.


In der Familienakademie bekommst du die Möglichkeit, auf vielfältige Weise und mit meiner direkten Begleitung an den Themen und Fragen zu arbeiten, die dich als Mutter / Vater / Mensch beschäftigen.

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Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Schule und Verantwortung

Schule und Verantwortung – “ES” läuft, wie “ES” läuft…

Manchmal gehe ich in meine Küche und denke: „Was für ein Chaos. Ich will dieses Durcheinander doch gar nicht. Warum in Gottes Namen sieht meine Küche ständig so aus, obwohl ich doch gar nicht will, dass sie so aussieht?“ Und während ich dann darüber nachdenke, warum „ES“ immer wieder passiert, setze ich meine Küche unter Wasser, weil ich hektisch, unbedacht und unkoordiniert einen Kaffeebecher ausspüle.

„Ich könnte ja mal was ändern“, tönt es in meinem Kopf, während ich mir frischen Kaffee eingieße und die Hälfte des Gebräus auf den Fußboden schütte. „Ja, das ist doch mal eine gute Idee“, stelle ich fest.

Von meinem Entschluss geradezu ergriffen, lasse ich die Milchflasche auf der Spüle stehen, um beim Verlassen der Küche auf den Keks zu treten, der mir gerade vom Teller gefallen ist. „Meine Küchensituation“, so phantasiert mein wirrer Kopf, „ist doch irgendwie vergleichbar mit der Situation an meiner Schule beziehungsweise an unseren Schulen“. Ich gehe aus der Küche, verbreite den zerbrochenen Keks im Wohnzimmer, bevor ich mich an meinen Laptop setze, um mich schreibend dem Thema “Schule und Verantwortung” zuzuwenden.

Schwierige Schüler, Lehrpläne, Noten – Die lange Liste der Beschwerden

„ES“ passiert. „ES“ passiert, obwohl kaum jemand will, dass „ES“ passiert. Noch nie habe ich einen Lehrer getroffen, der aus voller Überzeugung gesagt hat, dass es im Bereich Schule so richtig, richtig gut läuft. Nahezu alle sind unzufrieden. Die Liste der Beschwerden ist lang: “Schwierige” Schüler, „Hubschraubereltern“ (oder “Helikoptereltern”), Lehrpläne, Noten, Schulleiter, “die da oben”, gestiegene Anforderungen, sinkendes Niveau, Ausstattung, Klassenstärken, fehlendes Personal, Unterrichtsmaterial…

Und obwohl wir doch alle miteinander stöhnen, kritisieren, meckern – die Tendenz, sich an unsere Schulen über Schuldzuweisungen zu solidarisieren, ist verbreitet – legen wir doch jeden Tag die alten Filmrollen ein, um den Horrorfilm “ES“ aufzuführen. Immer wieder. “ES” passiert und “ES” waren die anderen. Böse, heile Welt: Wenn “ES” die anderen waren, war “ES” nicht ICH.

Das Spiel der Schuldzuweisungen spielen wir an unseren Schulen schon seit Ewigkeiten. Kalter Kaffee sozusagen…

(Ist es nicht merkwürdig, dass man nur einen einzigen Buchstaben austauschen muss, um aus dem Wort “Schule” das Wort “Schuld” zu machen?)

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Verantwortung: Meine Küche. Meine Unordnung. Meine Krümel.

Nun ist MEIN Kaffee kalt. Zu lange habe ich über merkwürdige Vergleiche und Bilder nachgedacht. Ich muss nachfüllen. Ich gehe in die Küche und frage mich, was da unter meinen Füßen knirscht. Ich werde wütend: „Verdammt nochmal, wer hat den Keks in der ganzen Wohnung verteilt? Keine Schuldigen weit und breit. Schade eigentlich. Dabei wäre es durchaus ENTlastend, andere zu BElasten, oder?

Ganz klar: Ich war „ES“. „Okay“, denke ich, „morgen bringe ich meine Küche in Ordnung.“ Ich höre auf, nach Schuldigen zu suchen und übernehme Verantwortung. ich bin mein eigener Küchenchef.

Meine Küche. Meine Unordnung. Meine Krümel.

Und: Mein Entschluss: „Nicht morgen. Jetzt. Ich ändere jetzt etwas.“ Weil ich es mir wert bin. Weil ich es kann. Weil es meine Verantwortung ist. Meine Küche ist nicht wirklich groß, aber sich DARÜBER aufzuregen, wäre ziemlich bescheuert. Niemand hat mich gezwungen, diese Wohnung zu beziehen. Ich könnte den Mietvertrag kündigen und mir eine Wohnung mit einer größeren Küche suchen. (Meine Tochter ist 14 Jahre alt und kann sich das nicht aussuchen!) Wie also kann ich DIESE Küche so gestalten, dass ich mich hier wohlfühle?

Auf geht´s…

Meine Klasse. Meine Verantwortung. Meine Gestaltungsmöglichkeiten

Manche nennen das, was ich zu tun gedenke, eine Aufräum-Aktion. Ist mir zu banal. Ich brauche mehr Pathos:

“Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.”

Und lieber Gott: Bitte erinnere mich doch daran, wenn ich mal wieder Schuld und Verantwortung miteinander vermenge. Kümmere DU dich doch bitte um das Thema “Schuld”. Ist nicht so ganz mein Kerngebiet…

Und morgen? Morgen fahre ich in die Schule. Was kann und will ich an DIESER Schule, in MEINER Klasse, unter DIESEN Voraussetzungen anders machen als bisher?

Die Verantwortung für die Qualität der Beziehungen

Ich kann und ich muss mir meiner Verantwortung für die Qualität der Beziehungen bewusst werden. Für den “Duft in der Bäckerei” (eine Formulierung aus dem phantastischen Buch “Neue Führungskompetenz” von Martin Mourier) bin ICH als Lehrer verantwortlich, nicht das Bildungsministerium. Konkret kann das folgendermaßen aussehen:

Ich setze mich mit Keksen zu meinen Schülern und sage (aufrecht und klar!): „Wisst ihr, ich habe festgestellt, dass es mir in den letzten Wochen nicht gut gelungen ist, für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Mir ist aber wichtig, dass wir uns in dieser Klasse wohlfühlen. Jetzt brauche ich eure Ideen: Was kann ich anders machen als bisher?”

Meine Küche. Meine Unordnung. Meine Krümel.

Meine Klasse. Meine Verantwortung. Meine Gestaltungsmöglichkeiten.


Du magst Kekse 🙂 und neigst auch dazu, etwas “unordentlich” über Themen, wie zum Beispiel Schule, Familie, Elternsein, Beziehungen und Bedürfnisse  nachdenken. Dann lade ich dich ganz herzlich ein, in meine Familienakdemie zu kommen. In der Familienakademie kannst du dich gemeinsam mit mir und mit anderen Eltern zu all den Themen austauschen, die dich und andere bewegen. 

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Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Pubertät

Pubertät – Wenn Eltern in Panik geraten…

“Mein Kind kommt in die Pubertät!”, sagte die Mutter und ging in Deckung.
Der Experte runzelte die Stirn und entgegnete mit finsterer Miene: „Gerade in der Pubertät müssen Sie Ihrem Kind klare Grenzen aufzeigen! Auf keinen Fall dürfen Sie alles durchgehen lassen!”

Und wenn sie nicht von der Pubertät des Jugendlichen erschlagen wurden, dann sorgen sie sich noch heute…

Sehr viele Eltern neigen dazu, die natürlichen Autonomiebestrebungen ihrer Kinder zu problematisieren und zu unterbinden. Und ich kann es ihnen nicht verdenken, schließlich treffen sie in ihrem Lebensumfeld gehäuft auf Fachleute, wie zum Beispiel Lehrer, Schulpsychologen oder Erziehungsberater, denen kaum etwas Besseres einzufallen scheint, als vom zukünftigen Scheitern zu faseln, so die Zügel nicht endlich angezogen würden.

Schule will gehorsame Kinder und Jugendliche…

Vor einiger Zeit meldeten sich Eltern bei mir, weil sie angesichts der gegenwärtigen schulischen Situation ihres Kindes – nennen wir ihn mal Max – komplett verzweifelt waren. Sie waren so sehr beeinflusst worden von den Moralpredigten und Angst-Szenarien der Pädagogen, dass sie mittlerweile tatsächlich glaubten, schlechte Eltern zu sein, denen die Erziehungs-Felle schon längst davongeschwommen waren. Seitens der Schule waren massive Drohungen ausgesprochen worden, ein Schulpsychologe war eingeschaltet worden und kein Gespräch lief ohne den Schulleiter ab. Selbstverständlich wurden Gesprächsergebnisse in Form eines Protokolls festgehalten. Man weiß ja nie. Als ich nachfragte, an welcher Stelle der Konflikt begonnen hatte, antworteten die Eltern nahezu entschuldigend: „Max hatte sich verweigert, im Unterricht sein Basecap abzunehmen.“

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Pubertät heißt: Nein zum Gehorsam!

Glücklicherweise kannte mich die Familie bereits seit einiger Zeit, denn meine Spontanreaktion des lauten Auflachens hätte mit Sicherheit für Irritation gesorgt, wenn wir uns an dem Tag zum ersten Mal gesprochen hätten. Ich konnte einfach nicht fassen, dass hier ein riesengroßes Fass aufgemacht worden war, weil ein vierzehnjähriger Junge „Ja!“ zu sich selbst (und seinem Basecap) und „Nein!“ zum Gehorsam gesagt hatte.

Ehrlicherweise ist die Situation für etliche Eltern und Jugendliche vor dem Hintergrund schulischer Tyrannei alles andere als zum Lachen, aber manchmal hilft nur noch Humor. Ich lud die Eltern ein, abends eine Party zu feiern, zu der alle ein Basecap tragen könnten. Ich beendete das Gespräch mit folgendem Satz: „Sie müssen ganz wunderbare Eltern sein, denn Ihr Sohn ist in der Lage, trotz eines immensen äußeren Drucks für sich selbst einzustehen.“

Erziehung zur Verantwortlichkeit?

„Ja, aber Kinder und Jugendliche können doch nicht immer machen, was sie wollen. Und später können sie ja auch nicht…!“

Wie stellen wir uns die Nummer vor? Junge Menschen wie Max werden zum Mitlaufen und zur Überanpassung verpflichtet und dann erwarten wir, dass sie als Erwachsene plötzlich persönliche und soziale Verantwortung übernehmen? Die Pointe ist doch: Wenn an einem erst „trotzigen“ Mäxchen und später „pubertierenden“ Max ein Maximum an Erziehung vorgenommen wird, darf sich doch bitte niemand wundern, wenn sich der erwachsene Max verhält wie ein gehorsamer Zirkuselefant, der in jungen Jahren daran gewöhnt wurde, an einem vergleichsweise kleinen Pflock angebunden zu sein. Als dressierter und wohlerzogener Bulle wird er wahrscheinlich kaum noch in Erwägung ziehen, sich aus den Fußfesseln biographischer Verstrickungen zu befreien. Und das, obwohl ihm als kräftiger Elefant natürlich genügend Muskelkraft zur Verfügung stände. Nein, er wird innerlich verharren wie eine vor sich hinvegetierende Pflanze und an dem festhalten, was die “freiwillige Knechtschaft” (Arno Gruen) an Sicherheit zu spenden verspricht. Er wird funktionieren, ganz gewiss Vieles „richtig“ machen und im Außen Zustimmung erfahren für sein „ambitioniertes Leben“. Aber eines Tages meldet sich über Symptome eine innere Stimme, die sehr deutlich mitteilt: „Nun wird es aber Zeit, dass du mich wiederentdeckst.“

Der Weg zum Psychotherapeuten – Der Weg zu sich selbst

Ich frage Eltern manchmal, ob sie schon mal versucht haben, einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu bekommen. „Ja“, sagen einige, „und da muss man viel Geduld aufbringen, weil man oft erst nach einem Jahr einen Platz bekommt.“ Woran liegt das? Daran, dass es zu wenige Therapeuten gibt oder diese zu wenig arbeiten? Nein, selbstverständlich nicht. Die Praxen werden überrannt, weil unzählige Erwachsene eines Tages in Form von Krisen, Wendepunkten und Brüchen merken, dass sie mit den anerzogenen Überlebensstrategien nicht glücklich sind und wohl auch nicht glücklich werden.

Übrigens: Wohl dem, der einen Termin bekommt. Ich bin kein Psychotherapeut, aber ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass eine der wichtigsten Grundbotschaften im Zuge einer Therapie lautet: “Sie müssen lernen, wieder `Ja` zu sich selbst zu sagen.”

Richtige Erziehungsstile während der Pubertät?

“Okay, aber welcher Erziehungsstil ist denn nun zu empfehlen, wenn Kinder in die Pubertät kommen?”

Meine Antwort: Keiner.

All diese restriktiven Erziehungsversuche, deren Ausgangsperspektive die ausgesprochene oder gedachte Formulierung „Wenn nicht, dann…!“ enthält, beeindrucken im Regelfall nur den, der gerade erziehen will. Sie erwecken bisweilen durchaus den Anschein, als würden sie schnell und effektiv wirken. Allerdings sollten wir bedenken, dass klassische erzieherische Maßnahmen eher nicht dazu führen, dass junge Menschen plötzlich einsichtig werden und sagen:

“Danke Mami und Vati, jetzt habe ich verstanden. Die Mütze muss vom Kopf, Rauchen ist ungesund und ich sollte besser mal die Frankfurter Allgemeine lesen, als so viel Zeit vor dem Computer zu verbringen.” Nein, klassische Erziehungsmodelle sind zumeist nur deswegen (vorübergehend) wirksam, weil sie die Integrität des zu Erziehenden bedrohen und keine alternativen Handlungsoptionen zulassen. Im Übrigen – und damit möchte ich mich an dieser Stelle nicht ausführlicher auseinandersetzen – sind diese modern und freundlicher wirkenden Modelle, wie zum Beispiel das ständige Loben oder das manipulative Belohnen nur die Kehrseite einer Erziehung, die auf Drohungen und Strafen (neudeutsch: Konsequenzen) setzt.

Alternative: Beziehung statt Erziehung…

Was ist die Alternative? Hier eine vielleicht etwas ungewöhnliche Antwort in Form eines Briefes:

Liebe Eltern,

versucht nicht, euren Kindern die Ecken und Kanten des Lebens vorzuenthalten. Krisenklau signalisiert Misstrauen und unterbindet Entwicklungsmöglichkeiten. Macht aus euren Kindern keine Glückskäfer, denn sie tragen schwer an den Lasten elterlicher Glückserwartungen. Wenn eure Kinder durch Krisen gehen, stellt euch an den Wegesrand, schenkt ihnen euer Vertrauen, verbindet Wunden und reicht Getränke. Geht ruhig auch eine Meile in den Schuhen eurer Kinder und spürt hin. Nichts scheint der Entwicklung von Kindern zuträglicher zu sein, als dass sie sich von ihren Eltern gesehen fühlen. Aber vergesst nicht, die Schuhe eurer Kinder wieder auszuziehen. Es sind nicht eure Schuhe, es ist nicht euer Weg, es ist nicht euer Leben. Eure Kinder gehören sich selbst. Seid empathisch, einfühlsam, aufmerksam UND klar. Das heißt: Leistet Widerstand und teilt euren Kindern mit, was ihr denkt. Passt gut darauf auf, die Krisen eurer Kinder nicht zu euren Krisen zu machen. Kinder stecken voller Energie, aber sie ertragen es auf Dauer nicht, wenn ihnen in Liebesbeziehungen Hilfe angeboten wird, um dann irgendwann die Erfahrung zu machen, dass sie denjenigen zu Hilfe kommen müssen, die einst Hilfe anboten. Kinder ersticken an Schuldgefühlen, wenn sie den anmaßenden Gedanken denken und glauben, für das Wohl und Übel ihrer Eltern verantwortlich zu sein.

Pubertät ist keine Krankheit!

Und wer es etwas „bodenständiger“ mag:

  • Geht mit euren Kindern in Beziehung. In eine gleichwürdige Beziehung…
  • Seid persönlich.
  • Gebt ihnen echte Rückmeldungen, ohne sie zu entwürdigen.
  • Führt ein eigenes Leben.
  • Verbindet eure Wunden, wenn sich eure Kinder langsam abkapseln.
  • Glättet eure Sorgenfalten.
  • Sprecht möglichst „normal“.
  • Interessiert euch.
  • Hört auf zu referieren und zu diskutieren. Hört lieber zu.
  • Haltet euch mit Lösungen zurück.
  • Mischt euch nicht ständig ein.
  • Feiert Autonomiebestrebungen.
  • Fragt eure Kinder, ob sie eure Unterstützung wollen und brauchen.
  • Prüft, wer gerade ein Problem hat: Eure Kinder oder ihr…
  • Achtet eure Grenzen und die eurer Kinder!!!!!!!!
  • Lasst euch nicht verrückt machen. Auch nicht durch die Schule.
  • Hört auf zu erziehen. Das bringt sowieso nichts!
  • Und macht euch bitte klar: Pubertät ist keine Krankheit. Pubertät ist eine natürliche Entwicklungsphase!!!

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Dein Kind kommt / ist in der Pubertät? Du bist herzlich eingeladen, in meine Familienakademie zu kommen, um dich mit mir und anderen Eltern darüber auszutauschen, wie du mit deinem “pubertierenden Kind” in eine gleichwürdige Beziehung kommen kannst. 

Hier geht`s lang… – Ich freue mich auf dich. Echt jetzt 🙂 

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN


Bildnachweis: istockphoto.com / pidjoe