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Wie Eltern das Selbstwertgefühl ihrer Kinder stärken können

Das Selbstwertgefühl unserer Kinder stärken – Erziehung überwinden

Kinder nehmen ihren Körper am Anfang ihres Lebens sehr genau wahr. Sie sind kompetent darin, zu empfinden, zu fühlen, Bedürfnisse wahrzunehmen und ins Außen zu kommunizieren. In den ersten ein bis zwei Jahren schauen und spüren die meisten Eltern noch sehr genau hin, um die Botschaften ihrer Kinder bedürfnisorientiert zu deuten. Und wenn ihr Kind im Alter von vielleicht sechs Monaten den Kopf vom Löffel abwendet, gehen sie nicht aus von einem zu behebenden Verhaltensproblem. Nein, sie sehen ihr Kind an und stellen fest: „Anscheinend bist du satt.“ Ein Hauptgewinn, denn solche Sätze stärken das Selbstwertgefühl des Kindes.

Wenn Eltern anfangen zu erziehen…

Nach zwei, drei Jahren allerdings verlassen viele Eltern den Pfad der empathischen Begleitung, um einen Weg einzuschlagen, der geprägt ist von Idealbildern, Erwartungshaltungen, Moralvorstellungen, Normen und Erziehungskonzepten. Eine Eltern-Ansprache macht sich breit, die aufgrund ihres normalen Anstriches zwar unauffällig daherkommt, allerdings wirkt wie ein schleichendes Gift. Ein Gift, das tief eindringt in die Würde der (kleinen) Menschen und damit ihr Selbstwertgefühl schwächt.

Klassische Erziehungssätze

Aus dem Giftschrank der klassischen Erziehung stammen zum Beispiel folgende Sätze:

„Du musst doch jetzt keine Angst haben!“

„Reiß dich am Riemen!“

„Raus! Du darfst erst wieder zu uns kommen, wenn du lieb bist.“

„Das ist doch kein Grund, um traurig zu sein.“

„Selbst schuld!“

„Fräulein!!!“

„Nun hab` dich nicht so!“

Nun möchte man nachfragen, was daran so schlimm ist…

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Paula kommt nach Hause

Nach einem anstrengenden Tag kommt Paula nach Hause. Zum Abendessen erzählt sie:

„Das war heute ein richtig mieser Tag. Ich habe so eine Angst vor dem morgigen Tag. Was ist, wenn ich die Aufgaben wieder nicht schaffe?“

Lange muss Paula nicht auf die Antwort warten:

„Du Paula, mir fällt schon seit einiger Zeit auf, dass es dir an der richtigen Einstellung fehlt. Du musst dich einfach mal besser konzentrieren. Und hör bitte endlich auf, ständig dieses Theater zu spielen. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Man kann sich seine Angst auch einbilden.“

Müssen wir, um der Frage nachzugehen, wie es Paula mit dieser Antwort geht, im Detail wissen, wer Paula ist und wer die Antwort gegeben hat?

Vielleicht ist Paula eine Drittklässlerin, die sich am Ende eines Tages ihrer Mutter anvertraut. Denkbar wäre allerdings auch, dass Paula bereits in den Vierzigern ist und ihrem Ehemann von der Arbeit berichtet.

„Du spielst doch nur Theater!“

Kommentare wie zum Beispiel „Du spielst doch nur Theater!“ oder „Man kann sich seine Angst auch einbilden!“ können sowohl einem Erwachsenen als auch einem Kind richtig weh tun. Während eine Frau nun allerdings durchaus der Frage nachgehen kann, ob sie auch zukünftig mit einem Menschen zusammen sein will, der ihre Gefühle ignoriert und abwertet, muss sich ein Kind irgendwie mit den wichtigen Menschen in seiner Umgebung arrangieren.

Kinder sagen nicht: „Mama und Papa, ich muss euch etwas Wichtiges mitteilen. Wenn ihr meine persönliche Integrität auch weiterhin verletzt, muss ich ernsthaft darüber nachdenken, ob ich nicht doch besser meine Sachen packe und gehe.“

Kinder, die nicht mehr „richtig mitmachen“

Kinder teilen sich und ihren inneren Schmerz mit, indem sie zum Beispiel im Alltag nicht mehr „richtig mitmachen“. Auch deswegen lade ich Eltern immer wieder dazu ein, das Thema „Zähneputzen“ nicht als reines „Zahnputz-Thema“ zu betrachten, das man mit Strenge, ruhiger Musik oder wohlschmeckender Zahnpasta klären könnte.

Sehr viele Kinder entwickeln angesichts vieler, kleiner Nadelstiche die Überlebensstrategie, die eigenen Gefühle zu unterdrücken und schließlich abzuspalten. Sie verinnerlichen die Überzeugung, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Das wiederum bedeutet unweigerlich, dass ihr Selbstwertgefühl Schaden nimmt beziehungsweise bereits Schaden genommen hat.

„Mit mir stimmt was nicht!“

Wie viele von uns wachen morgens mit dem Gedanken auf „Mit mir stimmt was nicht!“?

Wer in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der Überleben nur möglich war unter der Voraussetzung der Selbstverleugnung und Selbstabwertung, wird die Überlebensstrategien „Selbstverleugnung“ und „Selbstabwertung“ mit hoher Wahrscheinlichkeit in sein Erwachsenenleben mitnehmen. Hinzu kommt, dass die Gefahr besteht, sich als Erwachsener immer wieder auf Menschen einzulassen, die eine erstaunliche Ähnlichkeit mit denjenigen Menschen aufweisen, die einst das Selbstwertgefühl schwächten.

Wendepunkte

Sehr viele erwachsenen Menschen geraten erst über schwerwiegende Symptome und existentielle Krisen an Wendepunkte.

Meinen wir wirklich, dass heute deswegen so viele erwachsene Menschen zur Therapie rennen, weil sie in ihrer Kindheit und Jugend zu wenig erzogen wurden?

Nach meiner Überzeugung leiden die meisten therapiebedürftigen Erwachsene unter ein durch Erziehung geschwächtes Selbstwertgefühl. Sie können sich nicht annehmen, sind getrieben von der Angst, nicht zu stimmen und drohen, von unerledigten, biographischen Angelegenheiten erledigt zu werden.

Das Gefühl, gefühlt zu werden

Wenn junge Menschen über ihr Verhalten stören, weisen sie darauf hin, dass sie in ihrem Selbstsein gestört werden bzw. wurden. Was brauchen Kinder und Jugendliche, damit sie ein starkes Selbstgefühl entwickeln können? Sie brauchen (wie alle Menschen) das Gefühl, gefühlt und gesehen zu werden, ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen.

Wer im Zusammenleben mit strafenden, verurteilenden und begrenzenden Autoritäten von seinen Gefühlen getrennt wurde, droht im Laufe der Zeit von seinen Gefühlen in Beschlag genommen zu werden. Wir besitzen nicht mehr unsere Gefühle. Sie besitzen uns. Und immer dann, wenn wir auf Menschen treffen, die uns auf dem unteren Pfad an unsere unterdrückten Gefühle erinnern, werden wir erinnert, ohne dass wir uns explizit erinnern.

Sich mit seinen Gefühlen aussöhnen

Ich glaube, dass wir sowohl als Eltern gut daran tun, empathisch und anerkennend nach innen zu gehen, um uns mit denjenigen Gefühlen auszusöhnen, die in unserer Kindheit möglicherweise abgewertet, belächelt, verdrängt wurden.

Solange wir uns nicht erlauben, das zu fühlen, was gefühlt werden will, werden uns traurige, ängstliche oder wütende Kinder an den eigenen unterdrückten Schmerz erinnern. Das wiederum kann dazu führen, dass wir unsere Kinder mit genau den Sätzen belasten, die UNS einst belasteten und auch heute noch wirken Blei.


Du willst deinem Kind dabei helfen, ein starkes Selbstwertgefühl zu entwicklen?

Du sehnst dich nach einem gleichwürdigen Austausch mit Menschen, die ähnliche Themen haben wie du? 

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Ich lade dich herzlich ein, Mitglied in meiner Familienakademie zu werden, damit du gemeinsam mit mir und mit anderen Eltern an DEINEN Themen wachsen kannst. 

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Depressionen

Depressionen – Wenn Menschen lernen, sich selbst zu unterdrücken

Immer mehr junge Menschen leiden unter Depressionen. Warum? Fehlt es ihnen an der „richtigen“ Einstellung. Mangelt es ihnen an „Regeln und Grenzen“? Sind sie zu wenig belastbar? Nein. Sie werden deprimiert (deprimere: u.a. niederdrücken), lernen am Vorbild, sich selbst zu deprimieren und entwickeln deprimierende Verhaltensweisen, um Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben.

Depressionen sind das Ergebnis einer Erziehung, die Menschen verpflichtet, „Nein“ zu sich selbst zu sagen. Wer sich selbst verneinen muss, um nicht verstoßen zu werden, verliert auf Dauer die Fähigkeit, mit einem guten Gewissen „Ich will…“, „Ich will nicht…“  oder „Lass das!“ zu sagen. Deprimierte Menschen sind kaum mehr in der Lage, auf das zuzugehen, was sie brauchen, von dem wegzukommen, was schadet und gegen das anzugehen, was ihre Integrität verletzt.

Mit anderen Worten: Depressionen sind das Ergebnis eines Aufwachsens, in dessen Verlauf Menschen von ihren Aggressionen getrennt wurden (adgredi: Hingehen, sich annähern, ansprechen, Geschäfte anpacken, Feinde angreifen..).

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Kinder sind kompetent, bis…

Niemand kommt mit Depressionen auf die Welt. Kinder sind von Geburt an kompetent darin, Bedürfnisse zu kommunizieren (Schreien), Sättigung anzuzeigen (Kopf wegdrehen) und die eigenen Grenzen mitzuteilen (Beißen). Wer in seiner Familie und später in der Schule zur Überanpassung und zum Stillhalten verpflichtet wird, lernt vielleicht, sich zu benehmen und Beachtungs-Vertragsbedingungen zu erfüllen. Die Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl jedoch sind fatal.

Gäbe es einen Beipackzettel für eine Erziehung und Pädagogik, die darauf abzielt, Menschen ruhig zu stellen und normal zu machen, müsste auf diesem stehen:

„Es ist mit Nebenwirkungen zu rechnen, zum Beispiel mit Depressionen und fehlender Selbstliebe.“

Ein gesundes Selbstwertgefühl – Sich nüchtern anerkennen können

Sich möglichst nüchtern anerkennen zu können, macht ein gesundes Selbstwertgefühl aus: „Na ja gut, meine Nase ist ziemlich groß, diese Falte war gestern auch noch nicht da und zehn Kilogramm weniger wären auch nicht so schlecht. Aber was soll`s. So wie ich bin, bin ich okay.“

Wer sich nicht nüchtern annehmen kann, ist angewiesen auf Überlebensstrategien, um sich besser ertragen zu können. Manche Menschen konsumieren übermäßig viel Alkohol. Andere versuchen, sich über Leistungen zu spüren und aufzuwerten.

Schulen: Spiegelbilder und Erzeuger eines kollektiven instabilen Selbstwertgfühls

Ich denke, dass wir in unserer Leistungsgesellschaft ein massives Problem auf der Ebene des Selbstwertgefühls haben und unsere Schulen sowohl Spiegelbilder als auch Miterzeuger eines kollektiven instabilen Selbstwertgefühls sind. Die meisten Kinder werden groß in Umgebungen, in denen Fach- und Anpassungsleistungen darüber entscheiden, ob sie dazugehören und „richtig“ sind.

Zwar führen viele Menschen nach Beendigung ihrer Schullaufbahn ein pflichtbewusstes und nach ökonomischen Maßstäben erfolgreiches Leben. Jedoch stehen sie – so zumindest lautet meine Überzeugung – nicht in Kontakt mit ihrem Wesen und ihrem wesensgemäßen Potential. Das Erbringen von Leistungen mitsamt der Hoffnung, für das Vollbrachte wertgeschätzt zu werden, wird zum Synonym für persönliche Weiterentwicklung und sinnvolles Leben.

In der Theorie mag es ein Leichtes sein, zu unterscheiden zwischen der Ebene des Selbstwertgefühls und der Ebene der Leistungen (Selbstvertrauen). In der Praxis jedoch – und das weiß jeder, der getrieben wird von der Idee, sich seinen Wert verdienen zu müssen – verkrümelt sich all unser Theoriedenken schnell wieder im Bücherschrank.

Mein Wert = Meine Leistungen

Ein Kind, das ständig verglichen, bewertet, motiviert, korrigiert wird, stellt irgendwann die Gleichung auf: Mein Wert = Meine Leistungen. In der Welt eines neunjährigen Kindes ist die Fachnote Fünf niemals eine reine Fachnote. Es bezieht die Note vollautomatisch auf sich. Als Mensch. Es denkt nicht: „Ich habe eine Fünf in Mathematik.“ Es denkt: „Ich bin eine Fünf!“

Man könnte nun meinen, dass Berichtszeugnisse eine Alternative zur traditionellen Benotung seien. Jedoch müssen wir wissen, dass Berichtszeugnisse im Grunde genommen auch Notenzeugnisse sind – nur eben anders. Außerdem sind sie nach meiner Erfahrung nicht selten ein Sammelbecken für Formulierungen, die mit den eigentlichen Fachleistungen (und mit dem Auftrag der Lehrer) nichts zu tun haben.

Sätze, wie zum Beispiel „Du bist zu faul!“, „Du strengst dich nicht genügend an!“ oder „Du bist immer abgelenkt!“ sind genauso „normal“ wie anmaßend, generalisierend, abwertend und unprofessionell. Denn abgesehen davon, dass kein Mensch auf diesem Planeten „IMMER abgelenkt“ ist, wüsste ich nicht, in welcher Ausbildungsphase und vor welchem theoretischen Hintergrund Lehrer befähigt wurden und werden, die Einschätzung „Du strengst dich nicht genügend an“ vornehmen zu dürfen.

Das große „JA“ – Was Eltern tun können

Menschen, die zur Überkooperation verpflichtet werden und sich schließlich zur Überkooperation verpflichtet fühlen, deprimieren sich irgendwann selbst. Unwillkürlich schaffen sie den häufigsten Grund für (spätere) Therapien: Unterdrückung der Lebenskraft (vgl. Lance Secreten: Inspirieren statt Motivieren).

Unser Dasein und unseren Wert können wir uns nicht verdienen. Wir sind nicht richtig und wir sind nicht falsch. Wir sind. Wir sind human beings und nicht human doings.

Was können Eltern tun, um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu stärken? Um diese Frage zu beantworten, kann man auf einer sehr theoretischen und sehr abstarkten Ebene nachdenken und (neue) Gedankengebäude errichten.

Ich möchte stattdessen ein Bild anbieten:

Wenn dein Kind am Morgen mit vierzehn Kuscheltieren im Arm in die Küche wankt, braucht es drei Dinge:

  1. Einen kalten Kakao
  2. Eltern, aus deren Augen die Botschaft funkelt: „Schön, dass du da bist.“
  3. Eltern, die mit sich selbst einverstanden sind.

Zusammenfassend kann man sagen: Kinder brauchen das große „JA“ ihrer Eltern. Wer in sich selbst das große „JA“ spürt, wird nicht anfällig werden für Depressionen…

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Um seinem Kind das großes „JA“ mitzugeben, üben wir uns in meiner Familienakademie darin, „JA“ zu uns selbst zu sagen. 

Willste mitmachen 🙂 ? Dann los!

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Pubertät

Pubertät – Wenn Eltern in Panik geraten…

„Mein Kind kommt in die Pubertät!“, sagte die Mutter und ging in Deckung.
Der Experte runzelte die Stirn und entgegnete mit finsterer Miene: „Gerade in der Pubertät müssen Sie Ihrem Kind klare Grenzen aufzeigen! Auf keinen Fall dürfen Sie alles durchgehen lassen!“

Und wenn sie nicht von der Pubertät des Jugendlichen erschlagen wurden, dann sorgen sie sich noch heute…

Sehr viele Eltern neigen dazu, die natürlichen Autonomiebestrebungen ihrer Kinder zu problematisieren und zu unterbinden. Und ich kann es ihnen nicht verdenken, schließlich treffen sie in ihrem Lebensumfeld gehäuft auf Fachleute, wie zum Beispiel Lehrer, Schulpsychologen oder Erziehungsberater, denen kaum etwas Besseres einzufallen scheint, als vom zukünftigen Scheitern zu faseln, so die Zügel nicht endlich angezogen würden.

Schule will gehorsame Kinder und Jugendliche…

Vor einiger Zeit meldeten sich Eltern bei mir, weil sie angesichts der gegenwärtigen schulischen Situation ihres Kindes – nennen wir ihn mal Max – komplett verzweifelt waren. Sie waren so sehr beeinflusst worden von den Moralpredigten und Angst-Szenarien der Pädagogen, dass sie mittlerweile tatsächlich glaubten, schlechte Eltern zu sein, denen die Erziehungs-Felle schon längst davongeschwommen waren. Seitens der Schule waren massive Drohungen ausgesprochen worden, ein Schulpsychologe war eingeschaltet worden und kein Gespräch lief ohne den Schulleiter ab. Selbstverständlich wurden Gesprächsergebnisse in Form eines Protokolls festgehalten. Man weiß ja nie. Als ich nachfragte, an welcher Stelle der Konflikt begonnen hatte, antworteten die Eltern nahezu entschuldigend: „Max hatte sich verweigert, im Unterricht sein Basecap abzunehmen.“

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Pubertät heißt: Nein zum Gehorsam!

Glücklicherweise kannte mich die Familie bereits seit einiger Zeit, denn meine Spontanreaktion des lauten Auflachens hätte mit Sicherheit für Irritation gesorgt, wenn wir uns an dem Tag zum ersten Mal gesprochen hätten. Ich konnte einfach nicht fassen, dass hier ein riesengroßes Fass aufgemacht worden war, weil ein vierzehnjähriger Junge „Ja!“ zu sich selbst (und seinem Basecap) und „Nein!“ zum Gehorsam gesagt hatte.

Ehrlicherweise ist die Situation für etliche Eltern und Jugendliche vor dem Hintergrund schulischer Tyrannei alles andere als zum Lachen, aber manchmal hilft nur noch Humor. Ich lud die Eltern ein, abends eine Party zu feiern, zu der alle ein Basecap tragen könnten. Ich beendete das Gespräch mit folgendem Satz: „Sie müssen ganz wunderbare Eltern sein, denn Ihr Sohn ist in der Lage, trotz eines immensen äußeren Drucks für sich selbst einzustehen.“

Erziehung zur Verantwortlichkeit?

„Ja, aber Kinder und Jugendliche können doch nicht immer machen, was sie wollen. Und später können sie ja auch nicht…!“

Wie stellen wir uns die Nummer vor? Junge Menschen wie Max werden zum Mitlaufen und zur Überanpassung verpflichtet und dann erwarten wir, dass sie als Erwachsene plötzlich persönliche und soziale Verantwortung übernehmen? Die Pointe ist doch: Wenn an einem erst „trotzigen“ Mäxchen und später „pubertierenden“ Max ein Maximum an Erziehung vorgenommen wird, darf sich doch bitte niemand wundern, wenn sich der erwachsene Max verhält wie ein gehorsamer Zirkuselefant, der in jungen Jahren daran gewöhnt wurde, an einem vergleichsweise kleinen Pflock angebunden zu sein. Als dressierter und wohlerzogener Bulle wird er wahrscheinlich kaum noch in Erwägung ziehen, sich aus den Fußfesseln biographischer Verstrickungen zu befreien. Und das, obwohl ihm als kräftiger Elefant natürlich genügend Muskelkraft zur Verfügung stände. Nein, er wird innerlich verharren wie eine vor sich hinvegetierende Pflanze und an dem festhalten, was die „freiwillige Knechtschaft“ (Arno Gruen) an Sicherheit zu spenden verspricht. Er wird funktionieren, ganz gewiss Vieles „richtig“ machen und im Außen Zustimmung erfahren für sein „ambitioniertes Leben“. Aber eines Tages meldet sich über Symptome eine innere Stimme, die sehr deutlich mitteilt: „Nun wird es aber Zeit, dass du mich wiederentdeckst.“

Der Weg zum Psychotherapeuten – Der Weg zu sich selbst

Ich frage Eltern manchmal, ob sie schon mal versucht haben, einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu bekommen. „Ja“, sagen einige, „und da muss man viel Geduld aufbringen, weil man oft erst nach einem Jahr einen Platz bekommt.“ Woran liegt das? Daran, dass es zu wenige Therapeuten gibt oder diese zu wenig arbeiten? Nein, selbstverständlich nicht. Die Praxen werden überrannt, weil unzählige Erwachsene eines Tages in Form von Krisen, Wendepunkten und Brüchen merken, dass sie mit den anerzogenen Überlebensstrategien nicht glücklich sind und wohl auch nicht glücklich werden.

Übrigens: Wohl dem, der einen Termin bekommt. Ich bin kein Psychotherapeut, aber ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass eine der wichtigsten Grundbotschaften im Zuge einer Therapie lautet: „Sie müssen lernen, wieder `Ja` zu sich selbst zu sagen.“

Richtige Erziehungsstile während der Pubertät?

„Okay, aber welcher Erziehungsstil ist denn nun zu empfehlen, wenn Kinder in die Pubertät kommen?“

Meine Antwort: Keiner.

All diese restriktiven Erziehungsversuche, deren Ausgangsperspektive die ausgesprochene oder gedachte Formulierung „Wenn nicht, dann…!“ enthält, beeindrucken im Regelfall nur den, der gerade erziehen will. Sie erwecken bisweilen durchaus den Anschein, als würden sie schnell und effektiv wirken. Allerdings sollten wir bedenken, dass klassische erzieherische Maßnahmen eher nicht dazu führen, dass junge Menschen plötzlich einsichtig werden und sagen:

„Danke Mami und Vati, jetzt habe ich verstanden. Die Mütze muss vom Kopf, Rauchen ist ungesund und ich sollte besser mal die Frankfurter Allgemeine lesen, als so viel Zeit vor dem Computer zu verbringen.“ Nein, klassische Erziehungsmodelle sind zumeist nur deswegen (vorübergehend) wirksam, weil sie die Integrität des zu Erziehenden bedrohen und keine alternativen Handlungsoptionen zulassen. Im Übrigen – und damit möchte ich mich an dieser Stelle nicht ausführlicher auseinandersetzen – sind diese modern und freundlicher wirkenden Modelle, wie zum Beispiel das ständige Loben oder das manipulative Belohnen nur die Kehrseite einer Erziehung, die auf Drohungen und Strafen (neudeutsch: Konsequenzen) setzt.

Alternative: Beziehung statt Erziehung…

Was ist die Alternative? Hier eine vielleicht etwas ungewöhnliche Antwort in Form eines Briefes:

Liebe Eltern,

versucht nicht, euren Kindern die Ecken und Kanten des Lebens vorzuenthalten. Krisenklau signalisiert Misstrauen und unterbindet Entwicklungsmöglichkeiten. Macht aus euren Kindern keine Glückskäfer, denn sie tragen schwer an den Lasten elterlicher Glückserwartungen. Wenn eure Kinder durch Krisen gehen, stellt euch an den Wegesrand, schenkt ihnen euer Vertrauen, verbindet Wunden und reicht Getränke. Geht ruhig auch eine Meile in den Schuhen eurer Kinder und spürt hin. Nichts scheint der Entwicklung von Kindern zuträglicher zu sein, als dass sie sich von ihren Eltern gesehen fühlen. Aber vergesst nicht, die Schuhe eurer Kinder wieder auszuziehen. Es sind nicht eure Schuhe, es ist nicht euer Weg, es ist nicht euer Leben. Eure Kinder gehören sich selbst. Seid empathisch, einfühlsam, aufmerksam UND klar. Das heißt: Leistet Widerstand und teilt euren Kindern mit, was ihr denkt. Passt gut darauf auf, die Krisen eurer Kinder nicht zu euren Krisen zu machen. Kinder stecken voller Energie, aber sie ertragen es auf Dauer nicht, wenn ihnen in Liebesbeziehungen Hilfe angeboten wird, um dann irgendwann die Erfahrung zu machen, dass sie denjenigen zu Hilfe kommen müssen, die einst Hilfe anboten. Kinder ersticken an Schuldgefühlen, wenn sie den anmaßenden Gedanken denken und glauben, für das Wohl und Übel ihrer Eltern verantwortlich zu sein.

Pubertät ist keine Krankheit!

Und wer es etwas „bodenständiger“ mag:

  • Geht mit euren Kindern in Beziehung. In eine gleichwürdige Beziehung…
  • Seid persönlich.
  • Gebt ihnen echte Rückmeldungen, ohne sie zu entwürdigen.
  • Führt ein eigenes Leben.
  • Verbindet eure Wunden, wenn sich eure Kinder langsam abkapseln.
  • Glättet eure Sorgenfalten.
  • Sprecht möglichst „normal“.
  • Interessiert euch.
  • Hört auf zu referieren und zu diskutieren. Hört lieber zu.
  • Haltet euch mit Lösungen zurück.
  • Mischt euch nicht ständig ein.
  • Feiert Autonomiebestrebungen.
  • Fragt eure Kinder, ob sie eure Unterstützung wollen und brauchen.
  • Prüft, wer gerade ein Problem hat: Eure Kinder oder ihr…
  • Achtet eure Grenzen und die eurer Kinder!!!!!!!!
  • Lasst euch nicht verrückt machen. Auch nicht durch die Schule.
  • Hört auf zu erziehen. Das bringt sowieso nichts!
  • Und macht euch bitte klar: Pubertät ist keine Krankheit. Pubertät ist eine natürliche Entwicklungsphase!!!

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Dein Kind kommt / ist in der Pubertät? Du bist herzlich eingeladen, in meine Familienakademie zu kommen, um dich mit mir und anderen Eltern darüber auszutauschen, wie du mit deinem „pubertierenden Kind“ in eine gleichwürdige Beziehung kommen kannst. 

Hier geht`s lang… – Ich freue mich auf dich. Echt jetzt 🙂 

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN


Bildnachweis: istockphoto.com / pidjoe