Beiträge

Eltern als Vorbilder – Umgang mit Krisen

Ein Gedankenexperiment: Ich sitze am Abend vor dem Fernseher und will nur noch meine Ruhe haben. Der Tag war mies. Im Moment sind alle Tage mies. Der Chef behandelt mich wie den letzten Dreck, die Kollegen schauen mich an wie einen Aussätzigen und mein Leistungsvermögen war auch schon mal ausgeprägter.

Kurzum: Ich stecke in einer Krise. Meine Partnerin kommt mit angsterfülltem Gesicht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher aus und sagt:

„Du musst mir helfen. Mir geht es ganz dreckig damit, dass es dir schlecht geht und du so oft vor dem Fernseher sitzt. Ich will, dass du wieder glücklich bist, damit ich wieder ruhig schlafen kann. Was MACHE ich nur mit dir?“

Krisenklau

Was für eine Doppelbelastung! Jetzt muss ich auch noch meine Partnerin „retten“. Ich könnte ja wirklich Unterstützung gebrauchen. Meine Partnerin könnte sich zum Beispiel an meine Seite setzen und mir zuhören. Aber nein! Sie bekommt `ne Krise, weil es in meinem Leben kriselt. Ich hasse Krisenklau.

Wenn es Menschen schlecht geht, weil es mir schlecht geht, habe ich den Eindruck, dass ICH mich um SIE kümmern muss.

Warum sollte es Kindern und Jugendlichen anders ergehen?

Ich schenke dir jede Woche ein neues und exklusives Impuls-Video zu den Themen FamilieElternseinBeziehungenSchule.

Trag dich hier ein, um über neue Videos benachrichtigt zu werden:

„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

Eine typische Eltern-Frage, die auch mir immer wieder gestellt wird. Eine Frage, die, weil sie so normal ist, kaum hinterfragt wird. Eine Frage, die sowohl den Fragenden als auch den Gefragten darauf fokussiert, das Machbare zu erkunden.

Mein erster Gedanke zu der Frage der Machbarkeit lautet: Mit Kindern sollten Eltern überhaupt nichts MACHEN. Mit ihnen wird ohnehin schon viel zu viel gemacht. Sie werden erzogen, bearbeitet, genormt. Nicht nur, aber insbesondere in den pädagogischen Einrichtungen.

Fragen über Fragen

„Und wenn sie stundenlang Computer spielen, unglücklich wirken, nicht mehr zur Schule gehen wollen?“

Meine Empfehlung an Eltern: Bevor ihr reflexartig über das vermeintlich Machbare nachdenkt und Ausschau haltet nach effektiven Tipps, Tricks und Rezepten, haltet inne, um ehrlich zu prüfen, um wen oder was es euch gerade geht.

Versucht ihr, euren Eltern-Ideal-Bildern zu entsprechen? Dann macht euch klar, dass euer Kind nicht dafür zuständig ist, dass ihr euch für gute Eltern haltet. Eure Idealbilder sind eure Idealbilder!

Wollt ihr gegenüber Freunden, Verwandten oder Pädagogen in irgendeiner Form wirken? Dann macht euch klar, dass euer Drang zur Imagepflege zu 100 Prozent eure Angelegenheit ist.

Geht es euch tatsächlich um euer Kind oder darum, dass IHR darunter leidet, wenn euer Kind unglücklich wirkt und Krisen erlebt? Macht euch klar, dass eure Gefühle zu euch gehören und unbedingt von euch verantwortet werden müssen.

Klarheit schaffen

Ja, es kann für uns Eltern emotional herausfordernd sein, wenn unser Kind – zum Beispiel vor dem Hintergrund schulischer Erlebnisse – den Rückzug antritt und sich Dingen widmet, die nach Erwachsenen-Maßstäben belanglos oder geradezu schädigend sind. Und natürlich denken wir als verantwortungsvolle und empathische Eltern darüber nach, wie wir unserem Kind in schwierigen Phasen zur Seite stehen können. Im Übrigen ist es doch nachvollziehbar, wenn wir nicht gerade jauchzen vor Freude, wenn unser Kind in Schwierigkeiten steckt oder / und zu Verhaltensweisen neigt, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Der Impuls, in Krisenzeiten ins MACHEN zu kommen, ist nur zu verständlich. Gleichwohl tun wir als Eltern gut daran, regelmäßig nach innen zu gehen, um uns und unsere inneren Antreiber immer besser kennenzulernen.

Wichtige Fragen könne sein: Was ist unser Motiv? Was gehört zu uns und was gehört zu unserem Kind?

Der Druck des Kindes, glücklich sein zu müssen

Für Kinder ist es auf Dauer überaus belastend, ständig ein glückliches, zufriedenes, ausgeglichenes Leben führen zu müssen. Sehr viele Kinder kooperieren mit den Erwartungen und Sorgen der Eltern, indem sie sich aufschwingen, die Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Eltern zu übernehmen.

Wenn Kinder spüren, dass die eigenen Eltern unter den Krisen und Gefühlen der Kinder leiden, fangen die Kinder irgendwann an, schlechtes Gewissen zu entwickeln und Theater zu spielen. Krisen, Tränen oder Rückzugstendenzen dürfen dann nicht mehr zugelassen und gezeigt werden, weil die Eltern starke und glückliche Kinder „brauchen“. In der Folge „bröckelt“ das Selbstwertgefühl der Kinder, weil sie die Lebenserfahrung machen, nicht die sein zu dürfen, die sie sind.

Persönliche Verantwortung

Eltern können sich nicht entscheiden, ob sie JETZT oder SPÄTER Vorbilder sind. Immer sind sie Vorbilder. Sie leben nicht nur vor, wie man eine Gabel hält. Sie leben auch vor, wie man mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen umgeht. Über ihr Verhalten (und nicht über erzieherische Instruktionen) zeigen sie ihren Kindern, entweder persönliche Verantwortung zu übernehmen – das heißt die Verantwortung für sich selbst – oder eben die persönliche Verantwortung abzugeben. Indem Eltern die Verantwortung für sich und das innere Gleichgewicht auf die eigenen Kinder übertragen, vermitteln sie Schuldgefühle und das Erleben von Ohnmacht.

Und so frage ich dich: Was willst du deinem Kind vorleben?


Du willst deinem Kind Verantwortungsübernahme vorleben?

Du willst mehr über dich und deine inneren Antreiber und Motive herausfinden?

Du willst dich mit anderen Eltern darüber austauschen, wie du mit deinen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen verantwortlich umgehen kannst?

Mach meine Familienakademie zu deiner Familienakademie. Werde Mitglied und nutze die Möglichkeit, mit mir und mit anderen Eltern in den gleichwürdigen Dialog zu kommen.

Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Regeln und Grenzen – Konsequenzen einer entwürdigenden Erziehung

Noch immer erstarre ich, wenn ich auf Eltern und Pädagogen treffe, die mit trotzigem Blick verkünden, dass Kinder ganz viele Regeln und Grenzen bräuchten. Gerade in der Trotzphase würden sie auf Nasen tanzen, so sie nicht Konsequenzen für Regelverstöße und Grenzüberschreitungen erführen. Mir wird angesichts solcher Ansprachen kalt und das gehorsame Kind in mir winselt: „Jawoll! Tut mir leid. Ich bekenne mich schuldig.“

Existentielle Konflikte

Kinder, die an der Seite von Eltern aufwachsen, die meinen, dass die Qualität des Elternseins über die Anzahl der Regeln und Grenzen zu bemessen sei, geraten auf Dauer in einen existentiellen Konflikt.

Existentielle Konflikte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Schaden anrichten auf der Ebene des Selbstwertgefühls. Die Wahrnehmung des jungen Menschen, nur unter bestimmten Bedingungen geliebt zu werden, wird zu einem das Selbstbild bestimmenden Motiv mit Langzeitwirkung. Wer erlebt hat, dass die ersten Liebesbeziehungen geprägt waren von Bedrohungen, Grenzüberschreitungen und Bedingungen, wird sehr wahrscheinlich als Erwachsener von einem Liebeskonzept durchdrungen sein, dessen Antriebselemente Angst, Schuld, schlechtes Gewissen und „Vertragsbedingungen“ lauten.

Weiterlesen

Eltern unter Stress – Zufriedenheit durch Unzufriedenheit…

„Wie geht es dir?“, fragt eine Mutter die andere. „Muss ja“, antwortet die Gefragte gleichzeitig gestresst und einverstanden. Und während auf ihrer Stirn Sorgenfalten Platz nehmen, verkünden Mundwinkel Stolz. „Kenn ich“, entgegnet Mutter 1 mit leicht zornigem Blick, „aber zumindest hast du keinen Hund.“

Stress – Ein Qualitätsmerkmal?

Das neue Qualitätsmerkmal der Erwachsenen: Nur der, der am Ende des Tages mit hängender Zunge auf dem Sofa liegt und kurzatmig das Unerreichte beklagt, darf mit sich und der Welt im Reinen sein. Zufriedenheit durch Unzufriedenheit. Wem es noch gut geht, geht es wohl noch zu gut. Und wehe dem, der ein Kind zu Hause hat, das entspannt „in den Tag hineinlebt“. Da kann man schon mal aus der Haut fahren…

Ich denke, dass wir, die wir ständig über Stress und „tyrannische Kinder“ jammern, sehr ehrlich mit uns und unseren verinnerlichten und Selbst(ab)wert(ungs)-Konzepten umgehen müssen. Ja, wir leben heutzutage in Umgebungen und Strukturen, die nicht gerade zum federleichten (Familien-) Leben einladen. Und natürlich müssen wir nicht unbedingt „Hurra!“ rufen, wenn sich unsere Kinder verhalten wie die Maden im Speck. Vor allen Dingen dann nicht, wenn sie die Maden sind und wir der Speck.

Verantwortung statt Ohnmacht

Nur, was wollen wir machen? Wollen wir uns schon wieder beschweren? Und wenn ja, bei wem denn überhaupt? Bei unseren Kindern? Bei „denen da oben“? Beim lieben Gott? Es gibt nur eine Alternative zur Ohnmacht und diese lautet: Verantwortung.

In Bezug auf das Thema „Stress“ dürfen wir uns also fragen – und zwar wertschätzend: „Was ist unser Anteil?“

Ich schenke dir jede Woche ein neues und exklusives Impuls-Video zu den Themen FamilieElternseinBeziehungenSchule.

Trag dich hier ein, um über neue Videos benachrichtigt zu werden:

Zunächst einmal müssen wir wissen, dass lediglich ein Zusammenwirken aus äußeren UND inneren Stressoren dazu führen kann, dass Menschen gegen die Stress-Wand fahren und schließlich im Burnout zum Erliegen kommen. Ich wiederhole. Die Arbeitskontexte sind heute für viele Menschen das, was vor Urzeiten der Säbelzahntiger war: Übermächtig, beängstigend, gefräßig. Und ich weiß aus eigener Erfahrung als Lehrer, dass es unsagbar herausfordernd sein kann, in einem Arbeitsumfeld „bei sich“ zu bleiben bzw. sich nicht verrückt machen zu lassen, das auf Selbstaufgabe setzt und Menschen zu Objekten macht.

Ich bin nicht allmächtig und ich bin nicht ohnmächtig

Dennoch oder gerade deswegen: Wir tragen die Verantwortung! Für die Art, wie wir mit den Umständen umgehen. Für das, was in uns ist. Für das, was wir unseren Kindern vorleben. Für das, was zwischen uns und unseren Kindern passiert. Und eine gesunde Verantwortungsübernahme kann nur dort gedeihen, wo klar ist: Ich bin nicht allmächtig und ich bin nicht ohnmächtig.

Viele Eltern – insbesondere Mütter – werden unwillkürlich (!) angetrieben von eingefleischten und impliziten Kindergelübden. Sie geben sich in ihrem Elternsein geradezu auf, um sich wertvoll zu fühlen. Gelernt haben sie, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Liebe – so schreiben es die inneren Antreiber vor – ist eine Form der Dienstleistung und „Ich will…“ ist im Urlaub. Und bitte: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Übersät mit Gewissensbissen dienen sie ihrem Konzept der Fleißbienchen. Genugtuung? Nein, denn: „Du hast nicht und nie genug getan!“

Den Akku aufladen

Eine verzweifelte Mutter kommt in meine Elternberatung und will wissen, was sie mit ihrem Sohn machen kann, der sehr fordernd ist und kein Gespür zu haben scheint für ihre persönlichen Grenzen. Wir reden eine Weile und nach einer Gesprächspause frage ich sie, ob sie sich auch mal Auszeiten nimmt. „Natürlich“, entgegnet sie geradezu empört. Ich möchte gerne erfahren, wie und wann sie ihren Akku wieder auflädt. Sie: „Samstags ist meine Zeit. Immer vormittags werde ich von meinem Kind in Ruhe gelassen.“ Auf die Frage, was sie denn am Samstagvormittag mache, dass sie sich eine Auszeit nehmen könne, sagt sie: „Putzen!“

Im weiteren Gesprächsverlauf stellt sich heraus, dass die Mutter nicht deswegen putzt, weil Putzen zu ihren liebsten Freizeitaktivitäten gehört. Putzen hat in dieser Familie schlicht und ergreifend eine unumstößliche Autorität. Das heißt: Putzen ist wichtig. Sehr wichtig. So richtig, richtig wichtig. Beim Putzen stört man nicht. Wenn allerdings die Mutter ein Buch lesen will, wird sie von ihrem Sohn nicht in Ruhe gelassen.

Wechselwirkungen und Stress

Wir fassen also zusammen: Das Problem ist ein „unmögliches“ Kind, das über Erziehung und Reglementierungen zum Respekt erzogen werden muss.

Nein.

Nächster Erklärungsversuch: Das Problem ist eine Mutter, die einfach ein bisschen doof ist und ganz klar in die Kategorie „Helikoptereltern“ gehört.

Nein.

Das Problem ist: Wenn Elternliebe (im Übrigen auch Nächstenliebe) verstanden wird als der Auftrag, sich selbst schlecht zu behandeln, entstehen in engen Beziehungen destruktive und stressverursachende Wechselwirkungen. Auf allen Seiten. Mama gibt sich auf, Sohnemann verhält sich wie ein Parasit UND fühlt sich verantwortlich und schlecht.

Kooperation – Vorleben ist Erziehung

Kooperation heißt, dass sich unsere Kinder zu uns verhalten. Immer. Sie verhalten sich zu der Art, wie wir leben. Sie verhalten sich dazu, wie wir essen, wie wir arbeiten, wie wir denken, fühlen, handeln. Sie verhalten sich dazu, wie wir mit uns und unseren Grenzen, Bedürfnissen und Werten umgehen. Und sie verhalten sich zu unserem Stress. Unser Vorleben ist Erziehung. Alles andere ist vielleicht nett gemeint.

Eltern, die sich vor dem Hintergrund ihrer Wertsteigerungsprogramme („Ich leiste, also bin ich…“) und Liebeskonzepte („Liebe ist eine Dienstleistung und muss man sich verdienen…“) aufgeben, sind kein Geschenk. Sie sind eine Überforderung. Für sich selbst und für ihre Kinder.

Ich kenne Eltern, die froh sind, wenn das Wochenende endlich vorüber ist. Für sie sind Wochenenden eine Qual. Sie verbringen ihre Freizeit nicht etwa damit, sich dem „köstlichen Nichts“ und dem Wohlergehen hinzugeben. Sie arbeiten. Entweder mit Putzlappen in Küchen. Oder aber an und mit ihren Kindern.

Stress entsteht…

Stress entsteht, wenn wir über lange Zeit tiefere Bedürfnisse ignorieren und nicht aus Bedürfnissen handeln. Unter Stress setzt der Körper Kortisol frei, eines der Hormone, das uns in bedrohlichen Situationen mobilisiert. Intelligentes und kreatives Problemlösen ist sehr stressanfällig. Und falls jemand der Meinung ist, ganz wichtige Sätze zu markieren oder an die Kühlschranktür zu hängen. Der folgende Schachtel-Satz ist dafür prädestiniert:

Wir haben unter Stress keinen optimalen Zugang zu unseren Kompetenzen und Werten und das ist der Grund dafür, dass wir manchmal Dinge tun, die wir doch eigentlich gar nicht tun wollten und deswegen müssen wir gut für uns und unsere Bedürfnisse sorgen und deswegen sage ich „JA“ zu mir selbst und deswegen bin ich keine schlechte Mutter und kein schlechter Vater, wenn ich mir gut tue, sondern ich bin ein wunderbares Rollenmodell in der Übernahme persönlicher Verantwortung.

Und jetzt: Durchatmen, Luft holen, Kaffee trinken…
—————————————
In meiner Familienakademie erinnern wir uns regelmäßig an unsere Vorbildfunktion als Eltern. Und das heißt nicht unbedingt, dass wir darüber beratschlagen, wie wir unseren Kindern gute Manieren beibringen. Das heißt, dass wir uns gegenseitig ermutigen, zu uns, unseren Bedürfnissen und Grenzen zu stehen. Und wer behauptet, dass das in Liebesbeziehungen immer einfach wäre, kriegt Ärger und was mit dem Putzlappen 😊.

Du bist ganz herzlich eingeladen…

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Depressionen

Depressionen – Wenn Menschen lernen, sich selbst zu unterdrücken

Immer mehr junge Menschen leiden unter Depressionen. Warum? Fehlt es ihnen an der „richtigen“ Einstellung. Mangelt es ihnen an „Regeln und Grenzen“? Sind sie zu wenig belastbar? Nein. Sie werden deprimiert (deprimere: u.a. niederdrücken), lernen am Vorbild, sich selbst zu deprimieren und entwickeln deprimierende Verhaltensweisen, um Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben.

Depressionen sind das Ergebnis einer Erziehung, die Menschen verpflichtet, „Nein“ zu sich selbst zu sagen. Wer sich selbst verneinen muss, um nicht verstoßen zu werden, verliert auf Dauer die Fähigkeit, mit einem guten Gewissen „Ich will…“, „Ich will nicht…“  oder „Lass das!“ zu sagen. Deprimierte Menschen sind kaum mehr in der Lage, auf das zuzugehen, was sie brauchen, von dem wegzukommen, was schadet und gegen das anzugehen, was ihre Integrität verletzt.

Mit anderen Worten: Depressionen sind das Ergebnis eines Aufwachsens, in dessen Verlauf Menschen von ihren Aggressionen getrennt wurden (adgredi: Hingehen, sich annähern, ansprechen, Geschäfte anpacken, Feinde angreifen..).

Ich schenke dir jede Woche ein neues und exklusives Impuls-Video zu den Themen FamilieElternseinBeziehungenSchule.

Trag dich hier ein, um über neue Videos benachrichtigt zu werden:

Kinder sind kompetent, bis…

Niemand kommt mit Depressionen auf die Welt. Kinder sind von Geburt an kompetent darin, Bedürfnisse zu kommunizieren (Schreien), Sättigung anzuzeigen (Kopf wegdrehen) und die eigenen Grenzen mitzuteilen (Beißen). Wer in seiner Familie und später in der Schule zur Überanpassung und zum Stillhalten verpflichtet wird, lernt vielleicht, sich zu benehmen und Beachtungs-Vertragsbedingungen zu erfüllen. Die Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl jedoch sind fatal.

Gäbe es einen Beipackzettel für eine Erziehung und Pädagogik, die darauf abzielt, Menschen ruhig zu stellen und normal zu machen, müsste auf diesem stehen:

„Es ist mit Nebenwirkungen zu rechnen, zum Beispiel mit Depressionen und fehlender Selbstliebe.“

Ein gesundes Selbstwertgefühl – Sich nüchtern anerkennen können

Sich möglichst nüchtern anerkennen zu können, macht ein gesundes Selbstwertgefühl aus: „Na ja gut, meine Nase ist ziemlich groß, diese Falte war gestern auch noch nicht da und zehn Kilogramm weniger wären auch nicht so schlecht. Aber was soll`s. So wie ich bin, bin ich okay.“

Wer sich nicht nüchtern annehmen kann, ist angewiesen auf Überlebensstrategien, um sich besser ertragen zu können. Manche Menschen konsumieren übermäßig viel Alkohol. Andere versuchen, sich über Leistungen zu spüren und aufzuwerten.

Schulen: Spiegelbilder und Erzeuger eines kollektiven instabilen Selbstwertgfühls

Ich denke, dass wir in unserer Leistungsgesellschaft ein massives Problem auf der Ebene des Selbstwertgefühls haben und unsere Schulen sowohl Spiegelbilder als auch Miterzeuger eines kollektiven instabilen Selbstwertgefühls sind. Die meisten Kinder werden groß in Umgebungen, in denen Fach- und Anpassungsleistungen darüber entscheiden, ob sie dazugehören und „richtig“ sind.

Zwar führen viele Menschen nach Beendigung ihrer Schullaufbahn ein pflichtbewusstes und nach ökonomischen Maßstäben erfolgreiches Leben. Jedoch stehen sie – so zumindest lautet meine Überzeugung – nicht in Kontakt mit ihrem Wesen und ihrem wesensgemäßen Potential. Das Erbringen von Leistungen mitsamt der Hoffnung, für das Vollbrachte wertgeschätzt zu werden, wird zum Synonym für persönliche Weiterentwicklung und sinnvolles Leben.

In der Theorie mag es ein Leichtes sein, zu unterscheiden zwischen der Ebene des Selbstwertgefühls und der Ebene der Leistungen (Selbstvertrauen). In der Praxis jedoch – und das weiß jeder, der getrieben wird von der Idee, sich seinen Wert verdienen zu müssen – verkrümelt sich all unser Theoriedenken schnell wieder im Bücherschrank.

Mein Wert = Meine Leistungen

Ein Kind, das ständig verglichen, bewertet, motiviert, korrigiert wird, stellt irgendwann die Gleichung auf: Mein Wert = Meine Leistungen. In der Welt eines neunjährigen Kindes ist die Fachnote Fünf niemals eine reine Fachnote. Es bezieht die Note vollautomatisch auf sich. Als Mensch. Es denkt nicht: „Ich habe eine Fünf in Mathematik.“ Es denkt: „Ich bin eine Fünf!“

Man könnte nun meinen, dass Berichtszeugnisse eine Alternative zur traditionellen Benotung seien. Jedoch müssen wir wissen, dass Berichtszeugnisse im Grunde genommen auch Notenzeugnisse sind – nur eben anders. Außerdem sind sie nach meiner Erfahrung nicht selten ein Sammelbecken für Formulierungen, die mit den eigentlichen Fachleistungen (und mit dem Auftrag der Lehrer) nichts zu tun haben.

Sätze, wie zum Beispiel „Du bist zu faul!“, „Du strengst dich nicht genügend an!“ oder „Du bist immer abgelenkt!“ sind genauso „normal“ wie anmaßend, generalisierend, abwertend und unprofessionell. Denn abgesehen davon, dass kein Mensch auf diesem Planeten „IMMER abgelenkt“ ist, wüsste ich nicht, in welcher Ausbildungsphase und vor welchem theoretischen Hintergrund Lehrer befähigt wurden und werden, die Einschätzung „Du strengst dich nicht genügend an“ vornehmen zu dürfen.

Das große „JA“ – Was Eltern tun können

Menschen, die zur Überkooperation verpflichtet werden und sich schließlich zur Überkooperation verpflichtet fühlen, deprimieren sich irgendwann selbst. Unwillkürlich schaffen sie den häufigsten Grund für (spätere) Therapien: Unterdrückung der Lebenskraft (vgl. Lance Secreten: Inspirieren statt Motivieren).

Unser Dasein und unseren Wert können wir uns nicht verdienen. Wir sind nicht richtig und wir sind nicht falsch. Wir sind. Wir sind human beings und nicht human doings.

Was können Eltern tun, um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu stärken? Um diese Frage zu beantworten, kann man auf einer sehr theoretischen und sehr abstarkten Ebene nachdenken und (neue) Gedankengebäude errichten.

Ich möchte stattdessen ein Bild anbieten:

Wenn dein Kind am Morgen mit vierzehn Kuscheltieren im Arm in die Küche wankt, braucht es drei Dinge:

  1. Einen kalten Kakao
  2. Eltern, aus deren Augen die Botschaft funkelt: „Schön, dass du da bist.“
  3. Eltern, die mit sich selbst einverstanden sind.

Zusammenfassend kann man sagen: Kinder brauchen das große „JA“ ihrer Eltern. Wer in sich selbst das große „JA“ spürt, wird nicht anfällig werden für Depressionen…

————————————————————————————————————–

Um seinem Kind das großes „JA“ mitzugeben, üben wir uns in meiner Familienakademie darin, „JA“ zu uns selbst zu sagen. 

Willste mitmachen 🙂 ? Dann los!

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Selbstwertgefühl durch Einfühlungsvermögen

Selbstwertgefühl durch Einfühlungsvermögen

Ich liebe Geschichten. Gute Geschichten. Geschichten, die mich packen, durch den Fleischwolf drehen, mich nachdenklich stimmen, aufregen, ermutigen, besänftigen, motivieren, belustigen, traurig machen, erinnern.

Wer hat nicht schon während einer Buchlektüre die Nahrungsaufnahme verweigert oder im Kino Rotz und Wasser geflennt? Wer hat nicht schon Erwachsene erlebt, die im Alltag die emotionale Flexibilität einer Gabel zu haben scheinen und plötzlich Tränen tupfen, weil sie auf Netflix absorbiert werden von einer Liebesgeschichte oder einer Tragödie? Und mal unter uns: Wer hat nicht schon mit seinem Kind Filme wie Bambi, E.T. oder Ostwind angesehen, um die eigenen trüben Augen allein dadurch zu erklären, dass man nur „etwas müde“ sei?

Gute Geschichten berühren und verbinden uns. Sie bringen uns in Kontakt mit uns, unseren Erfahrungen, unserem Humor, unserer Trauer, unserer Wut, unseren Träumen, Wünschen, Emotionen, Bedürfnissen, unserer Empathie, unserem Einfühlungsvermögen. Sie stärken unser Gefühl für uns und für andere. Im Sog einer guten Geschichte werden wir zu anderen und sind doch mehr ICH als je zuvor

Ein gesundes Selbstwertgefühl: Alle Gefühle in mir dürfen da sein!

Ich liebe Geschichten. Gute Geschichten. Sie lassen uns spüren, nehmen uns mit, machen uns reich. In uns allen gibt es dieses besondere Vermögen. Das Vermögen, sich einzufühlen. In uns. In andere. In das, was zwischen den Menschen liegt. Unser Einfühlungsvermögen ist ein Schatz, der darauf wartet, von uns und mit anderen entdeckt und gehoben zu werden. Geschichten, die ans Herz gehen, öffnen uns und erinnern uns an uns selbst. Sie sind eine Einladung zum Ich und zum WIR. Sie stärken unser Selbstwertgefühl UND unser Gemeinschaftsgefühl.

Regelmäßig fragen mich Eltern: „Was können wir als Eltern tun, um das Selbstwertgefühl unserer Kinder zu stärken?“

Eltern können zum Beispiel mit ihnen Geschichten erleben, lesen, anschauen, schreiben, erfinden, verarbeiten. Kinder entwickeln dann ein gesundes Selbstwertgefühl, wenn sie an der Seite von einfühlsamen Eltern fühlen dürfen, ohne ständig umsorgt, abgelenkt oder „korrigiert“ zu werden. Eltern mit Einfühlungsvermögen unterscheiden nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Gefühlen. Für sie gehören alle Gefühle dazu: Trauer, Freude, Liebe, Angst, Wut.

Gute Geschichten sind „Fühl-Geschichten“. Sie ermöglichen die so wichtige Lebenserfahrung: Alle Gefühle in mir dürfen da sein.

Ich schenke dir jede Woche ein neues und exklusives Impuls-Video zu den Themen FamilieElternseinBeziehungenSchule.

Trag dich hier ein, um über neue Videos benachrichtigt zu werden:

Die Erfahrung des „Nicht-Seins“

Und wenn mein Kind ängstlich ist, weil es sich um das Huhn sorgt, das in der Geschichte mit dem „bösen“ Fuchs Gefahr läuft, von eben diesem gefressen zu werden, sage ich nicht: „Ach, mach dir mal keine Sorgen. Ist doch nur eine Geschichte. Vielleicht wird der Fuchs ja auch spontan zum Vegetarier.“ Ich sage entweder gar nichts (und nehme mein Kind empathisch in den Arm) oder ich sage: „Oh ja, das kann ich gut verstehen, dass du dir Sorgen um das Huhn machst.“

Wenn mein Kind wütend ist, weil der Zauberer nichts Gutes im Schilde führt, IST es wütend. Wenn mein Kind traurig ist, weil die kleine Prinzessin ihre Eltern vermisst, IST es traurig. Und wenn sich mein Kind freut, weil die Katzen am Ende des Films eine wilde Party feiern, IST es voller Freude. Zu viele Kinder machen heute die Erfahrung des „Nicht-SEINS“. Sie dürfen nicht wütend SEIN. Sie dürfen nicht ungeduldig SEIN. Sie dürfen nicht überschwänglich SEIN…

Ich liebe Geschichten. Gute Geschichten. Sie nehmen uns mit in fremde Welten…

Digitale Welt

„Ja, aber da gibt es ja auch noch die digitale Welt! Wie gehen wir damit um, wenn wir feststellen, dass unser Kind von den Geschichten seiner PS4-Helden geradezu verschlungen wird?“

Möglichkeit 1: Erziehung, Regeln, Stecker ziehen, Familienkrieg, Beratungsstellen aufsuchen, Psychologen konsultieren, Medienpädagogen befragen…

Möglichkeit 2: Wir schauen unser Kind freundlich an und sagen: „Erzähl` mal, was du heute in deiner Welt erlebt hast und wie es dir dabei erging.“

Auch in der digitalen Welt erleben und schreiben junge Menschen Geschichten und ich werde nicht müde, Eltern zu empfehlen, sich vielleicht eher für das zu interessieren, was ihre Kinder an den Bildschirmen tun, denken und fühlen, anstatt ständig den Teufel an die Wand zu malen oder „Regeln zum kompetenten Umgang mit den neuen Medien“ an die Kühlschranktür zu heften.

Ist es für Kinder und Jugendliche per se gefährlich ist, wenn sie über Stunden Minecraft, Fortnite oder Assassins Creed spielen? Nein, der Meinung bin ich überhaupt nicht. Das Ab- und Eintauchen in fremde Welten wird erst dann gefährlich, wenn es den Ab- und Eingetauchten an einem gesunden Selbstwertgefühl fehlt und sie DESWEGEN untergehen.

Ich bin davon überzeugt, dass Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl keinen Schaden nehmen, wenn sie vierzehn Stunden am Tag Lara Croft spielen (oder Bücher lesen).

Ein stabiles Selbstwertgefühl ist die Basis…

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Basis, um zum Gestalter der eigenen Lebensgeschichte zu werden. Ob Kinder aus ihrer eigenen Geschichte eine Liebesgeschichte machen oder ein Drama, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Eltern einfühlsam, achtsam und anerkennend in Beziehung gehen können. Kinder brauchen die Erfahrung, dass sie so, wie sie sind, okay sind.

Bedingungslos.

Dann werden sie das nächste Level schon packen.

Ich liebe Geschichten. Gute Geschichten…

————————————————————————————————————————————————————————————————————————————-

Ich möchte dich einladen an einen „geschichtsträchtigen“ Ort. In der Familienakademie triffst du auf Menschen mit viel Einfühlungsvermögen und einem Rucksack voller guter, bewegender, inspirierender Geschichten. 

Hier geht es lang…

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN