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Eltern als Vorbilder – Umgang mit Krisen

Ein Gedankenexperiment: Ich sitze am Abend vor dem Fernseher und will nur noch meine Ruhe haben. Der Tag war mies. Im Moment sind alle Tage mies. Der Chef behandelt mich wie den letzten Dreck, die Kollegen schauen mich an wie einen Aussätzigen und mein Leistungsvermögen war auch schon mal ausgeprägter.

Kurzum: Ich stecke in einer Krise. Meine Partnerin kommt mit angsterfülltem Gesicht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher aus und sagt:

„Du musst mir helfen. Mir geht es ganz dreckig damit, dass es dir schlecht geht und du so oft vor dem Fernseher sitzt. Ich will, dass du wieder glücklich bist, damit ich wieder ruhig schlafen kann. Was MACHE ich nur mit dir?“

Krisenklau

Was für eine Doppelbelastung! Jetzt muss ich auch noch meine Partnerin „retten“. Ich könnte ja wirklich Unterstützung gebrauchen. Meine Partnerin könnte sich zum Beispiel an meine Seite setzen und mir zuhören. Aber nein! Sie bekommt `ne Krise, weil es in meinem Leben kriselt. Ich hasse Krisenklau.

Wenn es Menschen schlecht geht, weil es mir schlecht geht, habe ich den Eindruck, dass ICH mich um SIE kümmern muss.

Warum sollte es Kindern und Jugendlichen anders ergehen?

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„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

Eine typische Eltern-Frage, die auch mir immer wieder gestellt wird. Eine Frage, die, weil sie so normal ist, kaum hinterfragt wird. Eine Frage, die sowohl den Fragenden als auch den Gefragten darauf fokussiert, das Machbare zu erkunden.

Mein erster Gedanke zu der Frage der Machbarkeit lautet: Mit Kindern sollten Eltern überhaupt nichts MACHEN. Mit ihnen wird ohnehin schon viel zu viel gemacht. Sie werden erzogen, bearbeitet, genormt. Nicht nur, aber insbesondere in den pädagogischen Einrichtungen.

Fragen über Fragen

„Und wenn sie stundenlang Computer spielen, unglücklich wirken, nicht mehr zur Schule gehen wollen?“

Meine Empfehlung an Eltern: Bevor ihr reflexartig über das vermeintlich Machbare nachdenkt und Ausschau haltet nach effektiven Tipps, Tricks und Rezepten, haltet inne, um ehrlich zu prüfen, um wen oder was es euch gerade geht.

Versucht ihr, euren Eltern-Ideal-Bildern zu entsprechen? Dann macht euch klar, dass euer Kind nicht dafür zuständig ist, dass ihr euch für gute Eltern haltet. Eure Idealbilder sind eure Idealbilder!

Wollt ihr gegenüber Freunden, Verwandten oder Pädagogen in irgendeiner Form wirken? Dann macht euch klar, dass euer Drang zur Imagepflege zu 100 Prozent eure Angelegenheit ist.

Geht es euch tatsächlich um euer Kind oder darum, dass IHR darunter leidet, wenn euer Kind unglücklich wirkt und Krisen erlebt? Macht euch klar, dass eure Gefühle zu euch gehören und unbedingt von euch verantwortet werden müssen.

Klarheit schaffen

Ja, es kann für uns Eltern emotional herausfordernd sein, wenn unser Kind – zum Beispiel vor dem Hintergrund schulischer Erlebnisse – den Rückzug antritt und sich Dingen widmet, die nach Erwachsenen-Maßstäben belanglos oder geradezu schädigend sind. Und natürlich denken wir als verantwortungsvolle und empathische Eltern darüber nach, wie wir unserem Kind in schwierigen Phasen zur Seite stehen können. Im Übrigen ist es doch nachvollziehbar, wenn wir nicht gerade jauchzen vor Freude, wenn unser Kind in Schwierigkeiten steckt oder / und zu Verhaltensweisen neigt, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Der Impuls, in Krisenzeiten ins MACHEN zu kommen, ist nur zu verständlich. Gleichwohl tun wir als Eltern gut daran, regelmäßig nach innen zu gehen, um uns und unsere inneren Antreiber immer besser kennenzulernen.

Wichtige Fragen könne sein: Was ist unser Motiv? Was gehört zu uns und was gehört zu unserem Kind?

Der Druck des Kindes, glücklich sein zu müssen

Für Kinder ist es auf Dauer überaus belastend, ständig ein glückliches, zufriedenes, ausgeglichenes Leben führen zu müssen. Sehr viele Kinder kooperieren mit den Erwartungen und Sorgen der Eltern, indem sie sich aufschwingen, die Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Eltern zu übernehmen.

Wenn Kinder spüren, dass die eigenen Eltern unter den Krisen und Gefühlen der Kinder leiden, fangen die Kinder irgendwann an, schlechtes Gewissen zu entwickeln und Theater zu spielen. Krisen, Tränen oder Rückzugstendenzen dürfen dann nicht mehr zugelassen und gezeigt werden, weil die Eltern starke und glückliche Kinder „brauchen“. In der Folge „bröckelt“ das Selbstwertgefühl der Kinder, weil sie die Lebenserfahrung machen, nicht die sein zu dürfen, die sie sind.

Persönliche Verantwortung

Eltern können sich nicht entscheiden, ob sie JETZT oder SPÄTER Vorbilder sind. Immer sind sie Vorbilder. Sie leben nicht nur vor, wie man eine Gabel hält. Sie leben auch vor, wie man mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen umgeht. Über ihr Verhalten (und nicht über erzieherische Instruktionen) zeigen sie ihren Kindern, entweder persönliche Verantwortung zu übernehmen – das heißt die Verantwortung für sich selbst – oder eben die persönliche Verantwortung abzugeben. Indem Eltern die Verantwortung für sich und das innere Gleichgewicht auf die eigenen Kinder übertragen, vermitteln sie Schuldgefühle und das Erleben von Ohnmacht.

Und so frage ich dich: Was willst du deinem Kind vorleben?


Du willst deinem Kind Verantwortungsübernahme vorleben?

Du willst mehr über dich und deine inneren Antreiber und Motive herausfinden?

Du willst dich mit anderen Eltern darüber austauschen, wie du mit deinen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen verantwortlich umgehen kannst?

Mach meine Familienakademie zu deiner Familienakademie. Werde Mitglied und nutze die Möglichkeit, mit mir und mit anderen Eltern in den gleichwürdigen Dialog zu kommen.

Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Umgang mit Hausaufgaben – Eltern in der Verantwortung?

Hausaufgaben: Fester Bestandteil unserer Schulkultur mit großem Einfluss auf die Lebensqualität etlicher Familien. Täglich bemühen sich pflichtbewusste Eltern auf Kosten von Geduld, Zeit, Beziehungsqualität und / oder Gesundheit um vollständige und „richtige“ Hausaufgaben. Schließlich wollen sie das „Beste“ für ihr Kind. Und das heißt für nicht wenige Eltern eben auch, den Part des Ersatz-Lehrers zu übernehmen und das Konzept „Schule“ zu Hause fortzuführen. „Gerne“ auch zu Zeiten, da man vielleicht mal ausspannen und nichts tun könnte.

Unterschiedliche Eltern – unterschiedliche Sichtweisen

„Was bilden die sich eigentlich ein?“, beschwerte sich unlängst eine Mutter bei mir. „Nach einem 12-Stunden-Tag soll ich noch dafür sorgen, dass mein Kind die Hausaufgaben nicht nur erledigt, sondern auch noch korrekt abliefert? Nein, da mache ich nicht mit! Das ist nicht mein Job. Sollen die doch denken, was sie wollen!“

Andere (und aus meiner Sicht erstaunlich viele) Eltern äußern sich hingegen in der Weise, dass sie überhaupt kein Hausaufgaben-Problem sehen. Im Gegenteil. Sie seien sogar froh, dass Hausaufgaben erteilt würden, da man als Eltern mit Hilfe von Hausaufgaben einen Einblick davon bekommen könne, wo ihre Kinder „in den Fächern stehen“. Schließlich erzählten die Kinder ja nie etwas aus der Schule und geschadet hätten Hausaufgaben „uns ja auch nicht“.

Hausaufgaben werden also unter anderem deswegen erteilt, weil Eltern auf den neuesten Stand gebracht werden möchten / sollen und weil Hausaufgaben – zumindest im Weltbild der „Das-hat-uns-doch-auch-nicht-geschadet-Vertreter“ kein Unheil anrichten? (Literaturtipp: Sind Hausaufgaben Hausfriedensbruch?)

Umgang mit Hausaufgaben

Es soll Kinder geben, die gerne Hausaufgaben machen und kaum Unterstützung brauchen. Okay! Auch will ich anerkennen, dass es Eltern gibt, die es tatsächlich genießen, sich abends um 19.45 Uhr noch mit dem Kind vor ein Mathebuch zu setzen. Dann soll es so sein. Es ist nicht mein Anliegen, Menschen Probleme anzudichten.

Was aber ist mit denen, die angesichts des Themas „Hausaufgaben“ leiden? Was ist mit all den jungen Menschen, die einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in der Hausaufgaben-Planwirtschaft verbringen und auf Dauer verzweifeln? Was ist mit all den Eltern, die sich mit dem Lehreraushilfsjob überfordert fühlen und den nächsten Eintrag ins Mutti-Heft fürchten („Ich muss Sie leider darauf aufmerksam machen, dass Jakob wiederholt die Hausaufgaben nicht dabei hatte. Bitte klären Sie das!“)?

Und was ist mit all den Lehrern, die an ihren Schulen entgegen ihrer Werte und Überzeugungen Hausaufgaben erteilen müssen?

Wollen wir all diesen Menschen sagen, dass das Leben nun mal kein Ponyhof ist und der Ernst des Lebens wichtiger ist als das Leben selbst?

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Hausaufgaben – Eine Leidensgeschichte

Nach meiner Einschätzung ist die Geschichte der Hausaufgaben eine einzige Leidensgeschichte. Zu viel Müssen. Zu viel Gehorsam. Zu viel Schule.

Und: Zu wenig Lernen. Der (fachliche) Lerneffekt von Hausaufgaben ist verschwindend gering. Insbesondere dann, wenn Hausaufgaben in Verbindung mit Druck, Angst und Stress aufgetragen werden. Da wird dann eher Druck, Angst und Stress gelernt als Photosynthese.

Nach meiner Ansicht steckt deutlich mehr hinter den klassischen Hausaufgaben als das, wofür sie offiziell ausgegeben werden. Klassische Hausaufgaben führen allen Beteiligten jeden Tag vor Augen, wer das Sagen hat. Sie verpflichten Eltern zur inoffiziellen Unterrichtsassistenz und dienen dem „Lehrer der alten Garde“ als zentrales Instrument zur Disziplinierung und zur täglichen Unterrichtsvorbereitung. Fielen Hausaufgaben weg, müssten sehr viele Lehrer ihre Unterrichts-, Leistungs- und Autoritätskonzepte komplett überdenken.

Gleichzeitig – und das will ich immer wieder bedenken – würde ein Großteil der Lehrerschaft eben auch erleichtert aufatmen, so der Druck der Hausaufgaben endlich wegfiele.

Echt jetzt? Ja, echt jetzt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und aus unzählige Gesprächen mit Lehrerkollegen. Die Quintessenz:

Was man als Lehrer im Unterricht nicht alles machen könnte, wenn man nicht jeden Tag 15 Minuten lang „die Hausaufgaben kontrollieren“ und 10 Minuten neue Hausaufgaben erklären und mitgeben müsste…

Die Verantwortung der Eltern

Was können Eltern tun oder unterlassen, damit es angesichts des Dauerbrenners „Hausaufgaben“ nicht zum Familien-Flächenbrand kommt? Zunächst einmal können sie nach innen gehen und sich den eigenen Druck anschauen, der, wenn er zu groß wird, wie eine Art Brandbeschleuniger wirken kann. Außerdem halte ich es für wichtig, dass Eltern darüber nachdenken, wofür sie ihrer Meinung nach Verantwortung tragen und wofür nicht.

Ich meine, dass Eltern in erster Linie verantwortlich sind für sich und den eigenen „Tanzbereich“. Damit meine ich: Sie sind verantwortlich für die eigenen Grenzen und Bedürfnisse, das familiäre Stimmungsbild, die Qualität der familiären Beziehungen und die konkreten Alltagsanliegen. Wenn also Eltern zu der Auffassung gelangen, dass Hausaufgaben eine schulische Angelegenheit sind, dann können sie sich mutig bekennen und den Lehrern Entsprechendes mitteilen:

„Wir haben als Familie festgestellt, dass das Thema Hausaufgaben einen großen Einfluss auf unser familiäres Miteinander nimmt. Und das wollen wir nicht. Die Verantwortung für die Hausaufgaben tragen Sie. Die Hausaufgaben liegen ab sofort nicht mehr in unserem Verantwortungsbereich. Wir unterstützen unser Kind gerne und wir sind im Gespräch. Jedoch sind wir nicht verantwortlich.“

Gegenwind

Besonders herausfordernd kann es für Eltern in dem Moment werden, in dem sie merken, dass ihr Kind unter den Lasten der Hausaufgaben zu zerbrechen droht. Dann müssen sie eine Entscheidung treffen, die zum Beispiel mit folgender Frage eingeleitet werden kann:

„Wer oder was ist für uns wichtiger? Die Schule oder unser Kind?“

„Ungehorsame“ Eltern dürfen sich auf Gegenwind einstellen. Noch immer gibt es an unseren Schulen Lehrer, die starke Eltern hassen.

Dazu möchte ich zwei Gedanken bemühen:

  1. „Seit ich den Suchens müde ward, erlernte ich das Finden. Seit mir ein Wind hielt Widerpart, segl` ich mit allen Winden.“ (Friedrich Nietzsche)
  2. Verantwortlich für das Familienleben und für das Wohlergehen der Familienmitglieder sind die Eltern. Verantwortlich für das, was in der Schule passiert und aufgetragen wird, sind die Lehrer.

Du erlebst immer wieder schwierige Lehrer-Eltern-Gespräche?

Demnächst steht ein Gespräch in der Schule an und du weißt nicht, wie du zu deinen Überzeugungen stehen kannst?

Du weißt nicht, wie du mit dem Thema „Hausaufgaben“ umgehen kannst?

Ich biete dir an, im Rahmen der Familienakademie Klarheit über deine Unsicherheiten und Anliegen zu bekommen. Zum Beispiel indem du dich mit mir und den Mitgliedern zum Live-Elternabend triffst.

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Schule macht krank

Schule – Wenn Schüler und Lehrer im Überlebensmodus stecken

Wir könnten im Umfeld „Schule“ sehr viel Energie sparen beziehungsweise sinnvoller nutzen, wenn wir endlich damit aufhörten, Schüler in karge Klassenräume zu stecken, um sie unter Zuhilfenahme von Achtsamkeitsräubern wie zum Beispiel „Noten“ oder „Smileys“ zu „motivieren“.

Eines der größten Probleme, die wir heute an unseren Schulen haben, besteht meiner Ansicht nach darin, dass wir die Ursachen für die sogenannten Disziplin-, Lern, und Konzentrationsprobleme allein bei den Schülern und deren Eltern suchen. Täglich geben uns unzählige Schüler Rückmeldungen darüber, wie es ihnen geht. Zum Beispiel dadurch, dass sie aggressiv werden, sich zurücknehmen, desinteressiert wirken, nicht mehr „richtig“ mitmachen, mobben usw.

Überlebensstrategien

Und was machen viele (nicht alle, nicht alle, nicht alle) Lehrer und Schulleiter? Im übertragenen Sinne fahren sie in die Auto-Werkstatt, um die aufleuchtende Öl-Lampe des Autos entfernen zu lassen, anstatt den Öl-Stand und damit eine mögliche Ursache zu überprüfen. Wenn wir den Öl-Stand unseres Autos ignorieren oder fehlinterpretieren, bleibt es irgendwann stehen.

Was passiert nun, wenn wir die Rückmeldungen unserer Schüler ignorieren oder fehlinterpretieren? Möglicherweise bleiben auch sie stehen (freeze). Vielleicht bedienen sie sich aber auch derjenigen Überlebensstrategien, auf die Menschen im Gegensatz zu Autos in bedrohlichen Situationen zurückgreifen können: Sie greifen an (fight) beziehungsweise flüchten (flight).

Unsere Schulen sind durchsetzt von symptomschaffenden Praktiken, Glaubenssätzen und Strukturen.

Schüler motivieren

Wir setzen Schüler an „ihren Platz“, um sie dort abzuholen, wo sie stehen. Das ist bei genauerer Betrachtung ziemlich irre. Insbesondere dann, wenn wir gleichzeitig das Ziel ausrufen, Schüler zu motivieren.

Wir können Menschen genauso wenig motivieren, wie wir sie hungrig MACHEN können. Sicher: Wenn mir jemand eine wohlriechende Pizza vor die Nase hält, läuft mir ganz gewiss das Wasser im Munde zusammen. Jedoch können Pizza und Pizzabäcker den Hunger in mir nicht MACHEN.

Durchaus könnte man im Umkehrschluss nun meinen, als Lehrer dann halt jeden Tag in die Klassen gehen zu können / zu müssen, um – im Sinne eines motivierenden, appetitanregenden, auf die verschiedenen Geschmäcker ausgerichteten Unterrichts – Wackelpudding, Spaghetti Bolognese oder Bratkartoffeln zu verabreichen. Aber abgesehen davon, dass Menschen „autopoietische“ Systeme sind, d.h. Systeme, die sich permanent selbst erzeugen, ist es weder im klassischen Frontalunterricht noch im angeleiteten Projektunterricht möglich, immerzu Begeisterungsstürme und Motivationsschübe (bzw. Hungerattacken) auszulösen. Viele unserer Schüler werden nicht satt, obwohl sie ständig gestopft werden.

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Schule macht auch Lehrer krank

Ich behaupte, dass derzeit zigtausende Lehrer den Irrsinn des Schulsystems „bedienen“, indem sie gleichzeitig motivieren, bewerten, individualisieren, unterrichten, sanktionieren, „inkludieren“. Sie versuchen in gewisser Weise, Unmögliches möglich zu machen. Das wiederum führt u.a. dazu, dass sie krank werden, kränken oder den Lehrerberuf an den Nagel hängen.

Martin Mourier schreibt in seinem phantastischen Buch „Neue Führungskompetenz“: „Es kann ein gutes Zeichen sein, wenn die Leute krank werden, falls die Alternative wäre, sich selbst zu zwingen, etwas auszuhalten, was schlecht für einen ist.“

„Ab in den Trainigsraum…!“

Ich selbst weiß sehr genau, wie unfassbar anstrengend es als Lehrer ist, 26 Fünftklässler bei der Stange zu halten, die eben nicht „von der Stange“ sind, um nach 45 (oder 90) Minuten 28 Siebtklässler zu motivieren, welche den Kinderschuhen längst entwachsen sind und sich nicht über „Leckerlies“ oder Drohungen „motivieren“ lassen.

„Ab in den Trainingsraum“, schallt es im Jahre 2020 durch diverse Einrichtungen, „und dann denkst du über dein Verhalten nach!“ Mag ja sein, dass dann manche Schüler tatsächlich nachdenken. Ob ihr Nachdenken jedoch konstruktiv ist und im Sinne der Befehlshaber, bleibt abzuwarten.

Wir müssen uns bewusst machen, dass in den pädagogisch wertvollen Trainingsräumen bisweilen junge Leute sitzen, die einzig  darüber nachdenken, wie sie sich rächen können.

Energieraubenden Glaubenssätze und Strukturen

Meine Tochter (14) fragte mich vor einiger Zeit, ob Lehrer tatsächlich davon ausgingen, dass Schüler mehr Respekt hätten oder mehr motiviert seien, wenn Lehrer Verhaltenspunkte gäben. Ich fragte sie nach ihrer Meinung. Sie antwortete: „Ich habe Angst davor, dass ich bestraft werde, aber mehr Respekt vor den Lehrern habe ich dadurch nicht.“

Wir – und ich meine damit in erster Linie Lehrer, Schulleiter und Eltern – müssen uns auseinandersetzen mit energieraubenden Glaubenssätzen und beziehungsverhindernden Strukturen! Die „Eckpfeiler“ unseres Schulsystems lauten: Gehorsam, Misstrauen, ein insgesamt defizitorientiertes Menschenbild, Sanktionen, Gleichschritt, übergriffige Bewertungssysteme und die Überzeugung, dass Qualität von Qual kommt.

Unsere Schüler brauchen keine Noten. Wir, die Erwachsenen „brauchen“ Noten.

Ist das wahr?

Nein, selbstverständlich nicht. Wir GLAUBEN, Noten zu brauchen. Sogar unsere Schüler GLAUBEN eines Tages, Noten zu brauchen. Was für eine Not manche Glaubenssätze doch verursachen. Und sie schaffen Missverständnisse: „Meine Schüler WOLLEN, dass ich sie benote.“ Ja, klar.

Schüler brauchen Vertrauen

Ich wünsche mir „Vertrauensschulen“. Orte, an denen Kinder und Jugendliche darauf vertrauen dürfen, dass die Erwachsenen vertrauen. WIR dürfen darauf vertrauen, dass junge Menschen aus sich selbst heraus und mit Unterstützung von gleichwürdigen Lernbegleitern „in den Fluss“ kommen. Wir müssen nicht ständig Flüsse begradigen und uns darüber wundern, wenn plötzlich Wasser über künstlich errichtete Böschungen tritt beziehungsweise Deiche brechen.

Lerndialog zwischen Schülern und Lehrern

Wir können mit jungen Menschen in einen vertrauensvollen „Lerndialog“ gehen, indem wir uns für sie und ihre Belange interessieren. Wir können ihnen Angebote unterbreiten. Wir können Rückmeldungen geben. Wir können den achtjährigen Stefan fragen, warum es ihm so schwerfällt, sich mit Zahlen oder Buchstaben auseinanderzusetzen.

Nach meiner Erfahrung können nahezu alle achtjährigen Stefans oder elfjährigen Stefanies darüber Auskunft geben, wie es ihnen geht und warum sie sich vielleicht gerade nicht einlassen können. Solange wir jedoch voll sind mit Defizitgedanken, Bildern, Projektskizzen, Maßnahmenkatalogen oder auch unbehandelten Kleinheitsgefühlen können wir nicht wirklich zuhören.

 

Wir alle brauche Menschen, die uns zuhören. Auch wir Eltern. Die Familien-Community ist ein Ort, an dem Menschen einander zuhören. Du bist herzlich eingeladen, in unsere Gemeinschaft zu kommen, um mit mir und anderen Eltern zu wachsen. 

Du hast kein Risiko. 60 Tage kostenloses Rückgaberecht!

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Eltern als Ersatzlehrer?

Corona und Schule – Müssen Eltern Ersatzlehrer spielen?

Eltern als Ersatzlehrer?

Fotocredit: Dmitri Ma/Shutterstock

Bis auf Weiteres fällt Schule aus. Bis auf Weiteres? Was heißt das? Möglicherweise geht es nach den Osterferien weiter. Möglicherweise nicht. Darüber entscheidet kein Terminkalender. Darüber entscheidet Corona…

Freude über Schulschließungen

Ja, es mag Schüler (und Eltern) geben, die sich angesichts der notwendigen Schulschließungen zunächst einmal gefreut haben. Und daran ist nichts zu kritisieren.

Erinnerst du dich nicht an längst vergangene Tage, als in Hofpausen das Gerücht kursierte, dass es heute „ganz bestimmt“ Hitzefrei geben würde? Und dann dieses Glücksgefühl, als kurz vor der Mittagspause die frohe Kunde mit Hilfe „modernster Spitzentechnologie“ verkündet wurde…

Der Schullautsprecher „springt“ an. Ein Rascheln. Ein Räuspern. Viel Bässe, kaum Höhen. Und plötzlich: ER spricht! Der Mann, der morgens um 8 Uhr noch daherkam wie ein Alien, erzielt nun die Wirkung eines Propheten. ER verkündet die heiligen Worte:

„Liebe Schüler, eine Mitteilung des Schulleiters. Ich muss euch leider mitteilen, dass…“

Leider?

Nix leider! Eher „Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein…“ Oder wen oder was auch immer. Auf alle Fälle machten sich eine Menge Subjekte und Akkusativobjekte auf den Weg in Richtung Wannsee, Freibad oder Bolzplatz. Es war herrlich. Es war schulfrei durch Hitzefrei.

Schulfrei durch Corona

Und jetzt? Jetzt ist schulfrei durch Corona (aka „COVID-19“) . Das aktuelle „Schulfrei“ fühlt sich komplett anders an als damals, als wir wussten, dass die Temperaturen weder fallen werden und der alte Trott weitergeht. Das aktuelle „Schulfrei“ hält sich weder an Temperaturen noch an Zeitschienen. Und frei ist es schon mal gar nicht. Was auch daran liegt, dass unsere Schulen mit normopathischen Mitteln versuchen, auf ein „späteres Leben“ vorzubereiten, von dem niemand weiß, wie es aussehen wird.

Das „spätere Leben“: Unbekannt. Verstörend. Beängstigend.

Wir alle erleben eine Zeit, die für alle Menschen „irgendwie anders“ ist. Unbekannt. Verstörend. Beängstigend. Nicht, dass wir jemals DIE KONTROLLE über irgendetwas gehabt hätten. Aber mal ehrlich: Es kam uns so vor und nun blicken wir in eine Zukunft, die komplett unklar ist.

In Zeiten, da der Mensch meint, alles im Griff haben zu müssen – vom Google-Kalender bis hin zum Schüler – ist die Aussicht auf Unklarheit nicht besonders ermutigend. Wie gehen wir im Kontext Schule mit der gegenwärtigen und durchaus beängstigenden Situation um? Was macht eine Institution, die angetreten ist, um auf DAS „spätere Leben“ vorzubereiten?

Schule und Corona

Niemand – auch wir Lehrer nicht – war auf diese Situation vorbereitet. Innerhalb sehr, sehr kurzer Zeit mussten sich Lehrer darauf einstellen, dass Schüler über einen ungewissen Zeitraum zu Hause bleiben würden. Stellen wir uns das Krisenmanagement vor Ort vor:

Eilige Gespräche im Lehrerzimmer. Ansprachen durch Schulleiter. Erlasse durch Behörden. Entscheidungen werden getroffen, Briefe bzw. Emails geschrieben. Und schon sind Schulbücher im Kopierer, Dateien in E-Mail-Postfächern. Schnell, schnell, schnell! Man will sich ja nichts vorwerfen lassen.

 

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Lehrer auf der Suche nach Lösungen

Ich bin reflektiert genug, um zu wissen, dass die Bilder, die ich im Kopf habe, nicht unbedingt „der“ Wahrheit entsprechen müssen. Was ich indessen mit Sicherheit sagen kann, ist dass jeder Lehrer in den letzten Tagen versucht hat, seine Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu finden. Und dafür möchte ich mich bedanken. Als Vater. Als Kollege. Und auch als Leiter der Familienakademie, der jeden Tag mit dem Spannungsfeld „Schule“ zu tun hat.

Eltern als „Ersatz-Lehrer“

In den letzten Tagen erhielt ich zahlreiche Nachrichten von Eltern, die davon berichteten, dass ihre Kinder bzw. sie als Eltern seitens der Schule beauftragt wurden, Aufgaben von zu Hause aus zu erledigen. Mir geht es wahrlich nicht darum, diesen Punkt grundsätzlich in Frage zu stellen. Gleichzeitig möchte ich nachfragen, ob es angesichts einer auch für viele Familien bedrohlichen Krise wirklich notwendig und sinnvoll ist, Eltern zu „Ersatz-Lehrern“ zu machen und junge Menschen mit LKW-Ladungen an Aufgaben zu belasten.

Eltern sind Eltern!

Mir wurden Arbeitspläne zugespielt, die aussahen wie kopierte Lehrpläne. Mir erzählten Eltern, dass sie ihre Kinder in neue Themengebiete einführen sollen und dass das (neu) zu Erlernende prüfungsrelevant sei. Ich las davon, dass Grundschüler laut Lehrer jeden Tag vier Stunden arbeiten und Eltern dies einfordern und kontrollieren müssen. Und bitte: Die Abiturprüfungen werden wie gewohnt abgenommen. Und das alles in einer Zeit, die geprägt ist von Ängsten, Einschränkungen, Unklarheiten.

Liebe Kollegen, liebe Schulleiter, liebe Politiker: Nein, so geht das nicht.

Eltern sind Eltern und keine Ersatz-Lehrer. Auch und gerade während der Corona-Krise.

Unterricht von zu Hause aus?

Die Aufgabe von Eltern besteht speziell jetzt darin, der eigenen Familie und damit den eigenen Kindern Stabilität zu geben. Indem Eltern – von Existenzängsten geplagt – beauftragt werden, Kinder von zu Hause aus zu unterrichten, wird ein Druck erzeugt, der einfach nur komplett überflüssig und kontraproduktiv ist. So viele Eltern sind gerade unter anderem damit beschäftigt, Haushalts- und Zahlungspläne zu organisieren. Und dann sollen sie für uns Lehrer die Lehrpläne umsetzen? Hä? Und DAS muss uns bitte klar sein: Das, was in der „schulfreien“ Zeit in Hausarbeit erledigt werden soll, dient NICHT den jungen Menschen. Hier geht es lediglich darum, dass das System Schule gestützt wird.

Lebensferne Aufgaben

Es verstört mich (und wahrscheinlich nicht nur mich), dass Myriaden an Schülern „irgendwelche“ Aufgaben erledigen müssen, während ihre real existierende Lebenswelt in keinem Schulbuch der Welt abgebildet wird. Die konstruierte Lebenswirklichkeit, die in Schulbüchern oft eingeleitet wird mit Sätzen wie zum Beispiel „Du gehst mit deinen zwei Freunden ins Kino. Ihr habt 20 € dabei…“ holt junge Menschen ungefähr so wenig ab, wie mich der Satz „Bald findet die Fußball-Europameisterschaft ab und du und deine Freunde…“. Kino und EM fallen aus. Aber nicht wegen Hitzefrei. Wegen Corona.

Online-Thementag am 22.03.2020

Du bist Mutter / Vater und willst wissen, wie…

  • du am besten damit umgehst, wenn dir für die „schulfreie“ Zeit aufgetragen wurde, zu Hause Lehrer zu „spielen“?
  • du dich Lehrern mitteilst, wenn du nicht bereit dazu bist, die Rolle des Ersatz-Lehrers 1:1 zu übernehmen?
  • du dein Kind während der Corona-Krise (auch schulisch) unterstützen kannst?

Am Sonntag, den 22.03. veranstalte ich einen kostenlosen (jedoch Mehrwert bringenden) Online-Thementag zum Thema „Corona und Schule – Müssen Eltern Ersatzlehrer spielen?“

Auf dich warten:

  • Live-Interviews mit einer Mutter, einer Lehrerin, einer (ehemaligen) Schulleiterin, einer Expertin
  • Texte / Veröffentlichungen zum Thema
  • Austausch auf facebook mit mir und anderen Eltern
  • UND: Gelingens-Geschichten! Denn auch DAS ist mir wichtig. Sehr viele Kollegen nehmen ihre Verantwortung überaus empathisch, kreativ und beziehungsorientiert wahr.

Melde dich hier an

Liebe Grüße,

Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Persönliche Verantwortung – Wenn Kinder „Ja“ zu sich selbst sagen dürfen

Wir fördern die persönliche und soziale Verantwortung junger Menschen kaum, indem wir mit Hilfe von Strafen oder Belohnungen Gehorsam einfordern und Referate über ein späteres Leben halten.

Kinder und Jugendliche, die in beängstigenden Familien und Schulen lernen, den Kopf einzuziehen und sich unterzuordnen, sind zumeist auch als Erwachsene überaus kompetent darin, folgsam und „richtig“ zu sein. Sie wissen, was zu tun ist, um fremden Erwartungen zu entsprechen, Strafen zu entgehen und andere Menschen zufriedenzustellen.

„Ja“ zu sich selbst sagen

Das Eigene zu verantworten, ist entfremdeten Menschen indessen fremd, da sie nicht gelernt haben, „Ja“ zu sich selbst zu sagen. Sie haben gelernt, „Jawoll!“ zu sagen.

Fremdbestimmte Menschen sind Fremde im eigenen Leben. Ihnen fehlt der Kontakt zu den wesensgemäßen Bedürfnissen, Grenzen, Interessen und Gefühlen, da sie sich selbst aufgeben mussten, um dazuzugehören.

„Und was heißt das?“, höre ich immer wieder empörte Erwachsene sagen, „Sollen Eltern und Pädagogen jetzt etwa alles abnicken, was Kinder wollen und tun?“

Nein!

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Das Bedürfnis nach Integrität

Das Bedürfnis, nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit ist in uns Menschen genauso angelegt wie das Bedürfnis nach Integrität und Autonomie. Und es völlig in Ordnung, wenn Kinder an der Seite von Eltern und Pädagogen die Erfahrung machen, dass sie nicht immer alles bekommen oder tun können, was ihnen in den Sinn kommt. Kinder müssen durchaus lernen, sich anzupassen.

Wenn jedoch junge Menschen die eigene Integrität aufgeben müssen, um von den wichtigen Erwachsenen angenommen zu werden, zahlen sie auf Dauer einen hohen Preis.

Das Eigene verantworten

Wer nicht ermutigt wurde, nach innen zu gehen, um sich mit sich selbst bekannt zu machen und das Eigene zu verantworten, leidet für gewöhnlich unter einem schwachen Selbstwertgefühl. Überangepasste Menschen bekommen oftmals dann ein gravierendes, existentielles Problem, wenn gewohnte Rahmenbedingungen und Regeln wegfallen oder in ihrer Wahrnehmung in Frage gestellt werden. Für normalisierte Menschen sind Normenabweichungen (und Menschen, die von gewohnten Normen abweichen) eine Bedrohung. Schließlich ist nicht ihr Selbstwertgefühl das Gerüst, das alles zusammenhält, sondern das Normale. Sie wohnen im Gewohnten.

Umweltbedingungen

Wir alle – und ich meine hier in erster Linie Lehrer und Eltern – müssen uns ernsthaft fragen, ob unsere Schulen (im Durchschnitt) Orte sind, an denen junge Menschen das Eigene entdecken und entfalten dürfen. Die Rückmeldungen, die wir heute von etlichen Schülern in Form von Verhaltensauffälligkeiten, Grenzüberschreitungen, Körpersymptomen oder auch Fehltagen bekommen, sprechen aus meiner Sicht Bände.

Geht eine Pflanze ein, wissen wir, dass es eher an den Umweltbedingungen liegt als an der Pflanze. Entwickelt ein junger Mensch Symptome, versuchen wir das Problem über den Symptomträger zu lösen. Das ist nicht gerade schlau.

Freiräume

Ich denke, wir sollten uns an unseren Schulen sehr klar dazu bekennen, dass unser zentrales Anliegen nicht darin bestehen darf, irgendein starres Wissen zu vermitteln und Menschen zu normalisieren. Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, junge Menschen stärkend, vertrauend, empathisch UND klar zu begleiten.

Nicht wenige Erwachsene haben regelrecht Angst davor, jungen Menschen Freiräume zu geben, da sie glauben, auf diese Weise die Büchse der Pandora zu öffnen. Der Punkt ist: Wer bereits als Kind gelernt hat, an der Seite von verantwortungsvollen Erwachsenen persönliche Verantwortung zu übernehmen, lebt eben NICHT ausschließlich lustbetont.

Verantwortungsübernahme

Verantwortungsübernahme kann – bezogen auf den Schulkontext – zum Beispiel bedeuten: „So eine Scheiße. Auf Satzglieder habe ich ja nun überhaupt keinen Bock. Aber okay, ist halt dran und das gehe ich jetzt an.“ Wenn Schüler im Schulalltag genügend Luft zum Atmen bekommen, halten sie es für gewöhnlich sehr gut aus, auch mal das zu tun, worauf sie keine Lust haben. Junge (und alte) Menschen brauchen die Erfahrung, als die gesehen zu werden, die sie sind. Dann können sie auch mal zurückstecken und Pflichten erfüllen.

In der Schulpraxis

Was heißt das in der Schulpraxis? Zum Beispiel kann ich als Lehrer zu meinen Schülern sagen, welche Freiräume sie haben und welche Themen sie bis zum nächsten Sommer bearbeitet haben sollen:

„Hört mal, ihr könnt auch in diesem Jahr an euren Themen arbeiten und ich bin gespannt darauf zu sehen, was euch interessiert und wie ihr eure Ziele angeht. Ihr müsst aber auch wissen, dass es einige Themen gibt, die ich euch vorgebe. Ihr findet diese auf der Lernlandkarte. Wann, wie und mit wem ihr diese Themen bearbeitet, überlasse ich euch. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr gerne zu mir kommen. Und wenn ich merke, dass ihr euch verzettelt, komme ich auf euch zu.“

Verantwortung übernehmen

Eigenverantwortung lernen junge Menschen nicht durch das starre Befolgen von Regeln oder das stringente Abarbeiten von Jahresplänen, sondern durch die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Und wenn es den Schülern schwerfällt, eigenverantwortlich zu handeln? Dann brauchen sie Lehrer, die in Beziehung gehen. Erwachsene, die unterstützen. Personen, die Respekt und Verantwortung vorleben, anstatt einen Mangel an Respekt und Verantwortung zu beklagen.

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Schule und Überanpassung – Wenn Lehrer am längeren Hebel sitzen

Mehr denn je müssen Schüler heute „richtig“ sein, um als Individuen wahrgenommen zu werden. Die unterschwellige und zutiefst widersprüchliche Botschaft etlicher Lehrer lautet: „Wenn du dich an meine Erwartungen anpasst, darfst du du selbst sein.“ Überanpassung ist für viele Schüler die einzige Möglichkeit, einen letzten Rest ihrer persönlichen Integrität zu wahren.

Existentielle Nöte

Wer auf der existentiellen Ebene nicht gesehen wird, gerät auf Dauer in existentielle Nöte und entwickelt Symptome. Auffällig gewordene Schüler sagen über ihr Verhalten: „Wir haben sehr lange mitgemacht und nun ist Schluss!“ Sie kooperieren nicht zu wenig, sie haben viel zu lange und viel zu intensiv kooperiert.

Manche Lehrer sagen: „Ja, aber an unseren Schülern wird doch ohnehin schon so viel gefördert. Was sollen wir denn sonst noch alles machen?“

Schüler zu fördern, zu belehren und zu definieren, ist nicht gleichbedeutend mit „Ich sehe dich…“.

Und auch modern anmutende und schön funkelnde pädagogische Methoden sind so weit weg von der Idee der Gleichwürdigkeit wie ich von einem möglichen Wimbledon-Sieg…

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Lob, Stempel, Gewitterwolkenstempel

Leuchtende Kinderaugen erhellten den Klassenraum, als der kleine Tom – seit wenigen Wochen in der zweiten Klasse – den heiß ersehnten Stempel im Mitteilungsheft erspähte. Frau Halle hatte ihn nach einigen Vorfällen in Aussicht gestellt: „Wenn du dich an die Regeln hältst und ich dich nicht ständig ermahnen und vor die Tür setzen muss, sollst du eine Belohnung erhalten. Schau! Das ist der Sonnenstempel, den letzte Woche auch schon Anja, Bernd und Jan für gutes Benehmen bekommen haben.“ Und nun war es soweit. Tom würde nach Hause rennen, seiner Mutter das Heft überreichen und endlich würde seine Mutter etwas Erfreuliches über ihren Sohn erfahren.

Über ihn, der ihr, seitdem er in der Schule war, nur Scherereien bereitet hatte. Damit war jetzt Schluss. Nun wusste er, wie es geht. Seine Mutter müsste sich keine Sorgen mehr machen. Die Zeit der Gewitterwolkenstempel gehörte der Vergangenheit an. Er würde dafür sorgen, dass seine Mutter und Frau Halle zufrieden mit ihm sein würden. So schwer war das ja auch überhaupt nicht.

Er müsste im Unterricht nur ruhig sitzen, ordentlich mitmachen und niemanden stören. Er würde keine „Auszeit“ mehr brauchen…

Entzückt von der eigenen Güte und Professionalität stieg Frau Halle am Ende des Tages in ihr Auto. „Das mit den Stempeln funktioniert“, dachte sie. Tom würde doch noch lernen, was sie von ihm erwartet.

Mitarbeiter der Woche – Versager der Woche

Unlängst erzählte mir die Mutter eines achtjährigen Jungen, dass die Lehrerin ihres Sohnes jede Woche folgende Marschroute ausgibt: „Wer bis zum Freitag acht Arbeitsbögen gelöst hat, darf einen Stern auf das Klassenplakat kleben. Alle die, die das schaffen, bekommen am Freitag vor der Klasse Applaus.“

In dieser Klasse wurden jede Woche die „Mitarbeiter der Woche“ gekürt und damit insgeheim auch „die Versager der Woche“. Besagter Junge strengte sich anfangs sehr an, um zu den Auserwählten zu gehören. Er scheiterte und stellte seine Bemühungen nach einiger Zeit komplett ein. Der Junge, der sich noch vor wenigen Monaten auf „seine“ Schule gefreut hatte, fing an, Schule, Lehrer und Mitschüler zu hassen. Die Pädagogen des Hauses vertraten die Meinung, dass mit dem Schüler irgendetwas nicht stimmen könne. Sie schlugen eine besondere Förderung vor.

Der Gedanke, dass das Verhalten des Schülers in Beziehung zu dem stehen könnte, was sich im Klassenraum zutrug, wurde gegenüber der Mutter offensichtlich nicht geäußert. Den kritischen Anmerkungen der Mutter begegneten die Pädagogen mit „Professionalität“.

Kinder und Jugendliche kooperieren immer

Unsere geläufige Schulpädagogik ist zumindest unterschwellig von der Idee durchsetzt, Kinder und Jugendliche kooperativ beziehungsweise sozial kompetent machen zu müssen, da sie sich sonst zu egozentrischen und gefährlichen Ich-Imperien entwickeln könnten. Das halte ich allein deswegen für einen Trugschluss, weil Kinder und Jugendliche von Geburt an kooperieren. Sie kooperieren immer.

Zur Gefahr für sich selbst und andere können junge Menschen dann werden, wenn sie destruktive Muster kopieren, zu lange überkooperieren und das Eigene unterdrücken müssen, um in den Augen derer „richtig“ zu sein, die aus Angst vor Unruhen grenzverletzende Grenzen setzen. Das durch Unterdrückung erlittene Leid vieler Schüler zeigt sich sehr oft in „Stellvertreter-Konflikten“ inner- und außerhalb unserer Schulen. Sich direkt mit integritätsverletzenden Machthabern zu duellieren, würde möglicherweise bedeuten, den letzten Rest an persönlicher Integrität zu riskieren.

Lehrer sitzen am längeren Hebel

Lehrer, die ihre Macht offen oder verdeckt missbrauchen, sitzen zunächst einmal am längeren Hebel. Die Wut unterdrückter junger Menschen entlädt sich zumeist entweder im Außen – und zwar in Kontexten, in denen Macht scheinbar zurückerobert werden kann (als Stichpunkte seien hier genannt: Mobbing, „Ballerspiele“, Pausenhof, Auseinandersetzung mit „zu weichen“ Lehrern, mit jüngeren Geschwistern, mit harmoniesüchtigen Eltern) – oder aber im Innen, was nicht weniger destruktiv ist, jedoch gewisse „Vorteile“ birgt:

Leise und unauffällige Symptomträger werden weitestgehend in Ruhe gelassen, denn leise und unauffällige Schüler passen wunderbar in das Konzept Schule.

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Regeln und Grenzen – Konsequenzen einer entwürdigenden Erziehung

Noch immer erstarre ich, wenn ich auf Eltern und Pädagogen treffe, die mit trotzigem Blick verkünden, dass Kinder ganz viele Regeln und Grenzen bräuchten. Gerade in der Trotzphase würden sie auf Nasen tanzen, so sie nicht Konsequenzen für Regelverstöße und Grenzüberschreitungen erführen. Mir wird angesichts solcher Ansprachen kalt und das gehorsame Kind in mir winselt: „Jawoll! Tut mir leid. Ich bekenne mich schuldig.“

Existentielle Konflikte

Kinder, die an der Seite von Eltern aufwachsen, die meinen, dass die Qualität des Elternseins über die Anzahl der Regeln und Grenzen zu bemessen sei, geraten auf Dauer in einen existentiellen Konflikt.

Existentielle Konflikte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Schaden anrichten auf der Ebene des Selbstwertgefühls. Die Wahrnehmung des jungen Menschen, nur unter bestimmten Bedingungen geliebt zu werden, wird zu einem das Selbstbild bestimmenden Motiv mit Langzeitwirkung. Wer erlebt hat, dass die ersten Liebesbeziehungen geprägt waren von Bedrohungen, Grenzüberschreitungen und Bedingungen, wird sehr wahrscheinlich als Erwachsener von einem Liebeskonzept durchdrungen sein, dessen Antriebselemente Angst, Schuld, schlechtes Gewissen und „Vertragsbedingungen“ lauten.

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Beziehungen – Was wir und (unsere) Kinder brauchen

Wie geht es dir in und mit Beziehungen?

Willst DU verhört oder belehrt werden? Wirst DU offen für die Meinung anderer Menschen, wenn sie dir mit Regeln und Grenzen kommen? Hältst DU dich an Vereinbarungen, die keine sind? Erzählst DU (auch weiterhin) von dir und deinen Gefühlen, wenn du zu hören bekommst, dass du dir deine Angst oder deine Wut nur einbildest? Fühlst DU dich angenommen, wenn dein Gegenüber nicht zuhört und stattdessen argumentiert? Freust DU dich über Gesprächspartner, die dich von oben herab behandeln? Erlebst DU dich als Subjekt, wenn dir jemand mit Methoden oder Gesprächstechniken kommt? Zeigst DU dich von deiner verletzlichen Seite, wenn du ständig zu hören bekommst, was du alles falsch machst? Brauchst du Fleißbienchen, Schneckenpokale oder Stempel als Rückmeldungen?

Nein?

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Was brauchst DU in Beziehungen?

Dann nimm dein „Nein“ in die Arme und frag dich, was DU brauchst, um im Zusammenleben mit anderen Menschen zu wachsen. Schreib deine Gedanken dazu auf und prüfe, ob du in deinem Alltag bekommst, was du brauchst. Beobachte außerdem, ob du persönliche Verantwortung für deine Bedürfnisse übernimmst. Frag dich, ob du offen aussprichst, was du von deinen Mitmenschen brauchst oder ob du von ihnen erwartest, dass sie deine Bedürfnisse automatisch erspüren und befriedigen.

Die Königsdisziplin der Selbstreflexion

Kommen wir nun zur „Königsdisziplin der Selbstreflexion“…

Du bist Mutter / Vater oder Lehrer? Dann mach` dir Folgendes klar:
Das, was DU im zwischenmenschlichen Miteinander brauchst, braucht auch dein Kind bzw. dein Schüler.

„Ja, aber…!“

Nein, das ist nichts anderes. Es sei denn, du gehst davon aus, dass Kinder / Schüler NICHT gleichwertig sind.

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN


Wenn du ein echtes Interesse daran hast, vor dem Hintergrund DEINER Bedürfnisse und Erfahrungen zu wachsen – was wiederum die Voraussetzung ist, um die Qualität der Beziehungen im Außen zu erhöhen – bist du ganz herzlich eingeladen, meine Familienakademie zu deiner Familienakademie zu machen.
Übrigens: Ab dem 20.01. startet mein siebenwöchiger Kurs zum Thema „Meine Familie – Vom bedrückenden Ideal zum lebendigen Original“. Die Teilnahme am Kurs ist in der Mitgliedschaft enthalten!

Hier geht`s lang zur Familienakademie

Erziehung – Was ist das eigentlich?

„Fang` mal an, dein Kind richtig zu erziehen!“ Ein Satz, der gegenwärtig wie ein Fallbeil durch etliche Räume und Köpfe schwirrt. Täglich werden Eltern konfrontiert mit „gut gemeinten“ Erziehungsmethoden und Horrorszenarien. Zu Erziehungsberatern schwingen sich auf wahlweise Großeltern, Freunde, Nachbarn, Ex-Partner, Experten, Pädagogen oder ein Herr Langer, der in dem Film „Elternschule“ mit promoviertem Grinsen Kinder zum Erstarren und Funktionieren bringt.

„Okay, wenn es anders nicht geht!“, resümieren nicht wenige verzweifelte Eltern heute, um dann – vollgepumpt mit Erziehungs-Adrenalin und Erziehungsideen – auf Kosten von Bauchgefühlen, Selbstwert, Beziehungsqualität, Vertrauen und Energie durch die Gegend zu erziehen.

Der Preis des Ungehorsams

Gerade jene Eltern jedoch, die Unsicherheit in Mut umwandeln können und nicht blindlings in das Erziehungs-Horn blasen, fragen nach, begehren auf, suchen nach Alternativen. Ihnen müsste man Preise für Zivilcourage verleihen. In einer Welt jedoch, die noch immer durchdrungen ist von der Idee des Gehorsams, bekommen Eltern, die eigene Wege beschreiten und Kinder als gleichwürdige Wesen sehen, nicht etwa Preise verliehen. Nein, ähnlich wie auch ihre Kinder zahlen sie für ihren Ungehorsam einen hohen Preis. Sie werden – zum Beispiel seitens der Schule – an den Pranger gestellt und unter Androhung von Konsequenzen zum Therapeutenbesuch verpflichtet.

Was mich wirklich wundert, ist, dass selten der Frage nachgegangen wird, was Erziehung eigentlich ist?

Die klassische Erziehung

Für die meisten Menschen bedeutet Erziehung, dass die Erwachsenen Ansagen machen (müssen) und Kinder / Jugendliche zu folgen haben. Wenn nicht, dann…! Der Ablaufplan folgt einem gleichbleibenden Prinzip: Eltern stellen klare Regeln und Grenzen auf, befestigen unterschriebene Vereinbarungen an Kühlschranktüren und drohen mit Konsequenzen für ungebührliches Verhalten. Und ganz wichtig (man stammt ja nicht aus der Steinzeit): Eltern sollten viel loben und belohnen. Schließlich müssen die Kleinen unbedingt darin bestärkt werden, sich „richtig“ zu verhalten.

Die Suche nach dem heiligen Erziehungs-Gral hat (mal wieder) Hochkonjunktur. In etlichen Veröffentlichungen, Elternabenden und (informellen) Beratungsgesprächen wird appelliert an die Umsetzung des uns allen bekannten „Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzips“. Kindern, die auf Nasen herumtanzen, die Weltherrschaft an sich reißen, tyrannisieren, herumtrotzen, „Nein!“ sagen, laut sind, zu Wutausbrüchen neigen, sich zurückziehen, in der Schule auffällig werden, über Stunden vor dem Rechner sitzen, nicht mehr mitmachen, sich nichts sagen lassen, herumzappeln, Zähne vernachlässigen oder dem Lehrer die kalte Schulter zeigen, muss unbedingt Einhalt geboten werden.

Und wie? Ganz klar: Durch Erziehung!

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Wenn junge Menschen zu Problemen gemacht werden…

Ja, und? Wo liegt das Problem? Das Problem ist, dass Kinder / Jugendliche gerade dadurch Probleme bekommen, dass sie ständig zu Problemen und Erziehungs-Objekten gemacht werden. Wer heute jung ist, mag vielleicht eine PS4 in seinem Zimmer stehen haben. Jedoch wachsen unzählige junge Menschen heute auf mit der Erfahrung, dass sie falsch, unzureichend und eine Belastung sind. Permanent bekommen sie zu hören, dass sie anders sein sollten. DAS erzieht! Mit der Rute werden sie (eher) nicht mehr verdroschen, dafür aber mit Worten, Liebesentzug, Gewissensbissen, modern anmutenden Erziehungsmethoden. Jeden Tag treffen sie auf Erwachsene, die mindestens insgeheim denken: „Wir wünschen uns andere Kinder und Jugendliche.“

Unsere Grundhaltung gegenüber jungen Menschen hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich weiterentwickelt:

„Wir entscheiden, wie ihr zu sein habt und wenn ihr nicht unseren Bildern entsprecht, müssen wir eure Grenzen verletzen. Insbesondere dann, wenn ihr unsere Grenzen verletzt.“

Das „Prinzip Konsequenzen“

Die klassische Erziehung mag vielleicht kurzfristig einen Effekt und Auswirkungen auf das Verhalten junger Menschen haben. Wenn man allerdings schon das „Prinzip Konsequenzen“ predigt, sollte man bitte auch konsequent genug sein, um die möglichen Konsequenzen einer auf Entwürdigung basierenden Erziehungsidee aufzuzeigen.

Erziehung (im traditionellen Sinne) schwächt das Selbstwertgefühl, die Beziehungen, das Potential zur persönlichen und sozialen Verantwortungsübernahme, die Fähigkeit zur (Selbst-) Empathie, das Ur-Vertrauen, den gesamten Energiehaushalt.

Erziehung ist das, was vorgelebt wird…

Erziehung ist weniger das, was Erwachsene sagen und einfordern. Erziehung ist das, was sie wie vorleben. Kinder und Jugendliche verhalten sich immer zu dem, was ihnen von den Erwachsenen gewollt und ungewollt vorgelebt und mitgeteilt wird. Sowohl in der Familie als auch in der Schule verhalten sich junge Menschen nicht „nur“ zum gesprochenen Wort. Sie verhalten sich stets zu Stimmungen, zu Mustern, zu Blicken, zum Unausgesprochenem, zu Handlungswerten. Eine Schule kann noch so oft die Schauwerte „Vertrauen und Verantwortung“ im Konzept stehen haben. Wenn Misstrauen und Verantwortungslosigkeit den Alltag ausmachen, kooperieren Schüler mit Misstrauen und Verantwortungslosigkeit.

Sollen Lehrer erziehen?

Die Frage, ob Lehrer erziehen sollen oder nicht, ist komplett irreführend und Ausdruck einer schultypischen Verantwortungslosigkeit. Lehrer können nicht nicht erziehen. Kinder / Schüler kooperieren immer. Sie kooperieren nicht nach dem Prinzip einer Computertastatur (ich drücke willentlich den Buchstaben A und auf dem Bildschirm erscheint der Buchstabe A…) Sie kooperieren auf eine sehr individuelle Weise mit dem, was bei ihnen wie ankommt. Unabhängig davon, ob die Erwachsenen entschieden haben, ob genau DAS bei ihnen ankommt.

Eltern und Lehrer müssen sich heute fragen, was Kinder bzw. Schüler mit auf ihren Weg bekommen, wenn diese ständig beschuldigt, beschämt, ab- und bewertet, ausgeschlossen, angetrieben, verletzt, gelobt, kategorisiert, missachtet, verängstigt, bedroht, erzogen werden.

Unfassbar viele Kinder und Jugendliche entwickeln heute Symptome, weil sie einer integritätsverletzenden Erziehung durch Eltern und Pädagogen ausgesetzt sind. Über Symptome (unwillkürliche Lösungsversuche) kommunizieren junge Menschen, dass sie etwas anderes brauchen als das Bisherige. Sie brauchen keine (klassische) Erziehung. Sie brauchen gleichwürdige Beziehungen.

Umgang mit Symptomen

Wenn jedoch Erwachsene meinen, die Symptome junger Menschen über (noch mehr) Regeln, Grenzen und Konsequenzen eliminieren zu können, werden sie – wenn auch ungewollt – die existentiellen Probleme derer verstärken, die sich über Symptome mitzuteilen versuchen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob Regeln neuerdings Rituale heißen, Grenzen mit einer Schleife versehen werden oder Strafen in Konsequenzen umgetauft werden.

Wer als Erwachsener der Meinung ist, man könne, dürfe und müsse die Integrität von Kindern verletzen, um sie ruhig- bzw. wieder richtig einzustellen, hat offensichtlich vergessen (oder nie erfahren), dass auch junge Menschen Grenzen, Bedürfnisse und Gefühle haben. Dass manche Eltern (und Lehrer) dazu neigen, Kinder über Regeln und Grenzen zu entwürdigen, ist schlimm genug. Wenn gleichwohl „Experten“ zu verunsicherten und ermüdeten Eltern sagen, dass es wichtig sei, über Kinder zu herrschen, wird es Zeit, den Mund aufzumachen bzw. das Gespräch abzubrechen.

Gleichwürdigkeit ist nicht Unterwürfigkeit…

Die Integrität junger Menschen zu respektieren, heißt im Übrigen nicht, sich zum Spielball von Kindern oder Jugendlichen zu machen. Gleichwürdigkeit ist nicht Unterwürfigkeit.

Gleichwürdigkeit ist eine Liebeserklärung an unser aller Individualität. Viele Menschen fragen, wie denn das „mit der Gleichwürdigkeit“ in der Beziehung zu Kindern und Jugendlichen aussehen kann. Diese Frage ist nicht nur okay. Diese Frage ist absolut sinnvoll und folgerichtig. Schließlich haben die wenigsten Erwachsenen in der eigenen Kindheit und Jugend gleichwürdige Beziehungen mit Erwachsenen erlebt.


In meiner Familienakademie arbeite ich mit Eltern zusammen, die sich dazu entschieden haben, sich aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sie mit ihren Kindern in einen gleichwürdigen Kontakt kommen können. Dieser Prozess erfordert das Wagnis, sich mit sich selbst näher bekannt zu machen.

Bis zum Jahresende kannst du Mitglied werden für 19.90 € im Monat. Im Preis enthalten sind Elternabende, Impuls-Videos, Austausch in geschlossener Gruppe, Expertengespräche.

In 2020 wird es außerdem geben einen Online-Kongress und einen siebenwöchigen Kurs.

Ab dem 01.01.2020 werde ich die Beiträge für NEUE (!) Mitglieder in meiner Familienakdemie deutlich erhöhen…

Meine Empfehlung: Jetzt anmelden für den (noch) sehr geringen Startpreis! 60 Tage Rückgabe-Garantie… 

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Depressionen

Depressionen – Wenn Menschen lernen, sich selbst zu unterdrücken

Immer mehr junge Menschen leiden unter Depressionen. Warum? Fehlt es ihnen an der „richtigen“ Einstellung. Mangelt es ihnen an „Regeln und Grenzen“? Sind sie zu wenig belastbar? Nein. Sie werden deprimiert (deprimere: u.a. niederdrücken), lernen am Vorbild, sich selbst zu deprimieren und entwickeln deprimierende Verhaltensweisen, um Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben.

Depressionen sind das Ergebnis einer Erziehung, die Menschen verpflichtet, „Nein“ zu sich selbst zu sagen. Wer sich selbst verneinen muss, um nicht verstoßen zu werden, verliert auf Dauer die Fähigkeit, mit einem guten Gewissen „Ich will…“, „Ich will nicht…“  oder „Lass das!“ zu sagen. Deprimierte Menschen sind kaum mehr in der Lage, auf das zuzugehen, was sie brauchen, von dem wegzukommen, was schadet und gegen das anzugehen, was ihre Integrität verletzt.

Mit anderen Worten: Depressionen sind das Ergebnis eines Aufwachsens, in dessen Verlauf Menschen von ihren Aggressionen getrennt wurden (adgredi: Hingehen, sich annähern, ansprechen, Geschäfte anpacken, Feinde angreifen..).

Ich schenke dir jede Woche ein neues und exklusives Impuls-Video zu den Themen FamilieElternseinBeziehungenSchule.

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Kinder sind kompetent, bis…

Niemand kommt mit Depressionen auf die Welt. Kinder sind von Geburt an kompetent darin, Bedürfnisse zu kommunizieren (Schreien), Sättigung anzuzeigen (Kopf wegdrehen) und die eigenen Grenzen mitzuteilen (Beißen). Wer in seiner Familie und später in der Schule zur Überanpassung und zum Stillhalten verpflichtet wird, lernt vielleicht, sich zu benehmen und Beachtungs-Vertragsbedingungen zu erfüllen. Die Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl jedoch sind fatal.

Gäbe es einen Beipackzettel für eine Erziehung und Pädagogik, die darauf abzielt, Menschen ruhig zu stellen und normal zu machen, müsste auf diesem stehen:

„Es ist mit Nebenwirkungen zu rechnen, zum Beispiel mit Depressionen und fehlender Selbstliebe.“

Ein gesundes Selbstwertgefühl – Sich nüchtern anerkennen können

Sich möglichst nüchtern anerkennen zu können, macht ein gesundes Selbstwertgefühl aus: „Na ja gut, meine Nase ist ziemlich groß, diese Falte war gestern auch noch nicht da und zehn Kilogramm weniger wären auch nicht so schlecht. Aber was soll`s. So wie ich bin, bin ich okay.“

Wer sich nicht nüchtern annehmen kann, ist angewiesen auf Überlebensstrategien, um sich besser ertragen zu können. Manche Menschen konsumieren übermäßig viel Alkohol. Andere versuchen, sich über Leistungen zu spüren und aufzuwerten.

Schulen: Spiegelbilder und Erzeuger eines kollektiven instabilen Selbstwertgfühls

Ich denke, dass wir in unserer Leistungsgesellschaft ein massives Problem auf der Ebene des Selbstwertgefühls haben und unsere Schulen sowohl Spiegelbilder als auch Miterzeuger eines kollektiven instabilen Selbstwertgefühls sind. Die meisten Kinder werden groß in Umgebungen, in denen Fach- und Anpassungsleistungen darüber entscheiden, ob sie dazugehören und „richtig“ sind.

Zwar führen viele Menschen nach Beendigung ihrer Schullaufbahn ein pflichtbewusstes und nach ökonomischen Maßstäben erfolgreiches Leben. Jedoch stehen sie – so zumindest lautet meine Überzeugung – nicht in Kontakt mit ihrem Wesen und ihrem wesensgemäßen Potential. Das Erbringen von Leistungen mitsamt der Hoffnung, für das Vollbrachte wertgeschätzt zu werden, wird zum Synonym für persönliche Weiterentwicklung und sinnvolles Leben.

In der Theorie mag es ein Leichtes sein, zu unterscheiden zwischen der Ebene des Selbstwertgefühls und der Ebene der Leistungen (Selbstvertrauen). In der Praxis jedoch – und das weiß jeder, der getrieben wird von der Idee, sich seinen Wert verdienen zu müssen – verkrümelt sich all unser Theoriedenken schnell wieder im Bücherschrank.

Mein Wert = Meine Leistungen

Ein Kind, das ständig verglichen, bewertet, motiviert, korrigiert wird, stellt irgendwann die Gleichung auf: Mein Wert = Meine Leistungen. In der Welt eines neunjährigen Kindes ist die Fachnote Fünf niemals eine reine Fachnote. Es bezieht die Note vollautomatisch auf sich. Als Mensch. Es denkt nicht: „Ich habe eine Fünf in Mathematik.“ Es denkt: „Ich bin eine Fünf!“

Man könnte nun meinen, dass Berichtszeugnisse eine Alternative zur traditionellen Benotung seien. Jedoch müssen wir wissen, dass Berichtszeugnisse im Grunde genommen auch Notenzeugnisse sind – nur eben anders. Außerdem sind sie nach meiner Erfahrung nicht selten ein Sammelbecken für Formulierungen, die mit den eigentlichen Fachleistungen (und mit dem Auftrag der Lehrer) nichts zu tun haben.

Sätze, wie zum Beispiel „Du bist zu faul!“, „Du strengst dich nicht genügend an!“ oder „Du bist immer abgelenkt!“ sind genauso „normal“ wie anmaßend, generalisierend, abwertend und unprofessionell. Denn abgesehen davon, dass kein Mensch auf diesem Planeten „IMMER abgelenkt“ ist, wüsste ich nicht, in welcher Ausbildungsphase und vor welchem theoretischen Hintergrund Lehrer befähigt wurden und werden, die Einschätzung „Du strengst dich nicht genügend an“ vornehmen zu dürfen.

Das große „JA“ – Was Eltern tun können

Menschen, die zur Überkooperation verpflichtet werden und sich schließlich zur Überkooperation verpflichtet fühlen, deprimieren sich irgendwann selbst. Unwillkürlich schaffen sie den häufigsten Grund für (spätere) Therapien: Unterdrückung der Lebenskraft (vgl. Lance Secreten: Inspirieren statt Motivieren).

Unser Dasein und unseren Wert können wir uns nicht verdienen. Wir sind nicht richtig und wir sind nicht falsch. Wir sind. Wir sind human beings und nicht human doings.

Was können Eltern tun, um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu stärken? Um diese Frage zu beantworten, kann man auf einer sehr theoretischen und sehr abstarkten Ebene nachdenken und (neue) Gedankengebäude errichten.

Ich möchte stattdessen ein Bild anbieten:

Wenn dein Kind am Morgen mit vierzehn Kuscheltieren im Arm in die Küche wankt, braucht es drei Dinge:

  1. Einen kalten Kakao
  2. Eltern, aus deren Augen die Botschaft funkelt: „Schön, dass du da bist.“
  3. Eltern, die mit sich selbst einverstanden sind.

Zusammenfassend kann man sagen: Kinder brauchen das große „JA“ ihrer Eltern. Wer in sich selbst das große „JA“ spürt, wird nicht anfällig werden für Depressionen…

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Um seinem Kind das großes „JA“ mitzugeben, üben wir uns in meiner Familienakademie darin, „JA“ zu uns selbst zu sagen. 

Willste mitmachen 🙂 ? Dann los!

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN