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Eltern als Vorbilder – Umgang mit Krisen

Ein Gedankenexperiment: Ich sitze am Abend vor dem Fernseher und will nur noch meine Ruhe haben. Der Tag war mies. Im Moment sind alle Tage mies. Der Chef behandelt mich wie den letzten Dreck, die Kollegen schauen mich an wie einen Aussätzigen und mein Leistungsvermögen war auch schon mal ausgeprägter.

Kurzum: Ich stecke in einer Krise. Meine Partnerin kommt mit angsterfülltem Gesicht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher aus und sagt:

„Du musst mir helfen. Mir geht es ganz dreckig damit, dass es dir schlecht geht und du so oft vor dem Fernseher sitzt. Ich will, dass du wieder glücklich bist, damit ich wieder ruhig schlafen kann. Was MACHE ich nur mit dir?“

Krisenklau

Was für eine Doppelbelastung! Jetzt muss ich auch noch meine Partnerin „retten“. Ich könnte ja wirklich Unterstützung gebrauchen. Meine Partnerin könnte sich zum Beispiel an meine Seite setzen und mir zuhören. Aber nein! Sie bekommt `ne Krise, weil es in meinem Leben kriselt. Ich hasse Krisenklau.

Wenn es Menschen schlecht geht, weil es mir schlecht geht, habe ich den Eindruck, dass ICH mich um SIE kümmern muss.

Warum sollte es Kindern und Jugendlichen anders ergehen?

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„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

„Was können wir mit unserem Kind machen, wenn…?“

Eine typische Eltern-Frage, die auch mir immer wieder gestellt wird. Eine Frage, die, weil sie so normal ist, kaum hinterfragt wird. Eine Frage, die sowohl den Fragenden als auch den Gefragten darauf fokussiert, das Machbare zu erkunden.

Mein erster Gedanke zu der Frage der Machbarkeit lautet: Mit Kindern sollten Eltern überhaupt nichts MACHEN. Mit ihnen wird ohnehin schon viel zu viel gemacht. Sie werden erzogen, bearbeitet, genormt. Nicht nur, aber insbesondere in den pädagogischen Einrichtungen.

Fragen über Fragen

„Und wenn sie stundenlang Computer spielen, unglücklich wirken, nicht mehr zur Schule gehen wollen?“

Meine Empfehlung an Eltern: Bevor ihr reflexartig über das vermeintlich Machbare nachdenkt und Ausschau haltet nach effektiven Tipps, Tricks und Rezepten, haltet inne, um ehrlich zu prüfen, um wen oder was es euch gerade geht.

Versucht ihr, euren Eltern-Ideal-Bildern zu entsprechen? Dann macht euch klar, dass euer Kind nicht dafür zuständig ist, dass ihr euch für gute Eltern haltet. Eure Idealbilder sind eure Idealbilder!

Wollt ihr gegenüber Freunden, Verwandten oder Pädagogen in irgendeiner Form wirken? Dann macht euch klar, dass euer Drang zur Imagepflege zu 100 Prozent eure Angelegenheit ist.

Geht es euch tatsächlich um euer Kind oder darum, dass IHR darunter leidet, wenn euer Kind unglücklich wirkt und Krisen erlebt? Macht euch klar, dass eure Gefühle zu euch gehören und unbedingt von euch verantwortet werden müssen.

Klarheit schaffen

Ja, es kann für uns Eltern emotional herausfordernd sein, wenn unser Kind – zum Beispiel vor dem Hintergrund schulischer Erlebnisse – den Rückzug antritt und sich Dingen widmet, die nach Erwachsenen-Maßstäben belanglos oder geradezu schädigend sind. Und natürlich denken wir als verantwortungsvolle und empathische Eltern darüber nach, wie wir unserem Kind in schwierigen Phasen zur Seite stehen können. Im Übrigen ist es doch nachvollziehbar, wenn wir nicht gerade jauchzen vor Freude, wenn unser Kind in Schwierigkeiten steckt oder / und zu Verhaltensweisen neigt, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Der Impuls, in Krisenzeiten ins MACHEN zu kommen, ist nur zu verständlich. Gleichwohl tun wir als Eltern gut daran, regelmäßig nach innen zu gehen, um uns und unsere inneren Antreiber immer besser kennenzulernen.

Wichtige Fragen könne sein: Was ist unser Motiv? Was gehört zu uns und was gehört zu unserem Kind?

Der Druck des Kindes, glücklich sein zu müssen

Für Kinder ist es auf Dauer überaus belastend, ständig ein glückliches, zufriedenes, ausgeglichenes Leben führen zu müssen. Sehr viele Kinder kooperieren mit den Erwartungen und Sorgen der Eltern, indem sie sich aufschwingen, die Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Eltern zu übernehmen.

Wenn Kinder spüren, dass die eigenen Eltern unter den Krisen und Gefühlen der Kinder leiden, fangen die Kinder irgendwann an, schlechtes Gewissen zu entwickeln und Theater zu spielen. Krisen, Tränen oder Rückzugstendenzen dürfen dann nicht mehr zugelassen und gezeigt werden, weil die Eltern starke und glückliche Kinder „brauchen“. In der Folge „bröckelt“ das Selbstwertgefühl der Kinder, weil sie die Lebenserfahrung machen, nicht die sein zu dürfen, die sie sind.

Persönliche Verantwortung

Eltern können sich nicht entscheiden, ob sie JETZT oder SPÄTER Vorbilder sind. Immer sind sie Vorbilder. Sie leben nicht nur vor, wie man eine Gabel hält. Sie leben auch vor, wie man mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen umgeht. Über ihr Verhalten (und nicht über erzieherische Instruktionen) zeigen sie ihren Kindern, entweder persönliche Verantwortung zu übernehmen – das heißt die Verantwortung für sich selbst – oder eben die persönliche Verantwortung abzugeben. Indem Eltern die Verantwortung für sich und das innere Gleichgewicht auf die eigenen Kinder übertragen, vermitteln sie Schuldgefühle und das Erleben von Ohnmacht.

Und so frage ich dich: Was willst du deinem Kind vorleben?


Du willst deinem Kind Verantwortungsübernahme vorleben?

Du willst mehr über dich und deine inneren Antreiber und Motive herausfinden?

Du willst dich mit anderen Eltern darüber austauschen, wie du mit deinen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen verantwortlich umgehen kannst?

Mach meine Familienakademie zu deiner Familienakademie. Werde Mitglied und nutze die Möglichkeit, mit mir und mit anderen Eltern in den gleichwürdigen Dialog zu kommen.

Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Umgang mit Hausaufgaben – Eltern in der Verantwortung?

Hausaufgaben: Fester Bestandteil unserer Schulkultur mit großem Einfluss auf die Lebensqualität etlicher Familien. Täglich bemühen sich pflichtbewusste Eltern auf Kosten von Geduld, Zeit, Beziehungsqualität und / oder Gesundheit um vollständige und „richtige“ Hausaufgaben. Schließlich wollen sie das „Beste“ für ihr Kind. Und das heißt für nicht wenige Eltern eben auch, den Part des Ersatz-Lehrers zu übernehmen und das Konzept „Schule“ zu Hause fortzuführen. „Gerne“ auch zu Zeiten, da man vielleicht mal ausspannen und nichts tun könnte.

Unterschiedliche Eltern – unterschiedliche Sichtweisen

„Was bilden die sich eigentlich ein?“, beschwerte sich unlängst eine Mutter bei mir. „Nach einem 12-Stunden-Tag soll ich noch dafür sorgen, dass mein Kind die Hausaufgaben nicht nur erledigt, sondern auch noch korrekt abliefert? Nein, da mache ich nicht mit! Das ist nicht mein Job. Sollen die doch denken, was sie wollen!“

Andere (und aus meiner Sicht erstaunlich viele) Eltern äußern sich hingegen in der Weise, dass sie überhaupt kein Hausaufgaben-Problem sehen. Im Gegenteil. Sie seien sogar froh, dass Hausaufgaben erteilt würden, da man als Eltern mit Hilfe von Hausaufgaben einen Einblick davon bekommen könne, wo ihre Kinder „in den Fächern stehen“. Schließlich erzählten die Kinder ja nie etwas aus der Schule und geschadet hätten Hausaufgaben „uns ja auch nicht“.

Hausaufgaben werden also unter anderem deswegen erteilt, weil Eltern auf den neuesten Stand gebracht werden möchten / sollen und weil Hausaufgaben – zumindest im Weltbild der „Das-hat-uns-doch-auch-nicht-geschadet-Vertreter“ kein Unheil anrichten? (Literaturtipp: Sind Hausaufgaben Hausfriedensbruch?)

Umgang mit Hausaufgaben

Es soll Kinder geben, die gerne Hausaufgaben machen und kaum Unterstützung brauchen. Okay! Auch will ich anerkennen, dass es Eltern gibt, die es tatsächlich genießen, sich abends um 19.45 Uhr noch mit dem Kind vor ein Mathebuch zu setzen. Dann soll es so sein. Es ist nicht mein Anliegen, Menschen Probleme anzudichten.

Was aber ist mit denen, die angesichts des Themas „Hausaufgaben“ leiden? Was ist mit all den jungen Menschen, die einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend in der Hausaufgaben-Planwirtschaft verbringen und auf Dauer verzweifeln? Was ist mit all den Eltern, die sich mit dem Lehreraushilfsjob überfordert fühlen und den nächsten Eintrag ins Mutti-Heft fürchten („Ich muss Sie leider darauf aufmerksam machen, dass Jakob wiederholt die Hausaufgaben nicht dabei hatte. Bitte klären Sie das!“)?

Und was ist mit all den Lehrern, die an ihren Schulen entgegen ihrer Werte und Überzeugungen Hausaufgaben erteilen müssen?

Wollen wir all diesen Menschen sagen, dass das Leben nun mal kein Ponyhof ist und der Ernst des Lebens wichtiger ist als das Leben selbst?

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Hausaufgaben – Eine Leidensgeschichte

Nach meiner Einschätzung ist die Geschichte der Hausaufgaben eine einzige Leidensgeschichte. Zu viel Müssen. Zu viel Gehorsam. Zu viel Schule.

Und: Zu wenig Lernen. Der (fachliche) Lerneffekt von Hausaufgaben ist verschwindend gering. Insbesondere dann, wenn Hausaufgaben in Verbindung mit Druck, Angst und Stress aufgetragen werden. Da wird dann eher Druck, Angst und Stress gelernt als Photosynthese.

Nach meiner Ansicht steckt deutlich mehr hinter den klassischen Hausaufgaben als das, wofür sie offiziell ausgegeben werden. Klassische Hausaufgaben führen allen Beteiligten jeden Tag vor Augen, wer das Sagen hat. Sie verpflichten Eltern zur inoffiziellen Unterrichtsassistenz und dienen dem „Lehrer der alten Garde“ als zentrales Instrument zur Disziplinierung und zur täglichen Unterrichtsvorbereitung. Fielen Hausaufgaben weg, müssten sehr viele Lehrer ihre Unterrichts-, Leistungs- und Autoritätskonzepte komplett überdenken.

Gleichzeitig – und das will ich immer wieder bedenken – würde ein Großteil der Lehrerschaft eben auch erleichtert aufatmen, so der Druck der Hausaufgaben endlich wegfiele.

Echt jetzt? Ja, echt jetzt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung und aus unzählige Gesprächen mit Lehrerkollegen. Die Quintessenz:

Was man als Lehrer im Unterricht nicht alles machen könnte, wenn man nicht jeden Tag 15 Minuten lang „die Hausaufgaben kontrollieren“ und 10 Minuten neue Hausaufgaben erklären und mitgeben müsste…

Die Verantwortung der Eltern

Was können Eltern tun oder unterlassen, damit es angesichts des Dauerbrenners „Hausaufgaben“ nicht zum Familien-Flächenbrand kommt? Zunächst einmal können sie nach innen gehen und sich den eigenen Druck anschauen, der, wenn er zu groß wird, wie eine Art Brandbeschleuniger wirken kann. Außerdem halte ich es für wichtig, dass Eltern darüber nachdenken, wofür sie ihrer Meinung nach Verantwortung tragen und wofür nicht.

Ich meine, dass Eltern in erster Linie verantwortlich sind für sich und den eigenen „Tanzbereich“. Damit meine ich: Sie sind verantwortlich für die eigenen Grenzen und Bedürfnisse, das familiäre Stimmungsbild, die Qualität der familiären Beziehungen und die konkreten Alltagsanliegen. Wenn also Eltern zu der Auffassung gelangen, dass Hausaufgaben eine schulische Angelegenheit sind, dann können sie sich mutig bekennen und den Lehrern Entsprechendes mitteilen:

„Wir haben als Familie festgestellt, dass das Thema Hausaufgaben einen großen Einfluss auf unser familiäres Miteinander nimmt. Und das wollen wir nicht. Die Verantwortung für die Hausaufgaben tragen Sie. Die Hausaufgaben liegen ab sofort nicht mehr in unserem Verantwortungsbereich. Wir unterstützen unser Kind gerne und wir sind im Gespräch. Jedoch sind wir nicht verantwortlich.“

Gegenwind

Besonders herausfordernd kann es für Eltern in dem Moment werden, in dem sie merken, dass ihr Kind unter den Lasten der Hausaufgaben zu zerbrechen droht. Dann müssen sie eine Entscheidung treffen, die zum Beispiel mit folgender Frage eingeleitet werden kann:

„Wer oder was ist für uns wichtiger? Die Schule oder unser Kind?“

„Ungehorsame“ Eltern dürfen sich auf Gegenwind einstellen. Noch immer gibt es an unseren Schulen Lehrer, die starke Eltern hassen.

Dazu möchte ich zwei Gedanken bemühen:

  1. „Seit ich den Suchens müde ward, erlernte ich das Finden. Seit mir ein Wind hielt Widerpart, segl` ich mit allen Winden.“ (Friedrich Nietzsche)
  2. Verantwortlich für das Familienleben und für das Wohlergehen der Familienmitglieder sind die Eltern. Verantwortlich für das, was in der Schule passiert und aufgetragen wird, sind die Lehrer.

Du erlebst immer wieder schwierige Lehrer-Eltern-Gespräche?

Demnächst steht ein Gespräch in der Schule an und du weißt nicht, wie du zu deinen Überzeugungen stehen kannst?

Du weißt nicht, wie du mit dem Thema „Hausaufgaben“ umgehen kannst?

Ich biete dir an, im Rahmen der Familienakademie Klarheit über deine Unsicherheiten und Anliegen zu bekommen. Zum Beispiel indem du dich mit mir und den Mitgliedern zum Live-Elternabend triffst.

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Persönliche Verantwortung – Wenn Kinder „Ja“ zu sich selbst sagen dürfen

Wir fördern die persönliche und soziale Verantwortung junger Menschen kaum, indem wir mit Hilfe von Strafen oder Belohnungen Gehorsam einfordern und Referate über ein späteres Leben halten.

Kinder und Jugendliche, die in beängstigenden Familien und Schulen lernen, den Kopf einzuziehen und sich unterzuordnen, sind zumeist auch als Erwachsene überaus kompetent darin, folgsam und „richtig“ zu sein. Sie wissen, was zu tun ist, um fremden Erwartungen zu entsprechen, Strafen zu entgehen und andere Menschen zufriedenzustellen.

„Ja“ zu sich selbst sagen

Das Eigene zu verantworten, ist entfremdeten Menschen indessen fremd, da sie nicht gelernt haben, „Ja“ zu sich selbst zu sagen. Sie haben gelernt, „Jawoll!“ zu sagen.

Fremdbestimmte Menschen sind Fremde im eigenen Leben. Ihnen fehlt der Kontakt zu den wesensgemäßen Bedürfnissen, Grenzen, Interessen und Gefühlen, da sie sich selbst aufgeben mussten, um dazuzugehören.

„Und was heißt das?“, höre ich immer wieder empörte Erwachsene sagen, „Sollen Eltern und Pädagogen jetzt etwa alles abnicken, was Kinder wollen und tun?“

Nein!

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Das Bedürfnis nach Integrität

Das Bedürfnis, nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit ist in uns Menschen genauso angelegt wie das Bedürfnis nach Integrität und Autonomie. Und es völlig in Ordnung, wenn Kinder an der Seite von Eltern und Pädagogen die Erfahrung machen, dass sie nicht immer alles bekommen oder tun können, was ihnen in den Sinn kommt. Kinder müssen durchaus lernen, sich anzupassen.

Wenn jedoch junge Menschen die eigene Integrität aufgeben müssen, um von den wichtigen Erwachsenen angenommen zu werden, zahlen sie auf Dauer einen hohen Preis.

Das Eigene verantworten

Wer nicht ermutigt wurde, nach innen zu gehen, um sich mit sich selbst bekannt zu machen und das Eigene zu verantworten, leidet für gewöhnlich unter einem schwachen Selbstwertgefühl. Überangepasste Menschen bekommen oftmals dann ein gravierendes, existentielles Problem, wenn gewohnte Rahmenbedingungen und Regeln wegfallen oder in ihrer Wahrnehmung in Frage gestellt werden. Für normalisierte Menschen sind Normenabweichungen (und Menschen, die von gewohnten Normen abweichen) eine Bedrohung. Schließlich ist nicht ihr Selbstwertgefühl das Gerüst, das alles zusammenhält, sondern das Normale. Sie wohnen im Gewohnten.

Umweltbedingungen

Wir alle – und ich meine hier in erster Linie Lehrer und Eltern – müssen uns ernsthaft fragen, ob unsere Schulen (im Durchschnitt) Orte sind, an denen junge Menschen das Eigene entdecken und entfalten dürfen. Die Rückmeldungen, die wir heute von etlichen Schülern in Form von Verhaltensauffälligkeiten, Grenzüberschreitungen, Körpersymptomen oder auch Fehltagen bekommen, sprechen aus meiner Sicht Bände.

Geht eine Pflanze ein, wissen wir, dass es eher an den Umweltbedingungen liegt als an der Pflanze. Entwickelt ein junger Mensch Symptome, versuchen wir das Problem über den Symptomträger zu lösen. Das ist nicht gerade schlau.

Freiräume

Ich denke, wir sollten uns an unseren Schulen sehr klar dazu bekennen, dass unser zentrales Anliegen nicht darin bestehen darf, irgendein starres Wissen zu vermitteln und Menschen zu normalisieren. Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, junge Menschen stärkend, vertrauend, empathisch UND klar zu begleiten.

Nicht wenige Erwachsene haben regelrecht Angst davor, jungen Menschen Freiräume zu geben, da sie glauben, auf diese Weise die Büchse der Pandora zu öffnen. Der Punkt ist: Wer bereits als Kind gelernt hat, an der Seite von verantwortungsvollen Erwachsenen persönliche Verantwortung zu übernehmen, lebt eben NICHT ausschließlich lustbetont.

Verantwortungsübernahme

Verantwortungsübernahme kann – bezogen auf den Schulkontext – zum Beispiel bedeuten: „So eine Scheiße. Auf Satzglieder habe ich ja nun überhaupt keinen Bock. Aber okay, ist halt dran und das gehe ich jetzt an.“ Wenn Schüler im Schulalltag genügend Luft zum Atmen bekommen, halten sie es für gewöhnlich sehr gut aus, auch mal das zu tun, worauf sie keine Lust haben. Junge (und alte) Menschen brauchen die Erfahrung, als die gesehen zu werden, die sie sind. Dann können sie auch mal zurückstecken und Pflichten erfüllen.

In der Schulpraxis

Was heißt das in der Schulpraxis? Zum Beispiel kann ich als Lehrer zu meinen Schülern sagen, welche Freiräume sie haben und welche Themen sie bis zum nächsten Sommer bearbeitet haben sollen:

„Hört mal, ihr könnt auch in diesem Jahr an euren Themen arbeiten und ich bin gespannt darauf zu sehen, was euch interessiert und wie ihr eure Ziele angeht. Ihr müsst aber auch wissen, dass es einige Themen gibt, die ich euch vorgebe. Ihr findet diese auf der Lernlandkarte. Wann, wie und mit wem ihr diese Themen bearbeitet, überlasse ich euch. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr gerne zu mir kommen. Und wenn ich merke, dass ihr euch verzettelt, komme ich auf euch zu.“

Verantwortung übernehmen

Eigenverantwortung lernen junge Menschen nicht durch das starre Befolgen von Regeln oder das stringente Abarbeiten von Jahresplänen, sondern durch die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Und wenn es den Schülern schwerfällt, eigenverantwortlich zu handeln? Dann brauchen sie Lehrer, die in Beziehung gehen. Erwachsene, die unterstützen. Personen, die Respekt und Verantwortung vorleben, anstatt einen Mangel an Respekt und Verantwortung zu beklagen.

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Regeln und Grenzen – Konsequenzen einer entwürdigenden Erziehung

Noch immer erstarre ich, wenn ich auf Eltern und Pädagogen treffe, die mit trotzigem Blick verkünden, dass Kinder ganz viele Regeln und Grenzen bräuchten. Gerade in der Trotzphase würden sie auf Nasen tanzen, so sie nicht Konsequenzen für Regelverstöße und Grenzüberschreitungen erführen. Mir wird angesichts solcher Ansprachen kalt und das gehorsame Kind in mir winselt: „Jawoll! Tut mir leid. Ich bekenne mich schuldig.“

Existentielle Konflikte

Kinder, die an der Seite von Eltern aufwachsen, die meinen, dass die Qualität des Elternseins über die Anzahl der Regeln und Grenzen zu bemessen sei, geraten auf Dauer in einen existentiellen Konflikt.

Existentielle Konflikte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Schaden anrichten auf der Ebene des Selbstwertgefühls. Die Wahrnehmung des jungen Menschen, nur unter bestimmten Bedingungen geliebt zu werden, wird zu einem das Selbstbild bestimmenden Motiv mit Langzeitwirkung. Wer erlebt hat, dass die ersten Liebesbeziehungen geprägt waren von Bedrohungen, Grenzüberschreitungen und Bedingungen, wird sehr wahrscheinlich als Erwachsener von einem Liebeskonzept durchdrungen sein, dessen Antriebselemente Angst, Schuld, schlechtes Gewissen und „Vertragsbedingungen“ lauten.

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Beziehungen – Was wir und (unsere) Kinder brauchen

Wie geht es dir in und mit Beziehungen?

Willst DU verhört oder belehrt werden? Wirst DU offen für die Meinung anderer Menschen, wenn sie dir mit Regeln und Grenzen kommen? Hältst DU dich an Vereinbarungen, die keine sind? Erzählst DU (auch weiterhin) von dir und deinen Gefühlen, wenn du zu hören bekommst, dass du dir deine Angst oder deine Wut nur einbildest? Fühlst DU dich angenommen, wenn dein Gegenüber nicht zuhört und stattdessen argumentiert? Freust DU dich über Gesprächspartner, die dich von oben herab behandeln? Erlebst DU dich als Subjekt, wenn dir jemand mit Methoden oder Gesprächstechniken kommt? Zeigst DU dich von deiner verletzlichen Seite, wenn du ständig zu hören bekommst, was du alles falsch machst? Brauchst du Fleißbienchen, Schneckenpokale oder Stempel als Rückmeldungen?

Nein?

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Was brauchst DU in Beziehungen?

Dann nimm dein „Nein“ in die Arme und frag dich, was DU brauchst, um im Zusammenleben mit anderen Menschen zu wachsen. Schreib deine Gedanken dazu auf und prüfe, ob du in deinem Alltag bekommst, was du brauchst. Beobachte außerdem, ob du persönliche Verantwortung für deine Bedürfnisse übernimmst. Frag dich, ob du offen aussprichst, was du von deinen Mitmenschen brauchst oder ob du von ihnen erwartest, dass sie deine Bedürfnisse automatisch erspüren und befriedigen.

Die Königsdisziplin der Selbstreflexion

Kommen wir nun zur „Königsdisziplin der Selbstreflexion“…

Du bist Mutter / Vater oder Lehrer? Dann mach` dir Folgendes klar:
Das, was DU im zwischenmenschlichen Miteinander brauchst, braucht auch dein Kind bzw. dein Schüler.

„Ja, aber…!“

Nein, das ist nichts anderes. Es sei denn, du gehst davon aus, dass Kinder / Schüler NICHT gleichwertig sind.

Andreas Reinke – INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN


Wenn du ein echtes Interesse daran hast, vor dem Hintergrund DEINER Bedürfnisse und Erfahrungen zu wachsen – was wiederum die Voraussetzung ist, um die Qualität der Beziehungen im Außen zu erhöhen – bist du ganz herzlich eingeladen, meine Familienakademie zu deiner Familienakademie zu machen.
Übrigens: Ab dem 20.01. startet mein siebenwöchiger Kurs zum Thema „Meine Familie – Vom bedrückenden Ideal zum lebendigen Original“. Die Teilnahme am Kurs ist in der Mitgliedschaft enthalten!

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Erziehung – Was ist das eigentlich?

„Fang` mal an, dein Kind richtig zu erziehen!“ Ein Satz, der gegenwärtig wie ein Fallbeil durch etliche Räume und Köpfe schwirrt. Täglich werden Eltern konfrontiert mit „gut gemeinten“ Erziehungsmethoden und Horrorszenarien. Zu Erziehungsberatern schwingen sich auf wahlweise Großeltern, Freunde, Nachbarn, Ex-Partner, Experten, Pädagogen oder ein Herr Langer, der in dem Film „Elternschule“ mit promoviertem Grinsen Kinder zum Erstarren und Funktionieren bringt.

„Okay, wenn es anders nicht geht!“, resümieren nicht wenige verzweifelte Eltern heute, um dann – vollgepumpt mit Erziehungs-Adrenalin und Erziehungsideen – auf Kosten von Bauchgefühlen, Selbstwert, Beziehungsqualität, Vertrauen und Energie durch die Gegend zu erziehen.

Der Preis des Ungehorsams

Gerade jene Eltern jedoch, die Unsicherheit in Mut umwandeln können und nicht blindlings in das Erziehungs-Horn blasen, fragen nach, begehren auf, suchen nach Alternativen. Ihnen müsste man Preise für Zivilcourage verleihen. In einer Welt jedoch, die noch immer durchdrungen ist von der Idee des Gehorsams, bekommen Eltern, die eigene Wege beschreiten und Kinder als gleichwürdige Wesen sehen, nicht etwa Preise verliehen. Nein, ähnlich wie auch ihre Kinder zahlen sie für ihren Ungehorsam einen hohen Preis. Sie werden – zum Beispiel seitens der Schule – an den Pranger gestellt und unter Androhung von Konsequenzen zum Therapeutenbesuch verpflichtet.

Was mich wirklich wundert, ist, dass selten der Frage nachgegangen wird, was Erziehung eigentlich ist?

Die klassische Erziehung

Für die meisten Menschen bedeutet Erziehung, dass die Erwachsenen Ansagen machen (müssen) und Kinder / Jugendliche zu folgen haben. Wenn nicht, dann…! Der Ablaufplan folgt einem gleichbleibenden Prinzip: Eltern stellen klare Regeln und Grenzen auf, befestigen unterschriebene Vereinbarungen an Kühlschranktüren und drohen mit Konsequenzen für ungebührliches Verhalten. Und ganz wichtig (man stammt ja nicht aus der Steinzeit): Eltern sollten viel loben und belohnen. Schließlich müssen die Kleinen unbedingt darin bestärkt werden, sich „richtig“ zu verhalten.

Die Suche nach dem heiligen Erziehungs-Gral hat (mal wieder) Hochkonjunktur. In etlichen Veröffentlichungen, Elternabenden und (informellen) Beratungsgesprächen wird appelliert an die Umsetzung des uns allen bekannten „Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzips“. Kindern, die auf Nasen herumtanzen, die Weltherrschaft an sich reißen, tyrannisieren, herumtrotzen, „Nein!“ sagen, laut sind, zu Wutausbrüchen neigen, sich zurückziehen, in der Schule auffällig werden, über Stunden vor dem Rechner sitzen, nicht mehr mitmachen, sich nichts sagen lassen, herumzappeln, Zähne vernachlässigen oder dem Lehrer die kalte Schulter zeigen, muss unbedingt Einhalt geboten werden.

Und wie? Ganz klar: Durch Erziehung!

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Wenn junge Menschen zu Problemen gemacht werden…

Ja, und? Wo liegt das Problem? Das Problem ist, dass Kinder / Jugendliche gerade dadurch Probleme bekommen, dass sie ständig zu Problemen und Erziehungs-Objekten gemacht werden. Wer heute jung ist, mag vielleicht eine PS4 in seinem Zimmer stehen haben. Jedoch wachsen unzählige junge Menschen heute auf mit der Erfahrung, dass sie falsch, unzureichend und eine Belastung sind. Permanent bekommen sie zu hören, dass sie anders sein sollten. DAS erzieht! Mit der Rute werden sie (eher) nicht mehr verdroschen, dafür aber mit Worten, Liebesentzug, Gewissensbissen, modern anmutenden Erziehungsmethoden. Jeden Tag treffen sie auf Erwachsene, die mindestens insgeheim denken: „Wir wünschen uns andere Kinder und Jugendliche.“

Unsere Grundhaltung gegenüber jungen Menschen hat sich in den letzten Jahren nicht wirklich weiterentwickelt:

„Wir entscheiden, wie ihr zu sein habt und wenn ihr nicht unseren Bildern entsprecht, müssen wir eure Grenzen verletzen. Insbesondere dann, wenn ihr unsere Grenzen verletzt.“

Das „Prinzip Konsequenzen“

Die klassische Erziehung mag vielleicht kurzfristig einen Effekt und Auswirkungen auf das Verhalten junger Menschen haben. Wenn man allerdings schon das „Prinzip Konsequenzen“ predigt, sollte man bitte auch konsequent genug sein, um die möglichen Konsequenzen einer auf Entwürdigung basierenden Erziehungsidee aufzuzeigen.

Erziehung (im traditionellen Sinne) schwächt das Selbstwertgefühl, die Beziehungen, das Potential zur persönlichen und sozialen Verantwortungsübernahme, die Fähigkeit zur (Selbst-) Empathie, das Ur-Vertrauen, den gesamten Energiehaushalt.

Erziehung ist das, was vorgelebt wird…

Erziehung ist weniger das, was Erwachsene sagen und einfordern. Erziehung ist das, was sie wie vorleben. Kinder und Jugendliche verhalten sich immer zu dem, was ihnen von den Erwachsenen gewollt und ungewollt vorgelebt und mitgeteilt wird. Sowohl in der Familie als auch in der Schule verhalten sich junge Menschen nicht „nur“ zum gesprochenen Wort. Sie verhalten sich stets zu Stimmungen, zu Mustern, zu Blicken, zum Unausgesprochenem, zu Handlungswerten. Eine Schule kann noch so oft die Schauwerte „Vertrauen und Verantwortung“ im Konzept stehen haben. Wenn Misstrauen und Verantwortungslosigkeit den Alltag ausmachen, kooperieren Schüler mit Misstrauen und Verantwortungslosigkeit.

Sollen Lehrer erziehen?

Die Frage, ob Lehrer erziehen sollen oder nicht, ist komplett irreführend und Ausdruck einer schultypischen Verantwortungslosigkeit. Lehrer können nicht nicht erziehen. Kinder / Schüler kooperieren immer. Sie kooperieren nicht nach dem Prinzip einer Computertastatur (ich drücke willentlich den Buchstaben A und auf dem Bildschirm erscheint der Buchstabe A…) Sie kooperieren auf eine sehr individuelle Weise mit dem, was bei ihnen wie ankommt. Unabhängig davon, ob die Erwachsenen entschieden haben, ob genau DAS bei ihnen ankommt.

Eltern und Lehrer müssen sich heute fragen, was Kinder bzw. Schüler mit auf ihren Weg bekommen, wenn diese ständig beschuldigt, beschämt, ab- und bewertet, ausgeschlossen, angetrieben, verletzt, gelobt, kategorisiert, missachtet, verängstigt, bedroht, erzogen werden.

Unfassbar viele Kinder und Jugendliche entwickeln heute Symptome, weil sie einer integritätsverletzenden Erziehung durch Eltern und Pädagogen ausgesetzt sind. Über Symptome (unwillkürliche Lösungsversuche) kommunizieren junge Menschen, dass sie etwas anderes brauchen als das Bisherige. Sie brauchen keine (klassische) Erziehung. Sie brauchen gleichwürdige Beziehungen.

Umgang mit Symptomen

Wenn jedoch Erwachsene meinen, die Symptome junger Menschen über (noch mehr) Regeln, Grenzen und Konsequenzen eliminieren zu können, werden sie – wenn auch ungewollt – die existentiellen Probleme derer verstärken, die sich über Symptome mitzuteilen versuchen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob Regeln neuerdings Rituale heißen, Grenzen mit einer Schleife versehen werden oder Strafen in Konsequenzen umgetauft werden.

Wer als Erwachsener der Meinung ist, man könne, dürfe und müsse die Integrität von Kindern verletzen, um sie ruhig- bzw. wieder richtig einzustellen, hat offensichtlich vergessen (oder nie erfahren), dass auch junge Menschen Grenzen, Bedürfnisse und Gefühle haben. Dass manche Eltern (und Lehrer) dazu neigen, Kinder über Regeln und Grenzen zu entwürdigen, ist schlimm genug. Wenn gleichwohl „Experten“ zu verunsicherten und ermüdeten Eltern sagen, dass es wichtig sei, über Kinder zu herrschen, wird es Zeit, den Mund aufzumachen bzw. das Gespräch abzubrechen.

Gleichwürdigkeit ist nicht Unterwürfigkeit…

Die Integrität junger Menschen zu respektieren, heißt im Übrigen nicht, sich zum Spielball von Kindern oder Jugendlichen zu machen. Gleichwürdigkeit ist nicht Unterwürfigkeit.

Gleichwürdigkeit ist eine Liebeserklärung an unser aller Individualität. Viele Menschen fragen, wie denn das „mit der Gleichwürdigkeit“ in der Beziehung zu Kindern und Jugendlichen aussehen kann. Diese Frage ist nicht nur okay. Diese Frage ist absolut sinnvoll und folgerichtig. Schließlich haben die wenigsten Erwachsenen in der eigenen Kindheit und Jugend gleichwürdige Beziehungen mit Erwachsenen erlebt.


In meiner Familienakademie arbeite ich mit Eltern zusammen, die sich dazu entschieden haben, sich aktiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sie mit ihren Kindern in einen gleichwürdigen Kontakt kommen können. Dieser Prozess erfordert das Wagnis, sich mit sich selbst näher bekannt zu machen.

Bis zum Jahresende kannst du Mitglied werden für 19.90 € im Monat. Im Preis enthalten sind Elternabende, Impuls-Videos, Austausch in geschlossener Gruppe, Expertengespräche.

In 2020 wird es außerdem geben einen Online-Kongress und einen siebenwöchigen Kurs.

Ab dem 01.01.2020 werde ich die Beiträge für NEUE (!) Mitglieder in meiner Familienakdemie deutlich erhöhen…

Meine Empfehlung: Jetzt anmelden für den (noch) sehr geringen Startpreis! 60 Tage Rückgabe-Garantie… 

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Eltern unter Stress – Zufriedenheit durch Unzufriedenheit…

„Wie geht es dir?“, fragt eine Mutter die andere. „Muss ja“, antwortet die Gefragte gleichzeitig gestresst und einverstanden. Und während auf ihrer Stirn Sorgenfalten Platz nehmen, verkünden Mundwinkel Stolz. „Kenn ich“, entgegnet Mutter 1 mit leicht zornigem Blick, „aber zumindest hast du keinen Hund.“

Stress – Ein Qualitätsmerkmal?

Das neue Qualitätsmerkmal der Erwachsenen: Nur der, der am Ende des Tages mit hängender Zunge auf dem Sofa liegt und kurzatmig das Unerreichte beklagt, darf mit sich und der Welt im Reinen sein. Zufriedenheit durch Unzufriedenheit. Wem es noch gut geht, geht es wohl noch zu gut. Und wehe dem, der ein Kind zu Hause hat, das entspannt „in den Tag hineinlebt“. Da kann man schon mal aus der Haut fahren…

Ich denke, dass wir, die wir ständig über Stress und „tyrannische Kinder“ jammern, sehr ehrlich mit uns und unseren verinnerlichten und Selbst(ab)wert(ungs)-Konzepten umgehen müssen. Ja, wir leben heutzutage in Umgebungen und Strukturen, die nicht gerade zum federleichten (Familien-) Leben einladen. Und natürlich müssen wir nicht unbedingt „Hurra!“ rufen, wenn sich unsere Kinder verhalten wie die Maden im Speck. Vor allen Dingen dann nicht, wenn sie die Maden sind und wir der Speck.

Verantwortung statt Ohnmacht

Nur, was wollen wir machen? Wollen wir uns schon wieder beschweren? Und wenn ja, bei wem denn überhaupt? Bei unseren Kindern? Bei „denen da oben“? Beim lieben Gott? Es gibt nur eine Alternative zur Ohnmacht und diese lautet: Verantwortung.

In Bezug auf das Thema „Stress“ dürfen wir uns also fragen – und zwar wertschätzend: „Was ist unser Anteil?“

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Zunächst einmal müssen wir wissen, dass lediglich ein Zusammenwirken aus äußeren UND inneren Stressoren dazu führen kann, dass Menschen gegen die Stress-Wand fahren und schließlich im Burnout zum Erliegen kommen. Ich wiederhole. Die Arbeitskontexte sind heute für viele Menschen das, was vor Urzeiten der Säbelzahntiger war: Übermächtig, beängstigend, gefräßig. Und ich weiß aus eigener Erfahrung als Lehrer, dass es unsagbar herausfordernd sein kann, in einem Arbeitsumfeld „bei sich“ zu bleiben bzw. sich nicht verrückt machen zu lassen, das auf Selbstaufgabe setzt und Menschen zu Objekten macht.

Ich bin nicht allmächtig und ich bin nicht ohnmächtig

Dennoch oder gerade deswegen: Wir tragen die Verantwortung! Für die Art, wie wir mit den Umständen umgehen. Für das, was in uns ist. Für das, was wir unseren Kindern vorleben. Für das, was zwischen uns und unseren Kindern passiert. Und eine gesunde Verantwortungsübernahme kann nur dort gedeihen, wo klar ist: Ich bin nicht allmächtig und ich bin nicht ohnmächtig.

Viele Eltern – insbesondere Mütter – werden unwillkürlich (!) angetrieben von eingefleischten und impliziten Kindergelübden. Sie geben sich in ihrem Elternsein geradezu auf, um sich wertvoll zu fühlen. Gelernt haben sie, sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Liebe – so schreiben es die inneren Antreiber vor – ist eine Form der Dienstleistung und „Ich will…“ ist im Urlaub. Und bitte: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Übersät mit Gewissensbissen dienen sie ihrem Konzept der Fleißbienchen. Genugtuung? Nein, denn: „Du hast nicht und nie genug getan!“

Den Akku aufladen

Eine verzweifelte Mutter kommt in meine Elternberatung und will wissen, was sie mit ihrem Sohn machen kann, der sehr fordernd ist und kein Gespür zu haben scheint für ihre persönlichen Grenzen. Wir reden eine Weile und nach einer Gesprächspause frage ich sie, ob sie sich auch mal Auszeiten nimmt. „Natürlich“, entgegnet sie geradezu empört. Ich möchte gerne erfahren, wie und wann sie ihren Akku wieder auflädt. Sie: „Samstags ist meine Zeit. Immer vormittags werde ich von meinem Kind in Ruhe gelassen.“ Auf die Frage, was sie denn am Samstagvormittag mache, dass sie sich eine Auszeit nehmen könne, sagt sie: „Putzen!“

Im weiteren Gesprächsverlauf stellt sich heraus, dass die Mutter nicht deswegen putzt, weil Putzen zu ihren liebsten Freizeitaktivitäten gehört. Putzen hat in dieser Familie schlicht und ergreifend eine unumstößliche Autorität. Das heißt: Putzen ist wichtig. Sehr wichtig. So richtig, richtig wichtig. Beim Putzen stört man nicht. Wenn allerdings die Mutter ein Buch lesen will, wird sie von ihrem Sohn nicht in Ruhe gelassen.

Wechselwirkungen und Stress

Wir fassen also zusammen: Das Problem ist ein „unmögliches“ Kind, das über Erziehung und Reglementierungen zum Respekt erzogen werden muss.

Nein.

Nächster Erklärungsversuch: Das Problem ist eine Mutter, die einfach ein bisschen doof ist und ganz klar in die Kategorie „Helikoptereltern“ gehört.

Nein.

Das Problem ist: Wenn Elternliebe (im Übrigen auch Nächstenliebe) verstanden wird als der Auftrag, sich selbst schlecht zu behandeln, entstehen in engen Beziehungen destruktive und stressverursachende Wechselwirkungen. Auf allen Seiten. Mama gibt sich auf, Sohnemann verhält sich wie ein Parasit UND fühlt sich verantwortlich und schlecht.

Kooperation – Vorleben ist Erziehung

Kooperation heißt, dass sich unsere Kinder zu uns verhalten. Immer. Sie verhalten sich zu der Art, wie wir leben. Sie verhalten sich dazu, wie wir essen, wie wir arbeiten, wie wir denken, fühlen, handeln. Sie verhalten sich dazu, wie wir mit uns und unseren Grenzen, Bedürfnissen und Werten umgehen. Und sie verhalten sich zu unserem Stress. Unser Vorleben ist Erziehung. Alles andere ist vielleicht nett gemeint.

Eltern, die sich vor dem Hintergrund ihrer Wertsteigerungsprogramme („Ich leiste, also bin ich…“) und Liebeskonzepte („Liebe ist eine Dienstleistung und muss man sich verdienen…“) aufgeben, sind kein Geschenk. Sie sind eine Überforderung. Für sich selbst und für ihre Kinder.

Ich kenne Eltern, die froh sind, wenn das Wochenende endlich vorüber ist. Für sie sind Wochenenden eine Qual. Sie verbringen ihre Freizeit nicht etwa damit, sich dem „köstlichen Nichts“ und dem Wohlergehen hinzugeben. Sie arbeiten. Entweder mit Putzlappen in Küchen. Oder aber an und mit ihren Kindern.

Stress entsteht…

Stress entsteht, wenn wir über lange Zeit tiefere Bedürfnisse ignorieren und nicht aus Bedürfnissen handeln. Unter Stress setzt der Körper Kortisol frei, eines der Hormone, das uns in bedrohlichen Situationen mobilisiert. Intelligentes und kreatives Problemlösen ist sehr stressanfällig. Und falls jemand der Meinung ist, ganz wichtige Sätze zu markieren oder an die Kühlschranktür zu hängen. Der folgende Schachtel-Satz ist dafür prädestiniert:

Wir haben unter Stress keinen optimalen Zugang zu unseren Kompetenzen und Werten und das ist der Grund dafür, dass wir manchmal Dinge tun, die wir doch eigentlich gar nicht tun wollten und deswegen müssen wir gut für uns und unsere Bedürfnisse sorgen und deswegen sage ich „JA“ zu mir selbst und deswegen bin ich keine schlechte Mutter und kein schlechter Vater, wenn ich mir gut tue, sondern ich bin ein wunderbares Rollenmodell in der Übernahme persönlicher Verantwortung.

Und jetzt: Durchatmen, Luft holen, Kaffee trinken…
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In meiner Familienakademie erinnern wir uns regelmäßig an unsere Vorbildfunktion als Eltern. Und das heißt nicht unbedingt, dass wir darüber beratschlagen, wie wir unseren Kindern gute Manieren beibringen. Das heißt, dass wir uns gegenseitig ermutigen, zu uns, unseren Bedürfnissen und Grenzen zu stehen. Und wer behauptet, dass das in Liebesbeziehungen immer einfach wäre, kriegt Ärger und was mit dem Putzlappen 😊.

Du bist ganz herzlich eingeladen…

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Mobbing

Mobbing in der Schule – Ein Führungsproblem…

Mobbing ist kein Problem, das von Kindern und Jugendlichen ausgeht. Mobbing ist in erster Linie ein von den Erwachsenen zu verantwortendes Führungsproblem. Wenn junge Menschen vorgelebt bekommen, dass es in Ordnung und zielführend ist, Macht zu missbrauchen, Integrität zu verletzen, Menschen zu entwürdigen und „Schwächere“ auszugrenzen, lernen sie Machtmissbrauch, Integritätsverletzung, Entwürdigung, Ausgrenzung. Sie lernen Mobbing.

Null-Toleranz-Haltung gegenüber Mobbing?

Das Potential zum Mobbing ist in uns genauso angelegt wie das Potential zur empathischen Mitmenschlichkeit und zum kooperativen Miteinander. Mir persönlich scheint gerade im Zusammenhang mit dem Thema „Schule“, dass der Begriff der Potentialentfaltung doch immer wieder etwas zu einseitig bzw. zu rosarot gesehen wird. Zu unseren Potentialen gehört ALLES, was in uns ist. Nicht nur das sogenannte „Gute“.

Wir müssen uns fragen, WELCHE Potentiale wir an unseren Schulen WIE wecken und entfalten wollen und WELCHE Potentiale wir an unseren Schulen WIE wecken und entfalten. Wir müssen also unterscheiden lernen zwischen dem, was wir erreichen wollen und dem, was wir tatsächlich erreichen! Auch bezogen auf das Thema „Mobbing“.

Würde man 100000 Lehrer fragen, ob sie ihren Schülern Mobbing beibringen wollen, würden 100000 Lehrer antworten: „Nein!“. Einige Lehrer würden ihr „Nein!“ sehr wahrscheinlich noch etwas ausschmücken. Zum Beispiel mit dem Satz: „Was ist denn das für eine bescheuerte Frage?“

Und dennoch geschieht es, dass gerade auch jene Lehrer, die sich mit erhobenem Zeigefinger über die unhaltbaren „Mobbing-Zustände“ an unseren Schulen empören und aus voller Überzeugung eine Null-Toleranz-Haltung kommunizieren, Mobbing praktizieren, vorleben und provozieren.

So geschehen im folgenden Beispiel:

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Und jedem Mobbing wohnt ein Anfang inne: Applaus, Applaus!

Ein Erstklässler stellt nach wenigen Wochen seine Bemühungen komplett ein. Er verhält sich auffällig, aggressiv, grenzüberschreitend. Mittlerweile neigt er dazu, die „Schwächeren“ zu drangsalieren. Lehrer und Schulleiter instruieren die Mutter, sie möge sich „bitte“ Hilfe holen, weil ihr Sohn ein bedenkenswertes und nicht zu tolerierendes Verhalten an den Tag lege. Wenn sich die Mutter nicht sofort kümmere, müssten andere Schritte in Erwägung gezogen werden…

Im Beratungsgespräch erzählte mir die völlig verzweifelte Mutter, was dem Jungen widerfahren war. Die Klassenlehrerin hatte eines Tages folgende Marschroute ausgegeben:

„Wer bis zum Ende einer Woche sechs Arbeitsbögen gelöst hat, darf vor die Klasse kommen und erhält einen großen Applaus.“

Nachdem der Junge vergeblich versucht hatte, das zu bearbeitende Pensum zu erledigen und den heiß ersehnten Applaus zu bekommen, hatte er seine Arbeit irgendwann eingestellt. Warum? Er hatte die bittere Erfahrung gemacht, dass er nicht „gut genug“ war. Ihm war sehr deutlich vor Augen geführt worden (und zwar im wahrsten Sinne des Wortes), dass er nicht zu den Auserwählten gehörte, sondern zu den Versagern.

Lernen ist „Beifang-Lernen“

An guten Tagen kann ich mich darüber amüsieren, dass viele Lehrer offensichtlich der Auffassung sind, dass Lernen eine linear-kausale, komplett planbare, fachlich zu definierende und im Grunde genommen sehr simple Angelegenheit ist. Nach dem Motto: Meine Schüler lernen das, was ich ihnen beibringen will. Ende Gelände. Wenn Schüler das zu Erlernende lernen, ist es mein Verdienst. Hingegen bin ich weder verantwortlich dafür, wenn sie etwas NICHT lernen, noch dafür, dass sie abseits des zu Erlernenden noch viele andere „Nebenprodukte“ mitlernen. Gerald Hüther spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Beifang-Lernen“. Das heißt: Menschen lernen nicht nur ein WAS (einen Inhalt); sie lernen immer auch das WIE mit, d.h. diejenigen Gefühle, Stimmungen und Kommunikationsstile, die in der Auseinandersetzung mit einem WAS den Gemütszustand desjenigen „färben“, der sich mit einem Lerninhalt auseinandersetzt.

Unerwünschte UND vorgelebte Mobbinghandlungen

Zu den typischen Mobbinghandlungen gehören: Demütigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, Zuweisung sinnloser Aufgaben, Gewaltandrohung, soziale Isolation oder ständige, unangemessene Kritik an der Arbeit.

Genau diese Mobbinghandlungen werden an unseren Schulen täglich vorgenommen und vorgelebt. Nicht zuletzt gerade von denen, die sich voller Inbrunst GEGEN Mobbing aussprechen.

Jeden Tag werden Myriaden an Schülern vor versammelter Mannschaft beschimpft, kritisiert, lächerlich gemacht, angeschrien, definiert, manipuliert, bloßgestellt, abgewertet, schuldig gesprochen, zum Abschuss freigegeben, kategorisiert, verglichen, abgestempelt, bedroht, ermahnt, bestraft, gezwungen, verängstigt, mit komplett sinnlosen Strafarbeiten zugemüllt, auf „stille Stühle“ gesetzt, in „Trainingsräume“ geschickt und mit einem Lächeln für „vogelfrei“ erklärt. Sie werden gemobbt!

„Bestünde Lehrern nur im Erklären, wäre es eine einfache Aufgabe.“, sagen Daniel Siegel und Mary Hartzell.

Bestünde die Lösung einer sich stetig ausbreitenden Mobbing-Problematik nur im Erklären (oder darin, Schüler in Anti-Mobbing-Programme zu schicken), wäre es eine einfache Aufgabe.

Mobbing ein Problem für Schüler UND für Lehrer

Schulische Mobbing-Täter und Mobbing-Opfer sind im Selbstwert ramponierte Individuen, die – je nach Persönlichkeitsstruktur und Erfahrungshintergrund – mit dem kooperieren, was ihnen in den jeweiligen Schulen / Klassen vorgelebt und angeboten wird. Ich denke, wir müssen uns im Schulkontext bewusst machen, dass der Selbstwert unzähliger Menschen existentiellen Schaden nimmt. Und mittlerweile gehören zu den „unzähligen Menschen“ vermehrt auch Lehrer selbst. Regelmäßig berichten mir Lehrer davon, dass sie in ihren Kollegien gemobbt werden…

Wer meint, dass das Problem des gegenwärtigen Lehrermangels allein über höhere Gehälter zu lösen wäre, hat nicht verstanden, dass sich immer mehr angehende und etablierte Lehrer gegen den Lehrerberuf entscheiden, weil sie spüren, dass ihnen das, was sie erwartet und das, was von ihnen verlangt wird, nicht gut tut.

SIE dürfen „Nein“ zu Schule sagen.

Schüler nicht.


In der Familienakademie bekommst du die Möglichkeit, auf vielfältige Weise und mit meiner direkten Begleitung an den Themen und Fragen zu arbeiten, die dich als Mutter / Vater / Mensch beschäftigen.

Hier geht es lang…

Andreas Reinke
INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN

Schule und Verantwortung

Schule und Verantwortung – „ES“ läuft, wie „ES“ läuft…

Manchmal gehe ich in meine Küche und denke: „Was für ein Chaos. Ich will dieses Durcheinander doch gar nicht. Warum in Gottes Namen sieht meine Küche ständig so aus, obwohl ich doch gar nicht will, dass sie so aussieht?“ Und während ich dann darüber nachdenke, warum „ES“ immer wieder passiert, setze ich meine Küche unter Wasser, weil ich hektisch, unbedacht und unkoordiniert einen Kaffeebecher ausspüle.

„Ich könnte ja mal was ändern“, tönt es in meinem Kopf, während ich mir frischen Kaffee eingieße und die Hälfte des Gebräus auf den Fußboden schütte. „Ja, das ist doch mal eine gute Idee“, stelle ich fest.

Von meinem Entschluss geradezu ergriffen, lasse ich die Milchflasche auf der Spüle stehen, um beim Verlassen der Küche auf den Keks zu treten, der mir gerade vom Teller gefallen ist. „Meine Küchensituation“, so phantasiert mein wirrer Kopf, „ist doch irgendwie vergleichbar mit der Situation an meiner Schule beziehungsweise an unseren Schulen“. Ich gehe aus der Küche, verbreite den zerbrochenen Keks im Wohnzimmer, bevor ich mich an meinen Laptop setze, um mich schreibend dem Thema „Schule und Verantwortung“ zuzuwenden.

Schwierige Schüler, Lehrpläne, Noten – Die lange Liste der Beschwerden

„ES“ passiert. „ES“ passiert, obwohl kaum jemand will, dass „ES“ passiert. Noch nie habe ich einen Lehrer getroffen, der aus voller Überzeugung gesagt hat, dass es im Bereich Schule so richtig, richtig gut läuft. Nahezu alle sind unzufrieden. Die Liste der Beschwerden ist lang: „Schwierige“ Schüler, „Hubschraubereltern“ (oder „Helikoptereltern“), Lehrpläne, Noten, Schulleiter, „die da oben“, gestiegene Anforderungen, sinkendes Niveau, Ausstattung, Klassenstärken, fehlendes Personal, Unterrichtsmaterial…

Und obwohl wir doch alle miteinander stöhnen, kritisieren, meckern – die Tendenz, sich an unsere Schulen über Schuldzuweisungen zu solidarisieren, ist verbreitet – legen wir doch jeden Tag die alten Filmrollen ein, um den Horrorfilm „ES“ aufzuführen. Immer wieder. „ES“ passiert und „ES“ waren die anderen. Böse, heile Welt: Wenn „ES“ die anderen waren, war „ES“ nicht ICH.

Das Spiel der Schuldzuweisungen spielen wir an unseren Schulen schon seit Ewigkeiten. Kalter Kaffee sozusagen…

(Ist es nicht merkwürdig, dass man nur einen einzigen Buchstaben austauschen muss, um aus dem Wort „Schule“ das Wort „Schuld“ zu machen?)

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Verantwortung: Meine Küche. Meine Unordnung. Meine Krümel.

Nun ist MEIN Kaffee kalt. Zu lange habe ich über merkwürdige Vergleiche und Bilder nachgedacht. Ich muss nachfüllen. Ich gehe in die Küche und frage mich, was da unter meinen Füßen knirscht. Ich werde wütend: „Verdammt nochmal, wer hat den Keks in der ganzen Wohnung verteilt? Keine Schuldigen weit und breit. Schade eigentlich. Dabei wäre es durchaus ENTlastend, andere zu BElasten, oder?

Ganz klar: Ich war „ES“. „Okay“, denke ich, „morgen bringe ich meine Küche in Ordnung.“ Ich höre auf, nach Schuldigen zu suchen und übernehme Verantwortung. ich bin mein eigener Küchenchef.

Meine Küche. Meine Unordnung. Meine Krümel.

Und: Mein Entschluss: „Nicht morgen. Jetzt. Ich ändere jetzt etwas.“ Weil ich es mir wert bin. Weil ich es kann. Weil es meine Verantwortung ist. Meine Küche ist nicht wirklich groß, aber sich DARÜBER aufzuregen, wäre ziemlich bescheuert. Niemand hat mich gezwungen, diese Wohnung zu beziehen. Ich könnte den Mietvertrag kündigen und mir eine Wohnung mit einer größeren Küche suchen. (Meine Tochter ist 14 Jahre alt und kann sich das nicht aussuchen!) Wie also kann ich DIESE Küche so gestalten, dass ich mich hier wohlfühle?

Auf geht´s…

Meine Klasse. Meine Verantwortung. Meine Gestaltungsmöglichkeiten

Manche nennen das, was ich zu tun gedenke, eine Aufräum-Aktion. Ist mir zu banal. Ich brauche mehr Pathos:

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Und lieber Gott: Bitte erinnere mich doch daran, wenn ich mal wieder Schuld und Verantwortung miteinander vermenge. Kümmere DU dich doch bitte um das Thema „Schuld“. Ist nicht so ganz mein Kerngebiet…

Und morgen? Morgen fahre ich in die Schule. Was kann und will ich an DIESER Schule, in MEINER Klasse, unter DIESEN Voraussetzungen anders machen als bisher?

Die Verantwortung für die Qualität der Beziehungen

Ich kann und ich muss mir meiner Verantwortung für die Qualität der Beziehungen bewusst werden. Für den „Duft in der Bäckerei“ (eine Formulierung aus dem phantastischen Buch „Neue Führungskompetenz“ von Martin Mourier) bin ICH als Lehrer verantwortlich, nicht das Bildungsministerium. Konkret kann das folgendermaßen aussehen:

Ich setze mich mit Keksen zu meinen Schülern und sage (aufrecht und klar!): „Wisst ihr, ich habe festgestellt, dass es mir in den letzten Wochen nicht gut gelungen ist, für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Mir ist aber wichtig, dass wir uns in dieser Klasse wohlfühlen. Jetzt brauche ich eure Ideen: Was kann ich anders machen als bisher?“

Meine Küche. Meine Unordnung. Meine Krümel.

Meine Klasse. Meine Verantwortung. Meine Gestaltungsmöglichkeiten.


Du magst Kekse 🙂 und neigst auch dazu, etwas „unordentlich“ über Themen, wie zum Beispiel Schule, Familie, Elternsein, Beziehungen und Bedürfnisse  nachdenken. Dann lade ich dich ganz herzlich ein, in meine Familienakdemie zu kommen. In der Familienakademie kannst du dich gemeinsam mit mir und mit anderen Eltern zu all den Themen austauschen, die dich und andere bewegen. 

Hier geht es lang…

Liebe Grüße, Andreas Reinke

INSPIRATION FÜR ELTERN UND PÄDAGOGEN